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Wiener Bezirksmuseen#

Jeder der 23 Wiener Gemeindebezirke hat sein eigenes Museum, das sich mit der Entwicklung, den Bewohnern (meist den prominenten) und Besonderheiten des Bezirks befasst. Die Idee zu solchen Spezialsammlungen entstand im Umfeld der Heimatbewegung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. "Alt-Wien" veränderte sich durch den Fall den Basteien und die Anlage der Ringstraße. Die 34 Vorstädte wurden 1850 als Bezirke 2 bis 8 eingemeindet, 1861 entstand der 5. Bezirk und folgenden erhielten höhere Nummern, 1874 kam Favoriten als 10. Bezirk dazu. 1890 folgte die Eingemeindung der früheren Vororte, 1900 entstand der 20. Bezirk durch Abtrennung vom 2.

Besonders in der Zwischenkriegszeit wurde die Heimatforschung zum Anliegen der Pädagogen. Lehrer-Arbeitsgemeinschaften verfassten umfangreiche Bezirks-Heimatkunden und regten zur Sammeltätigkeit an. Beispielgebend war das Buch "Österreichische Heimatmuseen" von Dr. Karl Lang (Wien 1929). Er forderte "Lehrmuseen", die "Kulturkunde" vermitteln sollten, kritisierte den Missbrauch des Schlagworts "Heimat" und lehnte einseitige Darstellungen ab. Das Buch enthielt auch eine Kurzbeschreibung der ca. 100 Heimatmuseen, die damals in den Bundesländern, aber mit Ausnahme von Meidling (1923) noch nicht in Wien, bestanden.

Die erste Gründungswelle der Wiener Museumsvereine fiel in die 1930er- Jahre. Favoriten, Simmering und Hernals 1934, Ottakring und Floridsdorf 1935, Landstraße und Währing 1937, Josefstadt 1938. Der Profession der Initiatoren entsprechend, dienten meist ehemalige Schulklassen als Ausstellungsorte, später und z.T. bis heute, wurden die Bestände in Bezirksämtern gezeigt. In der NS-Zeit sollten regionale Kreismuseen geschaffen werden. So kamen die Währinger Bestände nach Hernals. Mehrere Sammlungen nahmen durch den Zweiten Weltkrieg Schaden.

Die zweite Gründungswelle begann in den Wiederaufbaujahren: 1950 Hietzing, 1951 Mariahilf, 1953 Liesing, 1957 Alsergrund, 1960 Brigittenau, 1962 Penzing, 1963 Leopoldstadt, Döbling, 1964 Rudolfsheim-Fünfhaus, 1966 Neubau. Nach der Gründung der "Arbeitsgemeinschaft der Wiener Bezirks- und Sondermuseen" (ARGE) wurden die Heimatmuseen ab 1971 in Bezirksmuseen umbenannt. Die jüngsten entstanden in den 1970-er Jahren: 1971 Wieden, 1972 Innere Stadt, 1976 Margareten und 1979 Donaustadt.

Träger jedes Museums war seit 1936 ein Verein. Um 1950 schlossen sich einige Heimatmuseen zu einer Vorläuferorganisation der späteren Arbeitsgemeinschaft zusammen, 1964 wurde die "Arbeitsgemeinschaft der Wiener Bezirks- und Sondermuseen" (ARGE) als Dachverband gegründet. In Zusammenarbeit mit städtischen Kulturabteilungen bot dieser Fortbildungsveranstaltungen und museologische Beratung an. Seit 1992 hat die ARGE ihren Sitz im renovierten ehemaligen Amtshaus der Josefstadt. Sie verteilt die von der Gemeinde Wien (MA 7, Kultur) vergebenen jährlichen Subventionen und engagiert sich in der Öffentlichkeitsarbeit.

Im aktuellen, von der ARGE herausgegebenen Prospekt heißt es: "Die Wiener Bezirksmuseen haben die Aufgabe, die Entwicklung des Bezirkes kulturhistorisch darzustellen. Neben der Dokumentation der Vergangenheit ist die Konfrontation mit der Gegenwart eine wichtige Funktion im Aufgabenbereich der Wiener Bezirksmuseen. Besonderen Stellenwert haben Ausstellungen, Öffentlichkeitsarbeit, Publikationen, Vorträge, künstlerische Veranstaltungen. Die Bezirksmuseen sind Kulturzentren des lokalen Bereiches. In allen Museen Eintritt frei."

Wer sich in einem Bezirksmuseum engagiert, arbeitet ehrenamtlich. Zu den traditionellen Aufgaben wie Schausammlung, Sonderausstellungen und Publikationen sind im Lauf der Zeit neue gekommen. So bestand von 1970-1991 die "Galerie Alsergrund", die als erste ihrer Art Künstlern aus dem Bezirk die Möglichkeit unentgeltlicher Präsentationen bot. Das "Museum 15" versteht sich als kultureller Kommunikationsort. Andere veranstalten Oral-History-Projekte, Lesungen, Konzerte, Vernissagen etc. Wichtig ist ihnen die Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen, traditionell Schulen, aber auch VHS, Pensionistenclubs und anderen.

Quelle: Andrea Hauer: Handbuch der Wiener Bezirksmuseen. Wien 1995
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