unbekannter Gast

Bis 6. Februar 2011
Unteres Belvedere, Orangerie

Rodin und Wien#

Secessionsausstellung, 1901© Belvedere Wien

Mit François-Auguste-René Rodin (1840 Paris - 1917 Meudon) begann das Zeitalter der modernen Plastik und Skulptur.

Als korrespondierendes Mitglied der Wiener Secession beschickte Rodin ab 1898 deren Ausstellungen. 1899 erwarben die Secessionisten eine Büste Rodins für das heutige Belvedere. Im Rahmen der IX. Secessionsausstellung 1901 war Rodin im zentralen Raum mit mehreren Hauptwerken vertreten, wie "Eva", "die Bürger von Calais", "der Schreitende" oder "Kopf des Balzac". 1908 initiierte Rainer Maria Rilke eine Schau im Kunstsalon Heller, um dem Publikum Rodin als Grafiker vorzustellen. Die Ausstellung präsentiert rund 100 Werke, welche die Verbindung des französischen Künstlers mit Wien zeigen.

Auguste Rodin:  Eva , 1881 © Belvedere Wien

Als Rodins "Eva" 1901 in Wien ausgestellt wurde, war der Bildhauer in den Augen vieler der größte Künstler seiner Zeit. Zeitlebens suchte er nach immer neuen öglichkeiten, um seelische Befindlichkeiten wie Leidenschaft oder Verzweiflung über die Sprache des Körpers auszudrücken. Die Secession hatte in den wenigen Jahren ihres Bestehens einige aufsehenerregende Ausstellungen präsentiert, in denen sie Künstler gezeigt hatte, die im Ausland zur Avantgarde zählten. In diesem Sinne galt es Rodin – Prototyp des provokanten, modernen Künstlers – für den eigenen Zweck zu gewinnen. Seine Meisterschaft als Porträtist, seine Aktkunst, seine Auseinandersetzung mit öffentlichen Aufträgen, grafische Arbeiten, aber auch die Fotografie als vom Meister gezielt eingesetztes Medium, um international bekannt zu werden waren richtungweisend. Rodins Schaffen kommt epochale Bedeutung in der Entwicklung der Plastik zu, so dass sich kaum ein europäischer Bildhauer des 20. Jahrhunderts seiner Wirkung entziehen konnte. Österreichische Künstler wie Gustinus Ambrosi, Anton Hanak oder Fritz Wotruba und Maler wie Gustav Klimt, oder Egon Schiele lehnten sich in ihren Schöpfungen an Zeichnungen und Skulpturen Rodins an, übernahmen formale Lösungen oder griffen neue Möglichkeiten der Darstellung des Körpers als Ausdrucksträger auf.

Rodin und Wien, 2010 © Belvedere, Wien

Die Ausstellung im Belvedere gliedert sich in Themenbereiche wie

  • Die Ausstellung der Wiener Secession, 1901
Sie fand zu Ehren und im Gedenken an den im September 1899 verstorbenen Maler Giovanni Segantini statt. Man konzentrierte die Präsentation auf drei Hauptkünstler: Segantini, Rodin und Max Klinger. Die Ausstellungskonzeption zeichnete sich zum ersten Mal durch absolute Zurückhaltung und klare Gestaltung aus. Rodin hatte 14 Plastiken und acht Grafiken nach Wien geschickt. Auch Segantinis Die bösen Mütter (1894) und Klingers Kauernde (1900/01), heute im Besitz des Belvedere, waren damals in der Secession neben Rodins Arbeiten zu sehen - und sind es jetzt in der Orangerie.
  • Formale Anregungen durch Rodin
Wie in ganz Europa bezogen auch in Österreich zahlreiche Künstler Inspiration aus Rodins plastischer Behandlung der Oberflächen oder griffen Motivisches auf, um es zu eigenen Schöpfungen weiterzuentwickeln.
  • Rodin und die Fotografie
„Der Künstler liebt die Wahrheit, und die Fotografie ist trügerisch,“ kritisierte Rodin. Trotzdem war er einer der ersten, der das neue Medium für seine Zwecke einsetzte. Er verwendete die Fotografien als Verkaufskatalog und vermerkte mitunter auf der Rückseite den Preis des dargestellten Werkes. Bei seiner Ausstellung in Genf 1896 zeigte er um ersten Mal zusammen mit Skulpturen auch Fotografien . Fotos ersetzten die Werke, die er nicht ausleihen konnte, und zeigten seine Skulpturen genau so, wie er es wünschte.