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Albertina #

1010 Wien, Albertinaplatz 1 1010 Wien, Albertinaplatz 1

Albertina
Albertina, Augustinerstraße 1, 1010 Wien, aufgenommen am 17. Oktober 2010
Foto und © E. Judt, unter CC BY 4.0

Das Gebäude der Albertina wurde 1742-45 als Palais Taroucca errichtet, 1801-04 unter Einbeziehung von Teilen des Augustinerklosters im Auftrag des Herzog Albert von Sachsen-Teschen durch L. Montoyer erweitert. Die Fassade wurde 1867 und, gemeinsam mit der Albrechtsrampe, nach den schweren Bombenschäden des 2. Weltkriegs verändert. Im Zuge der Generalsanierung zwischen 2000 und 2003 wurden Fassaden und Prunkräume umfassend restauriert und der stillgelegte Danubiusbrunnen reaktiviert. Im Museumsbereich entstanden vier moderne, mit zeitgemäßer Technik ausgestattete Ausstellungshallen. Seit 2004 ist ein 64 m langes Flugdach aus Titan das weithin sichtbare Wahrzeichen der Albertina. Seit ihrer Wiedereröffnung ist die Albertina das meistbesuchte Museum Österreichs. Zu den bisherigen Ausstellungs-Highlights zählten Schauen zu Dürer, Rembrandt, Rubens, Picasso und Michelangelo. Der eigene Bestand der Albertina ist mit 65.000 Handzeichnungen und einer Million Druckgrafiken die größte grafische Sammlung der Welt. Sie umfasst u.a. Werke von Albrecht Dürer, Peter Paul Rubens, Michelangelo, Raffael, Rembrandt, Egon Schiele, Andy Warhol und Georg Baselitz.

Mit der im Oktober 1999 gegründeten Fotosammlung gibt es in Österreich erstmals ein Zentrum für Sammlungs-, Forschungs- und Ausstellungstätigkeit im Bereich historischer und zeitgenössischer Fotografie. Das Fundament bildet die Sammlung der Höheren Grafischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien: Atelierfotografie, früher Farbfotografie und piktorialistischen Arbeiten, Wissenschaftsfotografie wie Kurzzeit-, Röntgen-, Mikro- und Chronofotografie. Bedeutend sind auch die Fotobildbände aus den Reihen „Die Blauen Bücher“ und „Der Eiserne Hammer“ (Verlags Langewiesch), eine Leihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung, Wien, mit dem Schwergewicht auf Sachfotografie der 20er und 30er Jahre. Die weiteren Bestände reichen bis zur Gegenwart: US-amerikanischen Fotografi der 60er und 70er Jahre und Nachlässe österreichischer Fotografen.

Die Architektursammlung der Albertina umfasst etwa 25.000 Pläne, Skizzen und Modelle. Darunter finden sich große Konvolute und Nachlässe von Giulio Romano, Francesco Borromini, Johann Bernhard Fischer von Erlach, Theophil Hansen, Adolf Loos, Clemens Holzmeister sowie einzelne Arbeiten von Coop Himmelb(l)au, Frank Lloyd Wright oder Zaha Hadid. Die Sammlung wird durch Architekturmodelle u. a. nach Otto Wagner, Lois Welzenbacher, Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe und Alvar Aalto ergänzt. Den Grundstein für die Architektursammlung legte Philipp Freiherr von Stosch (1691–1757) mit rund 2.000 italienischen Architekturblättern des 16., 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Stosch, der fast zehn Jahre in Rom lebte, sammelte vor allem Zeichnungen von römischen Bauwerken. Einen zweiten Bestandsschwerpunkt stellen die mehr als 4.000 Architekturzeichnungen dar, die aus den Zeichnungsbüros des Hofbauamts der Monarchie stammen und das habsburgische Bauwesen zwischen 1700 und 1918 umfassend dokumentieren.

Die 21 historischen Prunkräume wurden in den Jahren 1801 bis 1805 vom Gründer der Sammlung, Albert Herzog von Sachsen-Teschen, errichtet. Louis de Montoyer, der bereits um 1780 in Brüssel Herzog Alberts Statthalterpalais erbaut hatte, gestaltete die Prunkräume im Stile des französischen Empire. Dafür verwendete er eine Vielzahl von Dekorationselementen aus dem Brüsseler Schloss, die Albert bei seiner Flucht vor den französischen Truppen nach Wien mitgenommen hatte. Nach dem Tod Herzog Alberts ließ sein Adoptivsohn, Erzherzog Carl, die Prunkräume vom Architekten Josef Kornhäusel neu ausstatten. Er gestaltete den zentralen Musensaal und die herrschaftlichen Appartements, die den Saal beidseitig flankieren. Der Saal – von der habsburgischen Familie als Speise- und Ballsaal benutzt – trägt seinen Namen nach dem Statuen-Zyklus „Apollo und die neun Musen! (Bildhauer Joseph Klieber. Um den Musensaal gruppieren sich u. a. das Goldkabinett, das Wedgwoodkabinett, der Empfangssalon und Karls Schlafzimmer mit originalen Intarsienböden der Firma Danhauser und seidenen Wandbespannungen. Nach dem Ende der Habsburgermonarchie (1918) wurden die Prunkräume jahrzehntelang u.a. als Depot genutzt. Im Zuge der Umgestaltung wurden sie 1999 bis 2003 restauriert.

