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Bis 16. Oktober 2011
Wien Museum im Künstlerhaus

Makart. Ein Künstler regiert die Stadt
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© Wien Museum

Kaum ein österreichischer Künstler konnte im 19. Jahrhundert eine derart herausgehobene Stellung erlangen wie der „Malerfürst“ Hans Makart (1840-1884). Die Schau im Künstlerhaus widmet sich den Beziehungen zwischen dem jung verstorbenen Künstler, Stadt und Gesellschaft. Im Werk und in der Selbstinszenierung Makarts werden bereits moderne Phänomene wie das Massenevent und der Starkult sichtbar. Makart war Universalkünstler, ästhetisches Vorbild und einflussreichster „Designer“ der Ringstraßenzeit, der den Makart-Stil prägte.

Die Ausstellung beginnt mit der zentralen Wirkungsstätte Makarts, seinem Atelier, das als geradezu mythischer Ort beschrieben wird. Entscheidenden Anteil daran hatte die märchenhafte Exotik der theatralisch inszenierten Kuriositäten und Kostbarkeiten aller Zeiten und Länder. Die zur Inspiration wie zur Dekoration gesammelten Objekte wurden durch den Künstler wie für ein Stillleben arrangiert, Makarts eigene Bilder waren an Wänden und auf Staffeleien zu bewundern.

© Wien Museum

Malte er als junger Mann in München zunächst noch konventionell, so sattelte Makart bald auf „Sensationsbilder“ (Kapitel 2) um. Seine als dekadent und „indecent“ empfundenen Triptychen „Moderne Amoretten“ und die „Pest in Florenz“ machten ihn nach einer Ausstellung in Paris (1868) in Wien schlagartig bekannt.

Nach den „Sensationsbildern“ folgt ein Blick auf die Ringstraßenmalerei. Wien hatte sich mit dem Bau der Ringstraße ab 1857 zu einem der wichtigsten Kunstzentren Europas entwickelt. Die Hoffnung auf Aufträge lockte Künstler aller Sparten in die Kaiserstadt. Während Makart in den Palais privater Auftraggeber produktiv sein konnte, blieben große öffentliche Aufträge anfangs aus.

© Wien Museum

Unter dem Titel „Gemalte Musik“ wird im vierten Raum Makarts Beziehungen zu Richard Wagner nachgegangen. Beide verbindet das Streben nach dem Gesamtkunstwerk, Makart verehrte Wagner und richtete 1875 für ihn eines seiner berühmten Atelierfeste aus. Außerdem entstand der achtteiliger Bilderzyklus zum „Ring des Nibelungen“, dessen reduzierte Farbigkeit und dramatische Lichtregie ihn aus dem sonstigen Oeuvre herausheben. Vier Bilder aus diesem Zyklus sind nun erstmals seit ihrer Vorstellung 1883 wieder gemeinsam in Wien zu sehen.

Um den Makart-Stil - überbordende Interieurs mit Antiquitäten unterschiedlicher Stilrichtungen, Orientteppichen, Wandbehängen etc. - geht es im nächsten Kapitel. Obwohl von Modernen krititsiert, war nicht nur Antipode, sondern auch als Wegbereiter der Moderne.

© Wien Museum

Raum 6 stellt Makarts Porträtmalerei vor. Kaum eine Dame der Gesellschaft wollte darauf verzichten, ihm Modell zu stehen. Eindrucksvoll sind die prachtvollen Roben, häufig historisierende Kostüme der Renaissance und Rubenszeit.

Wie kein anderer bildender Künstler des 19. Jahrhunderts prägte Makart Oper und Theater in Wien. Zum einen entwarf er Theatervorhänge, zum anderen fand die Opulenz seiner Malerei in der Gestaltung von Bühnenbild und Kostümen - wie für die Tragödin des Burgtheaters Charlotte Wolter - ihren Niederschlag.

© Wien Museum

Ein zentraler Raum widmet sich dem „Makart-Festzug“. Im Jänner 1879 hatte der Stadtrat Wiens beschlossen, zur Feier der Silberhochzeit des Kaiserpaares einen Festzug abzuhalten und Makart die künstlerische Leitung war Makart übertragen. Der Festzug wurde zu seinem größten Kunstwerk. In nur wenigen Wochen ersann der „Zeremonienmeister“ ein Massenevent von ungeahnten Dimensionen. Wer etwas auf sich hielt, musste daran teilnehmen. 27 Festwagen und 14.000 Teilnehmern zogen, nach Zünften und Genossenschaften geordnet in Kostümen der Renaissance und des Barock über die Ringstraße. 300.000 Schaulustige sahen zu. Den Entwurf bildete ein 100 m langer Fries, von dem die Schau 21 großformatige Skizzen zeigt.

Im letzten Saal stehen der Makart-Kult und die Rezeption des Künstlers im Fokus. Makart erhielt ein Prunkbegräbnis und ein Ehrengrabmal auf dem Zentralfriedhof, doch bereits wenige Jahre später wurde er von einigen als „Dekorateur“ abgelehnt. Adolf Hitler ließ für sein geplantes „Führer-Museum“ in Linz Makart-Gemälde zusammentragen. Seit den 1970er- Jahren findet eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Salonmalerei des 19. Jahrhunderts statt. Aus heutiger Perspektive sind Makarts malerische Qualitäten wie auch sein umfassendes gestalterisches Talent gemeinsam zu betrachten, um dem Phänomen Makart als Ausdruck des Zeitgeists auf die Spur zu kommen.