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Die Ennsbrücke#

Die Brücke über die Enns und die über sie führende B1 verbindet Niederösterreich und Oberösterreich. Seit der Zeit der Römer bildet der Ennsfluss eine kulturell-politische Grenze zwischen dem östlichen und dem westlichen Mitteleuropa. In der Besatzungszeit 1945-1955 trennte die Brücke die amerikanische von der sowjetischen Zone. Der Ort war wegen die strengen Kontrollen der Sowjets, die oft die Stempel auf den viersprachigen I-Karten zu zählen pflegten, gefürchtet.

Am 5. November 1948 wurde Dr. Margarethe Ottillinger (1919-1992), die Leiterin der Sektion Planung im Bundesministerium für Vermögenssicherung, zusammen mit ihrem Minister an der Ennsbrücke, von den Sowjetposten aus dem Auto geholt. Während der Minister weiterfahren durfte, wurde Ottilinger verhaftet. Durch ein Tass-Kommuniqué wurde bekannt, dass sie von den Russen wegen angeblicher Spionage für die Amerikaner verhaftet worden sei. Sie wurde zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt und erst 1955 freigelassen und rehabilitiert.

  • Catarina Carsten: Der Fall Ottillinger. Eine Frau im Netz politischer Intrigen. Herder, Wien u. a. 1983,
  • Stefan Karner (Hrsg.): Geheime Akten des KGB. „Margarita Ottilinger“. Leykam, Graz 1992,
  • Ingeborg Schödl: Im Fadenkreuz der Macht. Das außergewöhnliche Leben der Margarethe Ottilinger. Czernin-Verlag, Wien 2004,
  • Bericht im "Spiegel" vom 27.11.1948