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Perchtoldsdorf#

Wehrturm in Perchtoldsdorf © Österreich-Werbung, Trumler

Die Marktgemeinde Perchtoldsdorf in Niederösterreich (Bezirk Mödling) liegt am Abfall des Wienerwalds zum Wiener Becken und ist als Weinbau- und Wohnvorort an der Südwestgrenze von Wien bekannt. Besonders litt die Bevölkerung 1683, bevor die osmanischen Heere Wien belagerten.

Türkischer Tradition entsprechend ritt am 15. Juli 1683 ein Sipahi (Angehöriger der ersten Schwadron der "Großherrlichen Pfortenkavallerie") mit der Aufforderung vor die Stadt Wien, den Islam anzunehmen und sich auf Tribut zu ergeben. Danach begann die Kanonade gegen die Burg- und Löwenbastion. Während dessen durchzogen Reiterschwärme das Umland. Bewaffneter Widerstand wurde gebrochen, geplündert, Häuser in Brand gesteckt, Zivilbevölkerung verschleppt oder ermordet. In Perchtoldsdorf sollten 500 waffenfähige Männer die Kirchenfestung verteidigen, doch nur halb so viele fanden sich ein. Die Kirchenfestung, die als einziges Gebäude den Brand des Ortes überstanden hatte, diente der Bevölkerung als Zufluchtsort. Die Belagerten ergaben sich und erklärten sich bereit, die hohe Summe von 6.000 Gulden aufzubringen. Nach der Übergabe des Geldes auf dem Marktplatz und einem Mahl wurden die Bürger jedoch entwaffnet, die Festung geplündert, hunderte wehrlose Männer ermordet und viele Ortsbewohner als Sklaven weggeführt. Sie bekamen kaum Nahrung und Getränke und mussten die Nächte in Eisenfesseln verbringen. Wenige, wie der Chronist Wenceslaus Frey, überlebten und kehrten nach Perchtoldsdorf zurück. Nach ihren Berichten wurde ein Gemälde angefertigt, das sich im Bürgermeisterzimmer des Perchtoldsdorfer Rathauses befindet.

hmw

Literatur:
Walter Kleindel: Österreich. Zahlen, Daten, Fakten. Wien 2007
Johannes Sachslehner: Schicksalsorte Österreichs. Wien, Graz, Klagenfurt 2009