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Vorwort#

Die Datenbank dokumentiert den aktuellen Gebrauch von 300 Sprichwörtern in fünf miteinander verlinkten Sprachen. Die Häufigkeit der Sprichwörter wurde in großen Textdatenbanken (Korpora) überprüft. Neben Informationen zur Bedeutung, zu Auffälligkeiten im Gebrauch, zur Festigkeit und zu gebräuchlichen Varianten kann man auch eine Vielzahl authentischer Textstellen (Korpusbelege) abrufen, in denen die Sprichwörter vorkommen. Des Weiteren werden die Sprichwortartikel mit didaktischen Übungen zum Erlernen von Sprichwörtern verlinkt.

Die Sprichwort-Datenbank hat folgende Struktur:

  1. Sprichwort
  2. Äquivalente in anderen Sprachen
  3. Komponenten
  4. Bedeutung(en)
  5. Gebrauchsbesonderheiten
  6. Varianten
    a. Formvarianten
    b. Ersetzung von Komponenten
    c. Variantenkomponenten
  7. Typische Verwendung im Text
  8. Belege
  9. Weitere Belegsuche im Korpus
  10. Übungen

1. Sprichwort#

Unter „Sprichwort“ wird die Kernform des Sprichworts (SW) verstanden. Das Kriterium für die Kernform ist in der Regel die häufigste satzwertige Form des Sprichworts.

2. Äquivalente in anderen Sprachen#

Hier werden die Links zu den anderen Sprachen platziert. Die Links tragen den jeweiligen Sprichwortnamen. Wenn es sich nicht um eine 1:1-Entsprechung handelt, werden in den jeweiligen Artikeln Kommentare mit der wortwörtlichen Übersetzung eingefügt.

3. Komponenten#

Die Komponentenangabe dient dem Zugriff auf die Sprichwort-Artikel über ihre Basiselemente. Alle Komponenten – im Deutschen mit Ausnahme der Artikel – werden sowohl als Lemma als auch mit der im SW vorkommende Flexionsformen ausgezeichnet.

4. Bedeutung(en)#

Die Bedeutungserklärungen sind primär auf der Grundlage der Korpusbelege oder anderer Quellen erarbeitet worden. Es wird eine möglichst standardisierte Beschreibungssprache verwendet. Diese beinhaltet beispielsweise einleitende Formulierungen wie »Sagt man, wenn jmd/etw.; Sagt man dafür, dass«. Die Bedeutungsbeschreibung erfasst den verallgemeinerten semantischen Kern, der für alle üblichen (also keine wortspielerischen Aktualisierungen und Abwandlungen) Vorkommen dieses Sprichworts gleichermaßen zutrifft.

5. Gebrauchsbesonderheiten #

Gebrauchsbesonderheiten sind jene konnotativen und pragmatischen Aspekte, die in den Korpusbelegen häufig zu beobachten sind, aber nicht für alle Vorkommen des SW verallgemeinerbar sind. Daher werden diese Beschreibungen mit Formulierungen wie »(in den Korpusbelegen wird) häufig ...«; »typischerweise« oder »in bestimmten Korpusbelegen« eingeleitet. Gebrauchsbesonderheiten könnnen z. B. sein:

  • Sprechakt/kommunikative Funktion/Kommunikationssituation
  • Konnotation (positiv, negativ, changierend; auf-/abwertend)
  • stilistische Markiertheit
  • Auffälligkeit des Vorkommens in einer Domäne
  • Auffälligkeit des Vorkommens in einer Textsorte
  • Auffälligkeit des Vorkommens unter arealem Aspekt
  • Auffälligkeit in Hinblick auf Gruppen- oder Sondersprache

6. Varianten
#

Das Varianzkonzept basiert auf Usualität, d. h. es werden nur typische Varianten aufgenommen, die eine gewisse Rekurrenz in den Korpusbelegen aufweisen. Bei den Varianten wird zwischen ‚Formvarianten‘ und ‚Ersetzung von Komponenten‘ unterschieden.

