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Mayerling#

Mayerling, eine Katastralgemeinde von Alland, (Bezirk Baden, Niederösterreich), war seit 1550 im Besitz des Stifts Heiligenkreuz. 1886 erwarb Kronprinz Rudolf (1858-1889) einen Gebäudekomplex zwecks Umbau in ein Jagdschloss.

Kronprinz Rudolf wurde im vierten Ehejahr seiner Eltern, Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth, in Schloss Laxenburg geboren. Eine älteste Schwester, Sophie, war bereits als Zweijährige verstorben, die andere, Erzherzogin Gisela hatte gerade ihren ersten Geburtstag gefeiert. Während Gleichaltrige in die Schule eintraten, erhielt er (1864) einen eigenen Hofstaat und einen General als extrem hartherzigen Lehrer. Als Zwanzigjähriger wandte er sich in einer anonym erschienenen Abhandlung gegen die übliche adelige Erziehung. Zwei Jahre später reiste der Kronprinz nach Brüssel, um sich standes- und pflichtgemäß mit der 16-jährigen Stephanie von Belgien (1864-1945) zu verloben. Rudolf war vielseitig interessiert und gebildet, dachte liberal, stand dem Adel und dem politischen Katholizismus kritisch gegenüber und hätte in der Monarchie die einzelnen Nationen gerne gleichberechtigt gesehen. Im Leiter des "Neuen Wiener Tagblatts", Moritz Szeps (1835-1902), fand er einen väterlichen Freund. Der Journalist verschaffte ihm Informationen, die dem Kaisersohn vorenthalten wurden. Andererseits gab er ihm die Möglichkeit, seine politischen Ideen in anonymen Artikeln zu veröffentlichen.

Als Dreißigjähriger hatte sich Kronprinz Rudolf, privat wie politisch, in eine schwierige Situation hineinmanövriert. Einflusslosigkeit, außenpolitische Gegner, Unverständnis des Vaters, peinliche öffentliche Szenen wegen Frauengeschichten, führten zu Suizidgedanken. Am 30. Jänner 1889 wurden Kronprinz Rudolf und Mary Freiin Vetsera (1871-1889) tot aufgefunden. Hinsichtlich der näheren Umstände bleiben viele Fragen offen: "Selbst die Frage nach Mord oder Selbstmord ist nicht mit völliger Sicherheit zu beantworten", schrieb der Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Dr. Leopold Auer, im Katalog zur Ausstellung "Kronprinz Rudolf. Lebensspuren" anlässlich des 150. Geburtstags und 120. Todestags.

hmw

Literatur: Katalog zur Ausstellung "Kronprinz Rudolf. Lebensspuren" . Wien 2008
Johannes Sachslehner: Schicksalsorte Österreichs. Wien, Graz, Klagenfurt 2009


Kronprinz Rudolf in Jagdkleidung © Bundesmobilienverwaltung

Mary Vetsera © Bundesmobilienverwaltung

Sterbebett © Bundesmobilienverwaltung

Ausgezeichneter Artikel, der vor allem durch das vielschichtige Problembewusstsein betreffend die Biographie Rudolphs besticht, indem er die ganze Reihe bisher ungelöster Fragen deutlich herausarbeitet. R. manövrierte sich nicht nur selbst -wie dargestellt- in schwierige Situationen hinein, sondern wurde auch durch seine Umgebung mit einer für einen Kaisersohn ganz ungewöhnlichen Problemen konfrontiert. So wurden ihm -siehe Artikel- notwendige Informationen vorenthalten, er wurde keineswegs systematisch als Thronfolger ausgebildet und behandelt. Psychische Probleme als Konsequenz scheinen da nicht ungewöhnlich, sondern eher naheliegend. Dass er sich Freunde ausserhalb des Hofes suchen musste, ist ja mehr als bezeichnend. Es ist den Autoren zu danken, dass sie nicht die herkömmlichen Kategorien der Rudolphforschung übernehmen, sondern die vielfältigen Forschungsdesiderate im Gegenstand klar darstellen.

--Glaubauf karl, Freitag, 15. Januar 2010, 16:29