unbekannter Gast

Schubert-Ausstellung in der Klosterneuburger Rostock-Villa#

Bild '23'

Bauer - Lehrer - (Lieder-)fürst, das ist eine bemerkenswerte Karriere innerhalb von drei Generationen. Allerdings war schon Carl Schubert - der Großvater des Komponisten - kein gewöhnlicher Bauer, sondern "Bauer und Dorfrichter" in Neudorf bei Mährisch-Schönberg/, Bezirk Altstadt (Šumperk, Tschechien). Das Mährisch-Schlesische Heimatmuseum widmet der aus Familie Franz Schuberts (1797-1828) seine diesjährige Sonderausstellung.

Das Deutschverzeichnis der Werke Franz Schuberts umfasst 1000 Nummern, darunter 600 Lieder. Über den "Liederfürsten" hat es schon viele Ausstellungen gegeben, besonders in Jubiläumsjahren. Erinnert sei an das "Schubertjahr" 1928, zur 100. Wiederkehr seines Todestages. Es brachte nicht nur Großveranstaltungen, sondern auch vieles, was man heute in die Kategorie Kitsch einreihen würde. Besonderen Einfluss hatten der 1912 erschienene Roman "Schwammerl" von Rudolf Hans Bartsch und die darauf basierende Operette "Dreimäderlhaus" von Heinrich Berthé, die vier Jahre später uraufgeführt wurde. Damals entstandene Klischeevorstellungen wirken noch immer nach.

Das Mährisch-Schlesische Heimatmuseum geht einen anderen Weg. Ausstellungskurator Michael Ambrosch sieht den Beitrag des Museums als "Ergänzung, Erweiterung und Vermenschlichung des Genies". Er will den Besuchern "manch unbeachtetes Detail aus dem Leben des Komponisten näher bringen, um das allzu oft idealisierte und verklärte Bild ein wenig ins wirkliche Leben zurück zu holen."

Man betritt die Ausstellung durch ein Portal, das jenem des Geburtshauses in Wien 9, Nussdorfer Straße 54 nachempfunden ist, und lernt die Umwelt kennen, in der der Komponisten groß wurde, wie die Häuser, in denen er als Schulgehilfe seines Vaters unterrichtete oder die Lichtentaler Kirche, in der die Uraufführung seiner Messen stattfand. Notenblätter, Erinnerungsstücke und eine historische Nachbildung der "Schubertbrille" sind hier zu sehen. Den Blickpunkt bildet eine Collage aus Dutzenden Schubertportraits, die im Lauf von Jahrzehnten der - mehr oder weniger künstlerischen - Phantasie entsprungen sind.

Der Hauptraum stellt die älteren Familienmitglieder im Bild vor, wie den Vater Franz Theodor (1763-1830), der nach Wien auswanderte und hier Bürger wurde, die Brüder Ferdinand (1794-1859) und Karl (1795-1855), die zu ihrer Zeit als Schulbuchautor bzw. Maler bekannt waren. Die Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände aus der städtischen Biedermeierkultur kontrastieren mit der Lebenswelt der bäuerlichen Großeltern in Mähren. Schlichte Holzobjekte und Geräte zur Flachsverarbeitung illustrieren deren hartes Leben. Franz Schuberts Großvater, Carl (1723-1787), trat dennoch als Mäzen in seiner Heimatgemeinde auf. Er stiftete eine Sandsteinfigur des Christus am Ölberg und eine Kapelle. Beide sind erhalten, anders als das Geburtshaus der Mutter Franz Schuberts in Zuckmantel im ehemaligen Österreichisch-Schlesien (Zlaté Hory, Tschechien). Auch die älteste fassbare Generation, Franz Schuberts Urgroßeltern - Johannes Schubert (1678-1760) und mütterlicherseits Valentin Vietz (1679-1754) wird noch gewürdigt. Der Überlieferung zufolge war Johannes Vietz Regimentsmusiker in Flandern und das fränkische Geschlecht der Schubert lässt sich in der Gegend von Mährisch-Altstadt schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts nachweisen.

Die Sonderausstellung "Bauer – Lehrer – Liederfürst. Familie Franz Schubert" ist von 26. September 2013 bis 20. August 2014, Dienstag 10-16 Uhr, Samstag 13-17 Uhr, Sonntag 9-13 Uhr im Mährisch-Schlesischen Heimatmuseum 3400 Klosterneuburg, Schießstattgasse 2 (Rostock-Villa)geöffnet.