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Vom Ausgleich zwischen Leben und Arbeit#

Vortrag
Foto: FH Joanneum

“Für mich gibt es keinen Ausgleich zwischen Leben und Arbeit. Es gibt nur das Leben: Die Arbeit ist eine Erweiterung der Persönlichkeit”, so Konstantin Strangas, Mitglied im Führungsteam des Fortune-500-Unternehmens Kelly OCG. In einem Interview sprach er über seine Erfahrungen als Student Institut International Management an der FH JOANNEUM in Graz, seine Gedanken über den Aufstieg der Wachstumsmärkte und seine Lebensphilosophie.

Konstantin Strangas ist ein erfahrener Experte im Bereich Supplier & Industry Relations und für Personaldienstleistungen verantwortlich. Konstantin Strangas vertritt Kelly OCG in der dreigliedrigen Konsultation der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, die sich dem Kampf gegen unethische Einstellungspraktiken, insbesondere bei grenzüberschreitender Arbeitsmigration verschrieben hat.

Konnten Sie das in Ihrem Studium an der FH JOANNEUM erlernte Wissen in Ihrer beruflichen Praxis anwenden?

Ja, vor allem die Fähigkeit, sich an die reale Welt anzupassen. Als Fachhochschule kann die FH JOANNEUM ein höheres Maß an industrieller Praxis und Erfahrung vermitteln. Nach dem Motto “Augen zu und durch” ist es für den beruflichen Erfolg nicht genug, das Wissen aus den Lehrbüchern einfach anzuwenden. Man muss lernen, wie die reale Wirtschaft als Ganzes funktioniert und wie sie jeden Einzelnen von uns täglich betrifft. Vor diesem Hintergrund haben die praktischen Aspekte des Studiums an der FH JOANNEUM mir definitiv geholfen, mich an meinen jeweiligen Arbeitsplatz anzupassen.

Wo sehen Sie die Herausforderungen und Möglichkeiten für gleichgesinnte Studierende aus Europa, die eine Karriere in Singapur beziehungsweise im Asien-Pazifik-Raum anstreben?

Heutzutage drängen immer mehr Nachwuchskräfte aus dem Westen in die Schwellenländer. Junge Talente haben es immer schwerer sich zu profilieren und für Unternehmen wird es immer schwieriger sich zu rechtfertigen, warum sie AusländerInnen einheimischen Arbeitskräften vorziehen. Dazu kommt noch, dass sich die Universitäten in diesem Raum drastisch verbessert haben: sowohl was die Anzahl der Studierenden als auch die Qualität der Ausbildung anbelangt. Aus Studien und auch aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Potenzial der mittelständischen deutschen Unternehmen sehr hoch ist, allerdings oft unterschätzt wird. Daher mein Rat: Bewerben Sie sich bei einem deutschen Mittelbetrieb, der sich vorwiegend auf den Wachstumsmärkten engagiert.

Wie schaffen Sie als erfolgreicher Manager den Ausgleich zwischen Arbeit und Leben?

Meine Frau und ich sind beide in einer Funktion, in der von uns erwartet wird, dass wir die Arbeit für uns selbst machen. Ich glaube ganz fest, dass wir nur ein Leben haben und das beste daraus machen müssen. Solange man den Wert erkennt, den die Arbeit über die finanzielle Entlohnung hinaus bringt, sieht man Arbeit nicht nur als Arbeit, sondern als Erweiterung der Persönlichkeit.

In meiner derzeitigen Funktion helfe ich aktiv mit, unethische Einstellungspraktiken zu bekämpfen, Sklavenarbeit zu vermindern und abzuschaffen und helfe einigen Menschen dabei, aus wirtschaftlicher Ausbeutung zu entkommen... Ich habe daher eine Antwort auf die Frage, warum ich mache, was ich mache. Daher sehe ich meine Arbeit auch nicht nur als Arbeit.

Müssen Studierende mehr über Wachstumsmärkte wissen, auch wenn sie ihre berufliche Zukunft in Europa sehen?

Ja natürlich. Mit dem Aufstieg der Länder hat sich das Gleichgewicht der Kräfte zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern drastisch verschoben. Die traditionelle Rolle der westlichen Länder als Exportländer, die Innovationen und Produkte in die Dritte Welt exportieren, ändert sich. Staaten wie China und Indien sind nun die Exportländer.

Auch wenn man kein Interesse hat, sich direkt in einem der Schwellenländer anzusiedeln, muss man sich der Existenz der Wachstumsmärkte bewusst sein, Know-how in diesem Bereich aufbauen und verstehen, dass man es mit Unternehmen mit einem völlig anderen kulturellen Umfeld und einer anderen Marktrealität zu tun hat.