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Leopold-Figl-Museum#

3451 Michelhausen/Niederösterreich 3451 Michelhausen


In der Geschichte der Zweiten Republik nimmt Leopold Figl (1902-1965), der als erster Bundeskanzler und Außenminister für den wirtschaftlichen Aufbau und die Erlangung des Staatsvertrages maßgeblich verantwortlich war, eine zentrale Position ein. 1984 entstand in seiner Heimatgemeinde Rust im Tullnerfeld ein kleines, ihm gewidmetes Museum, das 1992 erweitert wurde. Unter der wissenschaftlichen. Leitung von Univ. Prof. Dr. Ernst Bruckmüller zeichnet es in sechs Räumen ein umfassendes Lebens- und Zeitbild des Politikers der Nachkriegszeit.

Im Zentralraum geht es mithilfe eines interaktiven Computerinformationssystems um Leopold Figls "Erzählte Geschichte" . Den Ausgangspunkt bildet ein Tondokument aus dem Jahre 1959, das durch historisches Bildmaterial ergänzt wird. Zudem stellt ein Film kaleidoskopartig Perspektiven, Mentalitäten, Interpretationen und Botschaften vergangener Generationen vor, um individuelle Geschichtsbilder in einen übergeordneten strukturgeschichtlichen Rahmen einzuordnen.

Raum 1 illustriert Kindheit und Jugend (1902-1930) . Figl entstammte einer alteingesessenen Bauernfamilie aus Rust. Die katholisch - patriarchalischen Wertvorstellungen der großbäuerliche Lebenswelt der damaligen Zeit prägten das Weltbild und die typischen Charakterzüge des späteren Politikers. Er besuchte das Gymnasium in St. Pölten und studierte an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, die er 1930 als Agraringenieur abschloss. Im selben Jahr heiratete er Hilde Hemala, die Tochter eines christlichsozialen Politikers.

Raum 2 widmet sich dem Beginn der politischen Karriere (1927 - 1938) im Niederösterreichischen Bauernbund. Frühe Kontakte zu dessen führenden Vertretern motivierten den Bodenkultur-Studenten, selbst im christlichsozialen Lager politisch aktiv zu werden. Die Mitwirkung an der Organisation des Katholikentages, die Berufung zum Führer der "Ostmärkischen Sturmscharen" und seine Freundschaft mit Engelbert Dollfuß werden hier beleuchtet und in übergeordnete historische Bezüge gestellt.

Raum 3 erinnert an die Verfolgung durch die Nationalsozialisten (1938 - 1945). Zusammen mit führenden Politikern des Schuschnigg-Regimes, Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden wurde Figl 1938 in das KZ Dachau deportiert. Erst 1943 kam er nach beharrlichen Interventionen seiner Frau frei, wurde jedoch 1944 abermals inhaftiert und erwartete 1945 im Landesgericht Wien seine Hinrichtung. Figls persönliche Erinnerungen sind in diesem Raum zu hören. Entlassungsgesuche, Briefe an die Familie sowie ein Erinnerungsgeschenk ehemaliger KZ Kameraden ergänzen das Tondokument.

Raum 4 beleuchtet Figls Zeit als Bundeskanzler und Außenminister in der 2. Republik (1945 - 1959). Sofort nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis bekam Figl wichtige politische Funktionen übertragen. Als Bauernbunddirektor, Landeshauptmann, Parteiobmann und Mitglied der Provisorischen Staatsregierung setzte er seine politische Karriere, aber nicht einfach fort: Figl erkannte die Notwendigkeit eines Neubeginns in der politischen Praxis. Für ihn war die Zusammenarbeit mit Politikern anderer Parteien eine unabdingbare Voraussetzung für den erfolgreichen Wiederaufbau des Landes.

Raum 5 informiert über Leopold Figl als Nationalratspräsident und Landeshauptmann (1959 - 1965). Mit seinem letzten Amt, als Landeshauptmanns von Niederösterreich, kehrte Figl in seine "Heimat" zurück. Der letzte Raum widmet sich aber auch der privaten Seite dieses typischen Repräsentanten der Politikergeneration der Nachkriegszeit. Zahlreiche Karikaturen, u.a. von Gustav Peichl ("Ironimus") verweisen auf die liebeswürdigen Züge seiner Persönlichkeit.

hmw