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Diözesanmuseum St. Pölten#

3100 St. Pölten / Niederösterreich, Domplatz 1

Das 1888 gegründete Diözesanmuseum in St. Pölten war das erste seiner Art in Österreich. Unter der Patronanz des christlich-religiösen Kunstvereins in Niederösterreich begann die Sammeltätigkeit von archäologischen Funden, historischen Dokumenten, Münzen und Medaillen. Malerei, Plastik und Kleinkunst aus allen Epochen. Der jüngste Umbau betrifft die Schatz- und Paramentenkammer. Nach 30 Jahren wurde sie 2014 nach konservatorischen Richtlinien neu eingerichtet. Als Schaudepot gestaltet, enthält sie einen qualitätvollen Bestand an vor allem barocken liturgischen Geräten und Paramenten.
Einen Schwerpunkt des Diözesanmuseums bildet die sakrale Kunst der Gotik . Besondere Aufmerksamkeit verdienen einige bauplastische Reste des mittelalterlichen Domes, die frühgotische Madonna aus Frauenhofen (um 1300), ein Schmerzensmann (um 1350) aus der ehem. St. Pöltener Stiftskirche, zwei Vesperbilder des frühen 15. Jahrhunderts, eine Sebastiansfigur aus der Werkstatt des Lorenz Luchsberger (um 1500) und der spätgotische Andreasaltar (um 1480/1485) aus der ehemaligen Friedhofskapelle am Domplatz in St. Pölten. Außerdem besitzt das Museum mehrere gotische Glasgemälde, so z. B. aus den Pfarrkirchen von Lunz am See, Neustadtl an der Donau und Ramsau bei Hainfeld. Ein herausragendes Beispiel ist die Stephanus-Scheibe aus der Pfarrkirche in Eggenburg. Auf Grund ihres Malstiles wird sie dem Meister des Pulkauer Flügelaltares zugeschrieben. Unter den liturgischen Geräten ist auf ein mittelalterliches Kreuzreliquiar aus dem Domschatz hinzuweisen. Die Kunst des Barock beherrscht das Museum, allein schon durch die Ausstattung der Räume. Vor allem gilt das für die Kerensbibliothek und die ehemalige Stiftsbibliothek , sowie das dem Museum angeschlossene Bischöfliche Oratorium.

Die Bibliothek besteht aus drei Räumen. Der Ausstattung liegt als Programm die Darstellung der vier Fakultäten zugrunde . Im nördlichen Raum sind Theologie und Philosophie, im südlichen Medizin und Rechtssprechung dargestellt. Die Bibliothek wurde unter Propst Johann Michael Führer durch Adaptierung von bereits bestehenden Räumen zwischen 1727 und 1739 mit Fresken von Paul Troger und Daniel Gran, mit Bildhauerarbeiten von Peter Widerin und mit Tischlerarbeiten von Hippolyt Nallenburg ausgestattet. Die künstlerische Ausstattung des Südraumes ist, so wie sie 1739 zum Zeitpunkt der Absetzung von Propst Führer (1715-1739) vom Bildhauer und Vergolder abgebrochen wurde, bis heute erhalten geblieben. Dieser Raum steht exemplarisch für das große unvollendete Projekt der Barockisierung durch diesen Propst.

Ab 1785 diente das Stiftsgebäude als neuer Bischofssitz, der von Wiener Neustadt hierher übersiedelte. Heinrich Johann von Kerens, von 1785 bis 1792 der erste Bischof von St. Pölten, ließ bei dieser Gelegenheit auch die bischöfliche Bibliothek - heute Kerensbibliothek genannt - nach St. Pölten überführen und in einem Raum beim heutigen Diözesanmuseum aufstellen. Mit höchster Wahrscheinlichkeit war dieser Raum ursprünglich als Winterrefektorium gedacht. Den Großteil des Bücherbestandes dürfte Kerens selbst erworben haben. Angeblich soll die Bibliothek von Michael Denis (1729-1800), einem österreichischen Schriftsteller, Übersetzer, Bibliothekar und Zoologen, eingerichtet worden sein.

Das bischöfliche Oratorium befindet sich im 1. Stock unmittelbar neben dem Dom und bietet einen Blick in den Chorraum. Der Raum besitzt eine reizvolle Ausstattung mit einer Stuckdecke aus dem frühen 18. Jahrhundert und einem barocken Kachelofen. Von besonderem Interesse sind hier die Ölskizzen zu den Deckenfresken sowie zu den zahlreichen Ölgemälden in der Domkirche. Es sind Arbeiten des Daniel Gran nahe stehenden Malers Thomas Friedrich Gedon. Darüber hinaus sind Skizzen des Martino und Bartolomeo Altomonte sowie ein großes Bild mit dem hl. Florian von Martin Johann Schmidt (genannt "Kremser Schmidt") zu sehen. Das wohl bedeutendste Stück in diesem Barockensemble ist der Silberaltar, eine Augsburger Arbeit von Mathias Walbaum (um 1620/30).

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