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Zistersdorf#

Förderpumpe bei Hagenberg (mit Klick vergrößern!) © P. Diem

Die niederösterreichische Stadt Zistersdorf (Bezirk Gänserndorf) liegt im östlichen Weinviertel und wurde wegen der Erdölförderung bekannt. Am 17. Oktober 1706 war sie Schauplatz eines Kuruzzenüberfalls.

Kuruzzen nannten sich die Mitglieder und Truppen der antihabsburgischen Bewegung in Ungarn. Die Aufständischen waren zwischen 1672 und 1711 wegen ihrer Zerstörungen gefürchtet. 1703-1709 Teile überfielen sie mehrmals Niederösterreich, das Burgenland und die östliche Steiermark. Als sie 1704 Wien bedrohten, empfahlt Prinz Eugen den Bau des Linienwalls (Verlauf entlang der späteren Gürtelstraße). Schließlich blieben die kaiserlichen Truppen siegreich. Der Fluch "Kruzitürken" soll sich von "Kuruzzen und Türken" ableiten.

1705 richteten sie in Zistersdorf, obwohl eine Mauer die Stadtschützte, ein Massaker an. Die Bewohner hatten die Stadttore mit Palisaden versehen und Kanonen in Stellung gebracht, Feuerschutzmaßnahmen ergriffen, Männer, Frauen und Flüchtlinge mit Musekten bewaffnet. Dennoch gelang es den Angreifern, die Stadt in Brand zu schießen und die Stadtmauer zu durchlöchern, so dass sie das Tor von innen öffnen konnten. Die Verteidiger flüchteten in das Schloss und das Kloster und beschlossen die Kapitulation. Während der Verhandlungen plünderten Kuruzzen weiterhin die Klosterkirche, erschossen dort einen Bürger und schändeten die Hostien. Sie drangen in das Schloss ein. Soldaten, Männer, Frauen, Kinder, sogar Spitalsinsassen wurden getötet und die Körper in Stücke gehackt. Einem Franziskanerpater, der um Gnade flehte, wurden einige Frauen und Kinder in Obhut gegeben, die Männer aber am nächsten Tag ermordet. Man spricht von 400 bis 800 Opfern.

Zistersdorf gilt als ältestes Quellheiligtum Niederösterreichs. Die romanische Wallfahrtskirche in einem Sumpfgebiet ersetzte ein frühmittelalterliches Brunnenheiligtum. 1160 bis 1822 Pfarrkirche, wurde sie im 13., 14. und 15. Jahrhundert erweitert und 1646-1671 barockisiert. Der barocke Gnadenaltar birgt eine spätgotische Pietá. Sowohl bei einem Brand (1621) als auch in der Zweiten Türkenbelagerung Wiens (1683) blieb die geschnitzte Gnadenstatue verschont. Mirakelbücher berichten ab 1639 von hunderten Gebetserhörungen. Die Wallfahrtskirche "Maria Moos" steht außerhalb des Stadtzentrums. Das ist wohl der Grund, warum sie nachweislich nicht beim Kuruzzeneinfall geplündert wurde. Allerdings knüpft sich eine fromme Geschichte an den Kuruzzenführer: Ihm sei an jener Stelle die Muttergottes erschienen und nach seinem baldigen Tod hätte man dort die verehrte Statue gefunden.

hmw

Literatur:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 3. Wien 1994
Johannes Sachslehner: Schicksalsorte Österreichs. Wien, Graz, Klagenfurt 2009
Helga Maria Wolf: Mythos Wasser. St. Pölten 2009