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Symphonie Nr. 8, h-moll ("Die Unvollendete")
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2. Satz: Allegro con moto
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Aufführungsdauer: 12 Minuten

Formschema  --> Bild
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Schubert verwendet hier eine leicht abgewandelte Sonatenhauptsatzform. Anstelle der Durchführung erklingt ein neues Thema als Überleitung zur Reprise.


Die Tonart E-Dur des zweiten Satzes führt in eine helle, verklärte Stimmung. Eine Sphäre von Schönheit und Abgeklärtheit tritt dem Hörer entgegen. Ein eröffnendes Pizzicatomotiv der Kontrabässe - die musikalische Substanz ist die E-Dur Tonleiter - führt zum Hauptthema des Satzes. Dieses erfährt ein dreimalige, stets variierte und nach G-Dur führende Wiederholung.


Der Zwischensatz steht in starkem Kontrast zur Hauptthemengruppe. Ein Thema, einstimmig in allen Streichinstrumenten vorgestellt, erklingt in Staccato-Achtelbewegung. Staccato bedeutet, dass der Ton kurz und forciert gespielt werden soll.


Das achtzehntaktige Seitenthema des Satzes besteht aus einer Klarinettenmelodie in cis-Moll, die vom Grundton in Terzen aufsteigt, am Spitzenton a drei Takte lang verweilt, dann zur Tonika cis stufenweise zurückkehrt und auf dem Quintton gis, der vier Takte lang ausgehalten wird, im dreifachen Pianissimo morendo = ersterbend schließt. Die harmonische Grundlage des nochmals erklingenden Seitenthemas wird von einem äußerst komplizierten Geschehen getragen. Dieses harmonische Geschehen bewirkt, dass Schubert in tiefste Regionen des menschlichen Empfindens einzudringen vermag. Das Seitenthema tritt in unterschiedlicher Instrumentation und in variierter Form noch zwei Mal auf.


Die Durchführung wird als eine Überleitung zum Formziel Reprise gestaltet. Ein neues Thema, ebenso aus einer Terz wie das Seitenthema gestaltet, wird in den tiefen Streichern vorgestellt, kanonisch in der ersten Violine nachgeahmt, und dabei modulierend von D-Dur nach E-Dur, dem Beginn der Reprise, hingeführt. Die Reprise ist hier die ideenmäßige Wiederholung des thematischen Materials der Exposition. Das Seitenthema erklingt nicht in cis, sondern in a-Moll.


Die Coda des Satzes wird eingeleitet vom Pizzikatomotiv des Satzbeginns. In den Holzbläsern (Klarinetten, Fagotte, Flöten) erklingt zweimal das Hauptthema des Satzes, einmal in der dunklen Klangfarbe in As-Dur, ein zweites Mal in E-Dur, jener Tonart, die am Satzbeginn mit Schönheit und Abgeklärtheit bezeichnet wurde. Der Satz klingt pianissimo aus. Das Scherzo, das in Skizzen vorhanden ist, und welches diesem 2. Satz hätte folgen sollen, kann die Bedeutung der beiden ersten Sätze nicht erreichen. Es wäre die musikalisch einleuchtendste Erklärung, dass Schubert dies spürte, und deshalb die Arbeit an der Symphonie abbrach. So ist diese unvollendete Symphonie für den Hörer die "Unvollendete" ein vollendetes Kunstwerk.