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Bis 20. Juni 2011
Leopold Museum

Glanz einer Epoche. Jugendstil-Schmuck aus Europa #

Bis 11. April 2011

Glanz einer Epoche. Jugendstil-Architektur aus Europa#

Gürtelschließe, um 1902-1905. Entwurf und Ausführung: Fa. Kirchgaessner & Kraft, Pforzheim. Foto: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Das Leopold Museum präsentiert die bisher umfassendste in Österreich gezeigte Ausstellung zum Thema Jugendstilschmuck. Sie gibt einen repräsentativen Querschnitt durch die wichtigsten Zentren der europäischen Schmuckerzeugung. 150 Schmuckstücke belegen Ideenreichtum und Vielfalt der Juwelierskunst um 1900. Auch dem Aufstieg der industriellen Produktion, mit der Unternehmer neben dem traditionsreichen Kunsthandwerk aus manueller Fertigung große Erfolge im Export erzielten, widmet sich die Ausstellung. Der Großteil der Leihgaben stammt aus den Sammlungen des Hessischen Landesmuseum Darmstadt. Darmstadt war wie Wien ein Zentrum des Jugendstils.

Schmuckkamm 'Pfauen', um 1904/05. Entwurf: René Jules Lalique. Foto: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden die Arbeiten bedeutender Pariser Juweliere. Allen voran jene des erfolgreichsten französischen Goldschmiedes und Schmuckentwerfers um 1900, René Jules Lalique (1860-1945). Als Pionier des Metiers und kreativster Designer seiner Generation beeinflusste er das Kunsthandwerk weit über die Grenzen Frankreichs hinaus. René Lalique inspirierte auch den Wiener Jugendstil, der sich jedoch in eine völlig andere Richtung entwickelte. Gustav Fischmeister (1875-1935), bekannt durch seine Firma Rozet & Fischmeister, Kammerlieferant, besuchte die École des Arts Décoratifs in Paris und war Schüler und Mitarbeiter Laliques.

Schmetterling-Broschen, um 1910. Entwurf: Gustav Fischmeister. Foto: Craig Dillon

Die um 1910 von Fischmeister kreierten Schmetterling-Broschen im "Genre Lalique" von sind von der Leichtigkeit des französischen Art Nouveau durchdrungen. Der aus Gelbgold gestaltete Körper und die Fühler harmonieren mit den in Fensteremailtechnik gestalteten Flügeln. Bei plique à jour oder Fensteremail-Arbeiten steht die Lichtdurchlässigkeit des Materials im Vordergrund. Hauchdünnes, durchsichtiges Email wird durch Edelmetallstege verbunden.Die Schmetterlingsflügel sind mit Diamanten und Rubinen, welche die Augen der Insekten bilden, besetzt. Gustav Fischmeister schenkte die faszinierend schimmernde Brosche seiner Frau zur Hochzeit.

Quadratische Brosche mit Schachbrettmotiv, 1910-1911. Entwurf: Josef Hoffmann. Foto: Hessisches Landesmuseum Darmstadt

1903 gründete der Industrielle Fritz Wärndorfer die Wiener Werkstätte. Mitbegründer waren der Maler und Designer Kolo Moser und der Architekt und Designer Josef Hoffman (1870-1956). Die Künstler waren überzeugt, dass Schmuck als Kunstform nicht den Reichtum der Trägerin demonstrieren, sondern ihre Individualität betonen sollte. Brillanten und Gold zogen sie Halbedelsteine und Silber vor. Der Wert ihrer Schmuckstücke sollte sich vor allem auf deren außergewöhnliche Gestaltung und handwerkliche Qualität gründen und weniger auf den Materialwert. Das waren prophetische Überlegungen: Ein Jahrhundert später notierte eine Hoffmann-Brosche im Wiener Dorotheum mit 66.000 €, Manschettenknöpfe mit 61.300 €.

Weitere Meisterstücke stammen aus Belgien, Dänemark, Großbritannien, Russland und den Niederlanden. Der in eine Black Box verwandelte Ausstellungsraum schafft durch die dämpfende Wandbespannung und den weichen Boden eine einzigartige Atmosphäre, um die Kunstwerke zur Geltung zu bringen.

Parallel zur Schmuck-Ausstellung sind Fotos von Peter Schubert von Jugendstil-Architektur im Atrium des Leopold Museums zu sehen. Schubert ist Pressesprecher des Stiftes Klosterneuburg, Historiker, Autor zahlreicher Bücher und Fotograf. Allein sein Archiv an Jugendstil-Architektur umfasst mehr als 10.000 Fotos aus 19 Ländern. Eine Auswahl von 72 Bildern aus 15 Ländern ergänzt bis 11. April die Schau der Pretiosen. Die Architektur des Jugendstils ist in Europa omnipräsent, obwohl der Stil nur ein Vierteljahrhundert en vogue war. Das von den Wiener Secessionisten verfolgte Prinzip des Gesamtkunstwerks findet sich in den urbanistischen Lösungen von Otto Wagner in Wien, Josef Hoffmann in Wien und Brüssel, Joseph Maria Olbrich in Wien und Darmstadt, Antonio Gaudi in Barcelona, Henry van de Velde in Deutschland und Belgien und Hector Guimard in Paris. Daneben bestehende tausende Bauwerke heute unbekannter Architekten und Baumeister. Peter Schubert hat sie mit einem Blick auf Details dokumentiert. Dadurch lernt der Besucher, auch scheinbar Bekanntes, wie die Wiener Postsparkasse, mit anderen Augen zu sehen und völlig neu zu entdecken.