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Wo fremde Pflanzen Wurzeln schlagen#

BiologInnen erarbeiten erstmals globalen Überblick über die Ausbreitung nicht-heimischer Pflanzenarten#

Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist einer der bekanntesten invasiven Pflanzen in Europa. Die Invasion in Mitteleuropa begann in den 1950er Jahren.
Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) ist einer der bekanntesten invasiven Pflanzen in Europa. Die Invasion in Mitteleuropa begann in den 1950er Jahren
© Jan Pergl

Immer mehr Pflanzenarten werden durch den Menschen in neue Gebiete eingeschleppt. Eine wissenschaftliche Erhebung gibt nun erstmalig eine Übersicht über die vom Menschen verursachte Ausbreitung von Pflanzenarten auf andere Kontinente. Ein internationales ForscherInnenteam um Franz Essl und Dietmar Moser vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien und am Umweltbundesamt zeigt dass durch den Menschen bereits 13.168 Pflanzenarten verschleppt wurden – das entspricht 3,9 Prozent der weltweiten Artenzahl an Pflanzen. Ihre Forschungsergebnisse erscheinen aktuell in der Ausgabe des renommierten Wissenschaftsjournals "Nature".

Im Rahmen des vierjährigen Forschungsprojekts sammelten die BiologInnen regionale Listen von eingeführten Pflanzen auf der ganzen Welt und führten sie in einer globalen Datenbank "GloNAF" (Global Naturalized Alien Flora) zusammen. Die Daten aus 481 Festlandgebieten und 362 Inseln decken rund 83 Prozent der Landoberfläche der Erde ab. "Die größte Herausforderung bestand darin, Daten aus wenig erforschten Gebieten der Welt zu bekommen, wo es keine oder nur sehr spärliche Informationen zu gebietsfremden Arten gibt", erklärt Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien.

Bis dato mussten WissenschafterInnen aus eher unvollständigen Datensätzen Rückschlüsse auf globale Muster ziehen, und vieles, was wir über die Verbringung von Pflanzenarten wussten, basierte zu einem gewissen Teil auf Spekulationen. "Die ausführliche Analyse von tatsächlichen Daten macht unsere Studie einzigartig", erklärt Franz Essl. Mit dieser Datengrundlage lassen sich nun viele Fragen nach den Ursachen der Verschleppung von Pflanzenarten beantworten. So sind z.B. die Eigenschaften der Pflanzen, die ihre Ansiedlung in neuen Gebieten begünstigen, im globalen Kontext nur ansatzweise verstanden.