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Mitterbach#

3224 Mitterbach, Kirchengasse 9

In Mitterbach steht die älteste evangelische Pfarrkirche (und einzige Toleranzkirche) Niederösterreichs. 1747 hatte das Zisterzienserstift Heiligenkreuz evangelische Holzknechte gerufen, um den Wald um den Ötscher zu roden. Protestanten durften ihren Glauben damals nicht ausüben, 35 Jahre pflegten die rund 60 evangelischen Holzknechtfamilie geheime Zusammenkünfte. Dies änderte sich erst mit dem Toleranzpatent Kaiser Josef II. Danach bekannten sich 260 Personen zu ihrer Konfession.

Die Kirche entstand aus einem 1785 geweihten Bethaus. Dieses musste jedoch turmlos und ohne straßenseitigen Eingang sein. Der Bau des Turmes - barockisierender Pilastgliederung, Giebel und Zwiebelhelm - erfolgte 1849. Die nach Osten ausgerichtete Saalkirche hat einen eingezogenen, halbkreisförmig geschlossenen Chor und spätbarock-frühklassizistische Gliederungselemente. Über dem Portal im Westen befindet sich ein versprosstes Lünetten- darüber im Giebel ein Rundbogenfenster, vor dem Eingang wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein hölzerner Ständerbau errichtet. Das Innere des Gotteshauses präsentiert sich als Saal mit Flachdecke und tiefer Empore auf Gusseisenstützen sowie einem etwas niedrigeren Presbyterium. Teile der Einrichtung stammen aus der ehem. Kirche "St. Johann in der Wüste", so die Kanzel, Bänke und spätbarocke Leuchterengel. Das Bild beim Ädikula-Altar aus dem Jahr 1839 zeigt einen Kruzifixus. Der Taufstein aus grauem Marmor, die gußeiserne Gruppe "Gottvater und Christus auf der Weltkugel" sowie die Emporenbänke stammen ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Die 1854 gebaute Orgel hat ein neubarockes Gehäuse, sie wurde nach genau 50 Jahren renoviert. Restaurierungen der Kirche erfolgten 1921 und 1969/70.

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