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Entstehung der Mineralien#


Die Bildung der Mineralien hängt entweder mit magmatischen Vorgängen, das heißt mit der Erstarrung von Gesteinsschmelzen, mit der Ablagerung der Sedimente oder der Umwandlung bereits vorhandener Gesteine, der sogenannten Metamorphose, zusammen. Jeder dieser großen Bildungsbereiche ist charakterisiert durch ein bestimmtes Stoffangebot, durch einen bestimmten Druck und durch bestimmte Temperaturen. Die Spanne der Temperaturen, bei denen sich in den oberen Bereichen der Erdkruste die verschiedenen Mineralien bilden, ist gar nicht einmal so groß, sie reicht in der Regel von einigen Graden über 0° C bis ungefähr 1000° C. Die höchsten Temperaturen erreichen dabei die rein magmatischen Bildungen; die direkt aus den Silikatschmelzen kristallisierenden Minerale bilden sich bei Temperaturen von ca. 700° C bis 1200° C. In diesen Bereich gehört die Bildung der magmatischen Gesteine und somit auch die der diese aufbauenden Kristalle, die meist klein und oft nur mit dem Mikroskop zu erkennen und unscheinbar ausgebildet sind. Anschließend daran erfolgt bei einer Temperatur von 600° C bis 350° C die Bildung der pneumatolytischen und pegmatitischen Abfolge, die meist in Form von Gängen auftritt und vor allem bei den Pegmatiten durch außerordentliche Größe der Kristalle gekennzeichnet ist.


In einem Temperaturintervall von 350° C bis ca. 100° C erfolgt die Bildung der hydrothermalen Phase, das heißt die Ausscheidung von Mineralien aus heißen wässerigen Lösungen und Dämpfen; diese hydrothermalen Bildungen erfolgen meist in freien Hohlräumen der Gesteine in sogenannten Klüften, die durch gebirgsbildende Bewegungen in den bereits festen Gesteinen entstanden sind; da die Kristalle hier genügend freien Raum während des Wachstums hatten, kam es hier zur Ausbildung großer und schönbegrenzter Kristalldrusen, die die schönsten Mineralfunde liefern.


Die Mineralbildung der sedimentären Abfolge erfolgt bei geringeren Temperaturen, wie sie an oder nahe der Erdoberfläche (= Verwitterung und Bodenbildung) und in Gewässern, vor allem im Meer, während der Ablagerung der Sedimente geherrscht hatten; auch dabei können fallweise sehr schöne Mineralien (z. B. Steinsalz) gebildet werden.


Die Metamorphose der Gesteine (Sedimente und Eruptivgestein) erfolgt bei Temperaturen von 200° C bis 800° C. Dabei werden bereits gebildete Mineralien und Mineralgesellschaften (= Paragenesen) durch Temperatur und Drucksteigerung in andere Mineralien umgewandelt, ohne dass dabei eine Aufschmelzung erfolgt. Auch bei diesen Prozessen bilden sich große, ebenmäßig begrenzte Kristalle (z.B. Granat), die aber hier nicht in Hohlräumen, sondern im festen Gestein gewachsen sind.



© "Das kleine Mineralienbuch" von J. Ladurner/F. Purtscheller, Innsbruck, 1972