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Das "Eiserne Kreuz" und das "Mutterkreuz"#

von Peter Diem

Buchtext S. 223f.

Beachte: Der Autor distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Absicht, das Gedankengut autoritärer, faschistischer, nationalsozialistischer und anderer antidemokratischer oder unmenschlicher Systeme zu verherrlichen oder zu propagieren. Die Aufnahme diesbezüglicher Texte, Abbildungen, Ton- oder Videobeispiele in das Austria-Forum dient einzig und allein wissenschaftlichen und aufklärererischen Zielen.

Bild 'eisernes_Kreuz_1'
Bild 'ek_gold_275'

Das rühmlich/unrühmlich bekannte Kriegerzeichen (rechts eine Nachbildung des Goldenes Eichenlaubs mit Schwertern und Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 1939) ist ein preußisch-deutsches Symbol und geht in seiner Form auf den Deutschen Ritterorden zurück.

Der Orden des Eisernen Kreuzes wurde von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 10. 3. 1813 zur Ermunterung im Kampf gegen Napoleon begründet (links).

Das Eiserne Kreuz (kurz „EK") wurde 1870, 1914 und 1939 als Auszeichnung erneuert. Sein kriegerischer und expansiver Symbolgehalt prädestinierte es auch als Zeichen für deutsche Kriegs- und Dienstflaggen (so 1819 in Preußen, 1867 im Deutschen Bund, in der Kaiserstandarte und in der nationalsozialistischen Reichskriegsflagge).





--> Quelle: Beitrag Eisernes Kreuz in Wikipedia

Bild 'seekriegsflagge_1903_1918'
Bild 'Handelsflagge_mit_Kreuz'
Bild 'warflag'






Im Ersten Weltkrieg wurde das Eiserne Kreuz Erkennungszeichen auf Panzern und Luftschiffen.

Nach dem Standardwerk Peter Schupita, Die k.u.k. Seeflieger, Koblenz, 1983, war es offenbar so, dass die k.u.k. Marineflieger zunächst nur die österreichische Seeflagge verwendeten, während die Heeresflieger der k.u.k Armee das Eiserne Kreuz - das Symbol der verbündeten deutschen Armee - als Hoheitszeichen angenommen hatte. Später kamen aber alle möglichen Kombinationen zwischen der Seeflagge und dem Eisernen Kreuz vor, wie die die folgenden Abbildungen zeigen:

Bild 'flieger6'
Bild 'flieger2'
Bild 'flieger1'
Bild 'flieger3'
Bild 'flieger5'
Bild 'flieger4'


Nach Paolo Matricardi, Bilderlexikon der Flugzeuge, Originalausgabe Mailand, 1984, variierte das Eiserne Kreuz im Ersten Weltkrieg und entwickelte sich auf den deutschen Flugzeugen auch vor dem und im Zweiten Weltkrieg einige Male weiter.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Zeichen etwas modifiziert: ein gerades schwarzweißes Balkenkreuz diente zur Kennzeichnung der Fahr- und Flugzeuge der großdeutschen Vernichtungsmaschinerie, vom Kübelwagen über den Tiger-Panzer bis zum „Stuka" (Sturzkampfflugzeug). Es ist interessant, dass das "eiserne" Kreuz in seiner Entwicklung von Mal zu Mal "schwächer" wird - gerade als verlöre man das Selbstbewusstsein oder müsse mit der Farbe sparen.

Das offensichtlich unvergängliche Zeichen deutscher Tapferkeit ziert auch heute wieder in einer der ursprünglichen Form angenäherten Darstellung Panzer und Flugzeuge der deutschen Bundeswehr (vgl. Balkenkreuz).

Bild 'bundeswehr'
Zur Problematik der Vergabe des Eisernen Kreuzes im 2. Weltkrieg vergleiche:

Eisernes Kreuz - Orden für Massenmord

Von Dieter Pohl | © DIE ZEIT, 05.06.2008 Nr. 24

Hier einige Auszüge aus diesem Artikel:

Am 1. September 1939 wurde das Eiserne Kreuz  vom "Führer" neu gestiftet. Anstelle des "W" (für Wilhelm II., der es 1914 erneuert hatte) trat nun das Hakenkreuz in die Mitte des Abzeichens. Es gab veränderte Bänder und jetzt insgesamt vier Stufen: das EK I, das EK II, das Ritterkreuz und das Großkreuz, das aber nur einmal verliehen wurde - an Reichsmarschall Hermann Göring…

