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11. März bis 21. August 2011
Wien Museum Karlsplatz

Der Dombau von St. Stephan

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Stephanskirche, Ende 19. Jh., Oscar Kramer © Wien Museum

Im Zentrum der Ausstellung, in der neben 19 gotischen Planrissen weitere 120 Exponate zu sehen sind - darunter Urkunden, Fotografien, Grafiken, steinerne Architekturfragmente, Werkzeuge etc. - stehen die gotischen Planrisse von St. Stephan. Infografiken und Modelle, 3D-Darstellungen und Fotos bieten Hilfestellungen zum Verständnis der mittelalterlichen Gedankenwelt. Die Vielschichtigkeit der mittelalterlichen Planrisse spiegelt sich auch in den weiteren Kapiteln der Ausstellung. Hier geht es um kultur- und mentalitätsgeschichtliche Themen, religiöse Vorstellungswelten der damaligen Menschen und die Rahmenbedingungen der Zeit. Kinder können in einer Spiel-Baustelle, mittelalterliche Konstruktionstechniken ausprobieren.

Mehr als 300 Jahre wurde am Stephansdom gebaut. Der monumentale Dom mit dem bunt gedeckten Dach war von weitem sichtbar und wurde zur symbolische Mitte Wiens: St. Stephan fungierte auch als Repräsentationsbau der Landesfürsten, Pfarrkirche und später als Bischofssitz. 1433 stand in Wien der höchste Turm Europas. Die Planzeichnungen stammen von den berühmtesten Baumeistern der Zeit.

Glasscheibe aus dem Chor von St. Stephan, um 1340 © Wien Museum

Im Wien Museum befinden sich wertvolle Bauskulpturen von St. Stephan, wie die Fürstenfiguren, die im 19. Jahrhundert am Dom durch Kopien ersetzt wurden. Die Originale kamen, wie die gotischen Glasfenster, ins Museum und ergänzen die Ausstellung, ebenso wie eine „Bildgeschichte“ des Steffls als Wiener Stadtikone von 1500 bis heute. Dazu kommen die interaktive Station „Achtung Baustelle!“, in der Bautechniken des Mittelalters vermittelt werden. und ein Erkundungspfad durch die Dauerausstellung zu zahlreichen Exponaten mit Bezug zum Stephansdom.

Die Anfänge und das Aussehen der Stephanskirche im 12. Jahrhundert lässt sich kaum rekonstruieren, Gesichert ist, dass die frühgotische Kirche (der Westbau mit den mehrgeschoßigen Heidentürmen, das Riesentor und Teile der Westempore des heutigen Domes) 1263 geweiht wurde. Anfang des 14. Jahrhunderts erfolgte unter Herzog Rudolf IV. (1339- 1365) eine Erweiterung. Sie umfasste unter anderem die Herzogsgruft und die Aufstellung seines Grabmales im Mittelchor. Rudolf IV. dürfte auch der Initiator zur Errichtung eines hohen Turmes gewesen sein. Gleichzeitig erfolgte der Neubau eines größeren Langhauses, dessen Eindeckung mit farbigen Ziegeln ab 1449 erfolgte. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts begann man mit dem Bau des Nordturmes, die 1511 eingestellt wurden. Überdauert hat die Arbeitsweise und Handwerkskunst der Dombauhütte, die sich zwar die neuesten Techniken der Dokumentation angeeignet hat, aber dennoch den traditionellen Arbeitsmethoden verpflichtet fühlt.

Gewölbe der Katharinenkapelle im Südturm, 1965-70 © Peter Kodera / VBK, Wien, 2011

Anders als die meisten der großen Kathedralen Frankreichs oder auch der Kölner Dom, ist der Wiener Stephansdom nicht nach einem einheitlichen, bis zur Vollendung festgeschriebenen Plan errichtet, sondern das Ergebnis eines kontinuierlichen Planungs- und Ausbauprozesses. Die Bauhütte von St. Stephan, die für Organisation und Durchführung der Kirchenbaustelle verantwortlich war, war international vernetzt und hatte enormes Ansehen. Unter den planenden Baumeistern waren legendäre Persönlichkeiten wie Hanns Puchsbaum. Das Material der Pläne war Pergament, später Papier, die Zeichenwerkzeuge Tuschfeder, Lineal, Dreieck und Zirkel. Für die praktische Umsetzung zuständig war der „Parlier“, an der Ausführung arbeitete ein Heer an Steinmetzen, Maurern und anderen Handwerkern. Grundsätzlich ließ man den alten Bau möglichst lange stehen und schuf zunächst die Außenmauern. Trotz der langen Bauzeit wurde die Abhaltung von Gottesdiensten, Chorgebeten und Gedächtnisfeierlichkeiten in St. Stephan aufrecht gehalten. Immer wieder wurde die Kirche für Versammlungen der Landesfürsten, aber auch zur Unterzeichnung von Rechtsakten gebraucht, auch die Versammlungen der von Rudolf IV. gestifteten Universität fanden in der Stephanskirche statt.