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Franz Ritter von Hauer, Begründer der "Wiener Schule" der Paläontologie (1822 - 1899). Herbert Summesberger, Naturhistorisches Museum Wien Herbert.summesberger@nhm-wien.ac.at

Franz von Hauer ist die Schlüsselfigur für den Beginn paläontologischer Forschung in Österreich. 1822 geboren, Studien an der Bergakademie von Schemnitz hielt er auf Initiative Haidingers 1844 erste paläontologische Vorlesungen am Montanistischen Museum in Wien. Einer seiner Schüler war Eduard Suess. Ein erstes "Vorlesungsscriptum" blieb unveröffentlicht. 1845 gründete er die "Freunde der Naturwissenschaften", die sich aus jüngeren Männern zusammensetzten und wöchentlich unter dem Vorsitz Wilhelm Haidingers zusammentraten. Die Reaktion der etablierten Wissenschaft führte 1847zur Gründung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Böhm 1899). Hauer gehörte seit der Gründung zu den deren ersten "correspondierenden" Mitgliedern (Ordentliches Mitglied 1860). Hauers Schlüsselwerk, "Die Cephalopoden des Salzkammergutes aus der Sammlung seiner Durchlaucht des Fürsten von Metternich" kam 1847 als Privatdruck heraus. 1847 - 1851 gab Wilhelm Haidinger die "Berichte über die Mitteilungen von Freunden der Naturwissenschaften" heraus, worin Hauer zahlreiche Beiträge veröffentlichte. Vor der Gründung von "Haidinger's Berichten" waren ab 1846 die Berichte der Freunde der Naturwissenschaften in der Wiener Zeitung erschienen. Bereits der erste Band von Haidingers großformatigen "Naturwissenschaftlichen Abhandlungen" (1847-1851) enthielt vier paläontologische Arbeiten Hauers. Im ersten Jahr seiner Publikationstätigkeit waren nicht weniger als 15 paläontologische Arbeiten erschienen.
Hatten die beiden von Haidinger gegründeten Reihen den gesamten Naturwissenschaften gedient, so standen durch die Gründung der k.k. Geologischen Reichsanstalt (1949) ab 1850 das geologisch orientierte Jahrbuch und die paläontologisch orientierten Abhandlungen der k.k. Geologischen Reichsanstalt zur Verfügung, ab 1850 auch die Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften. 1849 war Hauer mit der Stelle des Ersten Geologen der neu gegründeten Geologischen Reichsanstalt betraut und zum k.k. Bergrath ernannt worden. 1858 erschien der einzige Band seiner "Beiträge zur Palaeontographie von Österreich". 1867 bis 1885 leitete Hauer als Direktor die Geologische Reichsanstalt. Ab1885 wurde er Nachfolger des früh verstorbenen Ferdinand Hochstetter als Intendant des k.k. Naturhistorischen Hofmuseums. Dessen Geschick leitete er bis 1896. 1886 begründete er die "Annalen des Naturhistorischen Hofmuseums". Hauer hat mit seiner Dynamik den Anschluss an west- und mitteleuropäische Standards der Paläontologie hergestellt. Zusammen mit seinem kongenialen Förderer und Mentor Wilhelm Haidinger wusste man geschickt die Gunst der Stunde zu nutzen (persönliche Beziehungen zu Reichskanzler Metternich, zu Minister Ferdinand von Thinnfeld; 1848 - Aufhebung der Zensur). Hauer war zeitlebens hoch geehrt und angesehen. Sein 70. Geburtstag wurde mit Glückwunschadressen aus allen Teilen der Monarchie und aus aller Welt gebührend gefeiert. Seine Tod am 20. März 1899 hatte eine Reihe von Nachrufen zur Folge, seine frühen Publikationen eine wahre Flut von Monographien, die bis heute höchstes Ansehen in der Paläontologie genießen. Er muss als der eigentliche Begründer der "Wiener Schule" der Paläontologie gelten. Sein Name ist über die Regeln der Zoologischen Nomenklatur mit einer Reihe von Taxa verbunden. Hier eine Auswahl von Ammoniten:

Ammonitesmetternichi HAUER 1947, Typusart zu Pinacoceras MOJSISOVICS
Ammoniteshaberfellneri HAUER , Typusart zu Barroisiceras GROSSOUVRE
Ammonitesneubergicus HAUER, Typusart zu Pachydiscus ZITTEL
Choristocerasmarshi HAUER, Typusart zu Choristoceras HAUER
Rhabdocerassuessi HAUER 1860, Typusart zu Rhabdoceras HAUER 1860
Cochlocerasfischeri HAUER 1860, Typusart zu Cochloceras HAUER 1860

Clydonites(1860)
Bosnites (1896)
Proteusites (1887)
Choristoceras (1865; C. marshi H.)
Rhabdoceras (1860; R. suessi H.)
Cochloceras (1860; C. fischeri H.)

Hauerites (MOJSISOVICS 1893)
Hauericeras (GROSSOUVRE 1894)
Barroisicerashaueri (HYATT 1903)


Haidinger selbst benannte das Mineral Hauerit zu Ehren von Franz und dessen Vater Joseph von Hauer.

References:
Tietze, E. 1900.Jahrb. G.R.A. 49: 679-827.
Vacek M. 1899. Franz Ritter von Hauer. Nachruf. - Verh. Geol. R.A. 1899/4, p. 119-126.
Toula, F. 1900. Leopoldina36: 117-121, 137-142.
Böhm, A. 1899. Abh. Geogr. Ges. 1: 9

1. Tietze1900 S. 683: Familienwappen mit Hinweis auf Weinbau, mit Waage
2. Böhm 1899