Geschichte der Sammlung

Herzog Albert, 1738 als Sohn des Kurfürsten Friedrich August II. von Sachsen geboren, heiratete in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts Marie Christine, die Lieblingstochter Maria Theresias, und wurde Statthalter von Ungarn. Die Mitgift von Marie Christine sicherte Herzog Albert jenen materiellen Wohlstand, ohne den seine spätere Sammlungstätigkeit nicht denkbar gewesen wäre. 1773 schlug der genuesische Kunstkenner und kaiserliche Gesandte in Venedig Giacomo Conte Durazzo dem Herzogspaar die Anlage einer grafischen Sammlung vor. Bis 1776 erwarb Durazzo im Auftrag Herzog Alberts etwa 30.000 Blätter. Im „Discorso Preliminare“, der Gründungsurkunde der Albertina, legte Durazzo nicht nur das Gliederungssystem der zukünftigen Sammlung dar, sondern hielt auch das Prinzip des überzeugten Aufklärers fest: Es solle eine Sammlung für die Nachwelt geschaffen werden, die höheren Zwecken dient, als andere es tun. Nicht Amüsement und Repräsentationswille, sondern Bildung und Kraft zur Sittlichkeit sollen die Sammlung prägen. 1781 wurde Herzog Albert Generalstatthalter der Österreichischen Niederlande. Damit öffneten sich ihm die Zentren des europäischen Kunsthandels in Holland, Frankreich, Deutschland und England.

Nach dem Verlust der Österreichischen Niederlande übersiedelte Herzog Albert von Sachsen-Teschen 1780 von seiner Residenz in Brüssel mitsamt deren Ausstattung in ein Palais auf der Bastei, das ihm Kaiser Franz zur Verfügung stellte: die heutige Albertina. Damit gelangten die wertvollsten Louis-XVI Möbel der Zeit in die Albertina. 1822 betraute sein Neffe und Universalerbe Erzherzog Carl die renommierte Wiener Möbelwerkstätte von Joseph Danhauser mit der Möblierung des Albertina-Palais. Die Originalausstattung wurde in der Zwischenkriegszeit von Erzherzog Friedrich zum größten Teil verkauft und im Zuge der Renovierung systematisch rückerworben und restauriert. Von der Zeit seines Umzugs nach Wien bis zu seinem Tod 1822 widmete sich Herzog Albert fast ausschließlich der Erweiterung und Ordnung seiner Sammlung. Die wichtigsten Zuwächse verzeichnete sie Sammlung durch den Erwerb von 800 Zeichnungen aus der Kollektion von Charles Antoine Prince de Ligne – darunter Werke von Leonardo, Michelangelo und Raffael – sowie 1796 mit dem Tausch von Druckgrafiken gegen Zeichnungen der kaiserlichen Hofbibliothek. Auf diese Weise gelangte, neben Hauptwerken von Rubens, Rembrandt und van Dyck, die berühmte Dürer-Sammlung Kaiser Rudolfs II. in die albertinische Sammlung. 1816 erklärte Herzog Albert seine Sammlung testamentarisch zum Fideikommiss und sicherte sie damit als unveräußerliches und unteilbares Ganzes dauerhaft für Österreich.

Mit dem Tod Herzog Alberts 1822 erbte Erzherzog Carl, der Sieger in der Schlacht von Aspern gegen Napoleon, das Palais und die Kunstsammlung. Erzherzog Carl und seine Gattin, Henriette von Nassau-Weilburg, erweiterten die Sammlung kontinuierlich. 1847 wurde der älteste Sohn des Herzogpaares, Erzherzog Albrecht, der Verwalter und Mehrer des großen Kunsterbes. Der letzte Bewohner der Albertina, Erzherzog Friedrich, musste in der Folge der Habsburger- Gesetze die im November 1918 ausgerufene Republik Österreich verlassen. Bis auf die durch Fideikommiss gebundene Sammlung der Zeichnungen und Druckgrafiken nahm er das gesamte bewegliche Gut des Palais mit.

Anfang Mai 2007 übergaben Rita und Herbert Batliner ihre Sammlung, eine der wichtigsten europäischen Kunstsammlungen, als unbefristete Dauerleihgabe. Damit erhielt die Albertina den größten Sammlungszuwachs in ihrer Geschichte, mit Hauptwerken unter anderen von Monet, Renoir, Cézanne, Chagall, Picasso (40 Werke, darunter 10 Gemälde), Modigliani, Matisse, Kandinsky, Roy Lichtenstein und Francis Bacon.

hmw

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