6.1. Formvarianten#

Diese Angabe enthält Informationen zu allen Typen von formalen Systemvarianten einzelner SW-Komponenten oder des ganzen Sprichworts (z. B. morphologische oder grammatische Varianten, Schreibungsvarianten). Es werden nur mehrfach belegte Varianten aufgenommen.

6.2. Ersetzung von Komponenten#

Unter diese Angabe fallen Varianten und Variationsmuster, bei denen eine lexikalische Komponente durch eine oder mehrere andere ersetzt wird. Diese Austauschbarkeit wird durch die Korpusanalyse ermittelt und muss daher das Kriterium der Verallgemeinerbarkeit erfüllen. Die X-Füller sind daher nur als typische Beispiele anzusehen, es sind aber auch andere lexikalische Einheiten einsetzbar..

7. Variantenkomponenten#

Variantenkomponenten werden nur bei einzelnen, lexikalisierten Varianten, +r angegeben, nicht für Variationsmuster. Es werden die Variantenkomponenten in der Oberflächenform und in der Lemmaform ausgezeichnet, die sich von den Stichwort-Komponentenangaben unterscheiden. Diese Auszeichnung dient dazu, die Sprichwörter auch über die Varianten suchbar zu machen.

8. Typische Verwendung im Text#

Diese Angabe enthält Informationen zu typischen textuellen Einbettungen des Sprichworts. Hier ist von besonderer Bedeutung, dass die Verwendungen im Text mehrfach zu identifizieren sein müssen. Diese Informationen werden mit einem einfachen Satz narrativ beschrieben. Typische Verwendungen im Text können z.B. sein:

  • häufige argumentative Anschlüsse
  • häufige Einfügung von Adverbien, Partikeln usw.
  • häufiger Satzmodus, z.B. Fragesatz, Befehlsform
  • häufige Negationseinbettung
  • häufige syntaktische Transpositionen, z. B. Nominalisierung, Nebensatzposition oder Phrasenkompositabildung

9. Belege#

Die Volltextbelege stammen überwiegend aus den jeweiligen Korpora. Die Reihenfolge des Belegblocks richtet sich nach der Abfolge der lexikografischen Angaben. D.h. der erste Beleg ist immer ein prototypischer Beleg für das satzwertige Vorkommen des Sprichworts, möglichst in der „kanonisierten“ Form. Es folgen Volltextbelege, die die Bedeutung und die Gebrauchsbesonderheiten gut illustrieren und, wenn möglich, keinen ausgeprägten Variationen und Modifikationen unterworfen sind. Anschließend sind die Belege zu den systemhaften und textuellen Varianten hinzugefügt. Alle Belege sind mit den entsprechenden Überschriftennummern verlinkt, so dass eine wechselseitiges Abrufen gewährleistet ist. Am Ende des Belegblocks wurde teilweise die die Möglichkeit genutzt, »freie« Belege hinzufügen, die keiner Überschrift zugeordnet sind, z. B. besonders interessante okkasionelle Modifikationen.

10. Weitere Belegsuche im Korpus#

Hier werden Suchanfrageformeln registriert, die für das Auffinden der Sprichwörter in den jeweiligen Korpora eingesetzt wurden. Dies soll anderen Benutzern die Möglichkeit geben, das Sprichwort wiederholt in aktualisierten Korpora neu abzufragen, z.B. um weitere Korpusstellen zu finden. Außerdem sollen diese Suchanfragen die weitere linguistische Parömiologieforschung inspirieren und anregen.

11. Übungen #

Von der Datenbank ist es durch Querverweise möglich, zum didaktischen Teil zu gelangen und zwar mit folgenden Optionen:

  • Zugriff über ein konkretes Phrasem (= Volltextsuche)
  • Zugriff über eine onomasiologisch-thematische Kategorie
  • Zugriff über eine Komponente aus der Nennform inkl. aller variablen Komponenten
  • Zugriff über eine Komponente aus der Bedeutungsbeschreibung

(Peter Ďurčo und Kathrin Steyer)