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An der schönen blauen Donau: Zu den Texten des Donauwalzers

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Johann Strauß (Sohn)
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Der erste, im Jahre 1867 unterlegte Text des Donauwalzers, verhöhnte den fast bankrotten Staat und seine Politiker. Im Fasching des Jahres 1867 wurden aufgrund des vorangegangenen Kriegsjahres und der damit verbundenen Niederlage Österreichs in der Schlacht von Königgrätz viele Bälle durch Konzerte ersetzt. So kündigte der Männergesang-Verein für den 15. Februar 1867 eine "Faschings-Liedertafel" im Dianasaal an, bei der der Walzer "An der schönen blauen Donau" uraufgeführt wurde. Der Vereinsdichter Joseph Weyl hatte für diesen Vortragswalzer einen kabarettistischen Text entworfen, der auf die verlorene Schlacht bei Königgrätz und auf die wirtschaftlichen Verluste anspielt. 

"Wiener seid froh!"
Text von Josef Weyl (1867), Vereinsdichter des Wiener Männergesangvereins

Wiener seid froh! – Oho, wie so?
No so blickt nur um! – Ich bitt warum?
Ein Schimmer des Lichts – Wir seh`n noch nichts.
Ei, Fasching ist da – Ah so, na ja!
D´rum trotzet der Zeit – O Gott, die Zeit der Trübseligkeit.
Ah! Das wär g´scheidt!
Was nutzt das Bedauern, das Trauern,
d´rum froh und heiter seid!
(Ausschnitt)

"Donau so blau"
23 Jahre später unterlegte Dr. Franz von Gerneth (Oberlandesgerichtsrat) den Walzermelodien folgenden Text:

Donau, so blau, durch Tal und Au,
wogst ruhig du hin, dich grüßt unser Wien,
dein silbernes Band, knüpft Land an Land,
und fröhlich Herzen schlagen an deinem schönen Strand.
Weit vom Schwarzwald her eilst du hin zum Meer,
spendest Segen allerwegen, ostwärts geht dein Lauf,
nimmst viel Brüder auf: Bild der Einigkeit für alle Zeit.
Alte Burgen seh´n nieder von den Höh´n,
grüssen gerne dich von ferne, und der Berge Kranz,
hell vom Morgenglanz, spiegelt sich in deiner Wellen Tanz.
(Ausschnitt)