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Naturhistorisches Museum

Bis 4. Oktober 2015#

Die präparierte Welt

© NHM Wien, Kurt Kracher

Die präparierte Welt" spannt einen Bogen von den Anfängen der Tierpräparation über die Arbeiten früher Meister bis hin zur modernen Gestaltung naturnaher, lebensechter Exponate. Ob Phantasieobjekt, Darstellung der "wilden Kreatur", klassische Jagdtrophäe oder wissenschaftliches Präparat: Die Ausstellung zeigt alle dem jeweiligen Zeitgeist geschuldeten Formen der Präparation. Sie präsentiert auch die rasante technische Entwicklung, die dieses stark mit künstlerischen Aspekten verbundene Handwerk durchgemacht hat - übrigens ist Österreich das einzige EU-Land, dasPräparatoren ausbildet.

© NHM Wien, Kurt Kracher

Geschichte der Präparation Um 1900 gab es einen wahren Boom der großen Jagdtrophäen. Große Werkstätten, die im Namen ihrer berühmten Meister nach bestimmten Methoden arbeiteten, entstanden. Zu nennen ist hier etwa Philipp Leopold Martin (1815-1885), der Erfinder der Dermoplastik (griechisch derma = Haut, plastein = bilden). Auch Friedrich Kerz (1842-1915), Hermanus H. ter Meer (1871-1934) oder Carl E. Akeley (1864-1926) zählten zu den berühmten Dermoplastikern. Die Haltbarmachung der verwendeten Tierhäute erfolgte durch Gerbung oder Fixierung. Der große österreichische Anatom Josef Hyrtl (1810- 1894) versorgte die halbe Welt mit anatomischen Präparaten die wegen ihrer Schönheit für Aufsehen sorgten. Hyrtl gilt als Begründer der modernen Korrosionstechnik, bei der in Gefäße und Hohlräume verschiedenster Organe Präparationsmischungen eingespritzt werden. Die Anforderungen an die Qualität der Präparation haben sich in den letzten 200 Jahren deutlich erhöht. Besonders das steigende Angebot von Bild- und Filmmaterial ermöglicht heute sehr rasch den kritischen Vergleich zwischen Abbild und Original, was ständige Verbesserung der Präparationsleistungen zur Folge hatte.

© NHM Wien, Kurt Kracher

Wissenswertes

"Präparieren" kommt aus dem Lateinischen (preparare - vorbereiten) Aufgabe der Präparatoren aller Sparten war und ist das Vorbereiten von Fundstücken und Exponaten für die wissenschaftliche Untersuchung, in der Medizin, der Zoologie oder Paläontologie, und das Konservieren von Objekten. In der Botanik werden getrocknete und flachgepresste Pflanzen(teile) in Herbarien präpariert. In der Anthropologie und Medizin werden Trocken- oder Feuchtpräparate von Knochen oder weichen Körper(teilen) hergestellt. Iin den Erdwissenschaften spricht man beim Freilegen von Fossilien oder dem Aufbereiten von Sedimentproben ebenfalls von Präparation.

© NHM Wien, Kurt Kracher

Zu den ältesten Belegen präparatorischer Leistungen zählen die Mumien des alten Ägypten. Nicht nur Menschen, auch Tiere wurden vor über 3.000 Jahren einbalsamiert. Etwa Ibisse, Krokodile oder Gazellen. Das Motiv für diese Form der Präparation war - zumindest oft - ein religiöses, das Wissen um die hohe Kunst der Einbalsamierung ging im Lauf der Jahrhunderte weitgehend verloren.

In Europa stieg beginnend mit dem Entstehen der modernen Naturwissenschaften und der Medizin die Nachfrage nach Präparaten. Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich eine rege Nachfrage nach Jagdtrophäen, neue Techniken wurden erfunden, bestehende wie die Gerberei und die Fixierung weiterentwickelt.

Die einfachste Form der Anfertigung eines Präparats ist die Konservierung des ganzen Tiers in Alkohol. Mehr Aufwand bedeutet das Anfertigen von Bälgen, also das Abziehen und Gerben der Haut. Noch mehr Information bietet das Skelettpräparat. Es entsteht durch Ablösung des Gewebes. Für wissenschaftliche Zwecke werden die so gewonnenen Teile lose aufbewahrt. Wenn ein Skelett allerdings einen Schauwert haben soll, werden die Teile montiert.

© NHM Wien, Kurt Kracher

Dermoplastiken sind dreidimensionale Rekonstruktionen des gesamten Tieres. Ausgangspunkt ist stets der Balg, also die präparierte Haut, ergänzt durch weitere Originalteile wie Geweih, Hufe oder Zähne. Zunächst wurde der Balg mit diversen Füllmaterialien wie Stroh, Moos, Hanf oder auch Torf "ausgestopft" (daher der Begriff .Stopfpraparat"), was mitunter zu wenig authentischen Ergebnissen führte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Tiere bevorzugt mit gefletschten Zähnen, mit (viel zu) weit geöffnetem Maul oder in sonst einer Angriffspose dargestellt.

Moderne Exponate halten dem Vergleich mit dem Bild nicht nur stand, sie zeigen sogar mehr Details. Statt Stroh, Heu und Torf kommen Holzwolle, PU-Schaum und Epoxidharze zum Einsatz. Neue Methoden wie die Gefriertrocknung wurden entwickelt, Gifte wie das früher regelmäßig verwendete Arsen, wurden nach Möglichkeit aus den Konservierungsprozessen verbannt. Wenn Präparation heute an die Grenzen des Machbaren stößt, kommt ihr der Modellbau zur Hilfe. Etwa wenn Tiere zu klein sind, die Körperkonsistenz keine Präparation zulässt oder wenn es sich um die Rekonstruktion ausgestorbener Arten handelt.

© NHM Wien, Kurt Kracher

Auf die die "präparierte Welt", die in zwei Sälen zu sehen ist, stimmt die Ausstellung "Buffalo Ballad" ein. Großformatige Schwarz-Weiß Fotografien von Heidi & Hans-Jürgen Koch widmen sich dem Bison. Sie zeigen dessen Geschichte als Parabel über Globalisierung und das Zusammenspiel von technischem Fortschritt, Kapitalismus, Unverständnis ökologischer Zusammenhänge, Ideologien und Politik.

Die Ausstellung „Buffalo Ballad“ ist die visuelle Spurensuche im Herzen des Bisonlandes nach dem Geist und Mythos der amerikanischen Ikone. Wahrscheinlich zogen 30 Millionen Bisons im 16. Jahrhundert über die Grasebenen zwischen Kanada und Mexiko und von den Rocky Mountains bis zum Mississippi. Mit der Besiedlung des amerikanischen Mittelwestens wurde in weniger als zwei Jahrzehnten fast die gesamte Population vernichtet. Niemals zuvor haben Menschen in einem so kurzen Zeitraum so viele Tiere getötet. Theodor Roosevelt schickte die Kavallerie, um die letzten ihrer Art zu bewachen. Er wurde zum Urvater des US-Naturschutzes.