Am engsten verband sich das Militär mit den Massenverbrechen im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Die berüchtigten Einsatzgruppen waren den Armeen direkt logistisch unterstellt, manche der Polizeibataillone militärischen Sicherungsverbänden zugeordnet. Zwar erhielten sie ihre Mordaufträge meist von der SS- und Polizeiführung, also SS-Chef Heinrich Himmler oder dessen Untergebenen. Immer wieder traten aber auch Dienststellen und Einheiten der Wehrmacht an die Killerkommandos mit der Bitte heran, eine geplante Mordaktion zu beschleunigen oder an der mörderischen Partisanenbekämpfung teilzunehmen…

Vor allem die nahe der Front operierenden Sonderkommandos, die sowohl Juden ermordeten als auch an der Partisanenbekämpfung beteiligt waren, wurden von den Armeegenerälen reichlich mit Eisernen Kreuzen bedacht...

Grundsätzlich hielt man im "Dritten Reich" daran fest, das Eiserne Kreuz nur für "Tapferkeit vor dem Feinde" in Kampfeinsätzen zu verleihen. Doch der Feind, das waren eben auch "der Jude", "der Bolschewist", der "slawische Untermensch" und so weiter.
So blieben die Übergänge zwischen Kampfeinsätzen, Repressalien und Massenmord im Vernichtungskrieg fließend. Oftmals nahmen SS- und Polizeieinheiten reguläre militärische Aufgaben wahr, während Wehrmachtsoldaten ihrerseits Zivilisten und Kriegsgefangene ermordeten…

Unter dem Einfluss der Veteranen etablierte sich in der frühen Bundesrepublik das Bild einer moralisch integer gebliebenen Wehrmacht. Dazu gehörte dann auch, dass die im Zweiten Weltkrieg wodurch auch immer erworbenen Eisernen Kreuze von 1957 an wieder getragen werden durften und bei festlichen Gelegenheiten auch getragen wurden. Nur das Hakenkreuz in der Mitte blieb von drei stilisierten Eichenblättern à la Schinkel schamvoll verdeckt...


Bild 'schwarzeskrezu'
Bild 'kameradschaftsbund'
In Österreich ist das Eiserne Kreuz nicht nur bei Veteranentreffen zu sehen, sondern es schmückt auch die  meisten Heldendenkmäler in Dörfern und Städten. Mit dem Bindesnschild belegt, ist es das Symbol desÖsterreichischen Kameradschaftsbundes

Nicht damit zu verwechseln ist das „Schwarze Kreuz", das Emblem des gleichnamigen Vereins zur Erhaltung der Kriegsgräber.

DAS „EHRENKREUZ DER DEUTSCHEN MUTTER"

Bild 'Mutterkreuz_2'
Nach unserem Prinzip, die Symbolik der NS-Zeit so weit wie möglich und so weit wie nötig zu beleuchten, wird hier das sogenannte „Mutterkreuz" angeführt, weil es sich dabei um eine raffinierte Form handelte, die Loyalität der Frauen für das "Dritte Reich" zu gewinnen.

An sich nicht besonders „weiblich" in seiner Linienführung, wurde das „Ehrenkreuz der deutschen Mutter" vieltausendfach an deutsche (und damit natürlich auch an „ostmärkische") Frauen verliehen, die „dem Führer" drei bis fünf (Bronze), sechs bis sieben (Silber) bzw. acht oder mehr Kinder (Gold) „geschenkt" hatten. Die von Architekt Franz Berberich geschaffene Auszeichnung bestand aus einem blau emaillierten, weißgeränderten deutschen Kreuz (35 Millimeter) mit längerem unteren Arm (42 Millimeter), dahinter ein quadratisches Strahlenfeld zwischen den Armen in der jeweiligen Metallfarbe der 3., 2. oder 1. Klasse.

Das Kreuz trug in der Mitte ein Medaillon mit einem schwarzen, auf einem seiner Balken ruhenden ("statischen") Hakenkreuz auf weißem Grund und der Umschrift „Der deutschen Mutter". Auf der Rückseite trug das „Mutterkreuz" 1938/39 die Inschrift „Das Kind adelt die Mutter" und den Namenszug Adolf Hitlers, 1938-1944 nur mehr das Stiftungsdatum, den 16. Dezember 1938 und den Namenszug. Die Dekoration wurde an einem 10 Millimeter breiten blauen Band mit zwei weißen Streifen an jeder Seite getragen und zwischen 1939 und 1944 jährlich am Muttertag verliehen.

Die Raffinesse des Designs bestand in der Kombination der Symbolfarben der hl. Maria (Blau-Silber/Gold) mit dem „Lebens- und Rassensymbol" des Hakenkreuzes und dem Heldensymbol des Eisernen Kreuzes.