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Die Erzherzogshüte#

von Peter Diem

Buchtext Seite 175ff.

Der österreichische Erzherzogshut als "Ersatzkrone"

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Erzherzogshut - Foto: Janos-Stekovics
Erzherzogshut - Foto: Janos-Stekovics
Bild 'hut_1512'
Während ihrer jahrhundertelangen Regentschaft trugen die Habsburger als Symbole ihrer legitimen Herrschermacht die ältesten Kronen des Abendlandes:
  • als deutsche Könige und als Kaiser die ehrwürdige Reichskrone des Heiligen Römischen Reiches,
  • als Könige von Ungarn die heilige Stephanskrone und
  • als Könige von Böhmen die gotische Wenzelskrone.

Die österreichischen Erblande, die das Habsburgerreich zusammenhielten, besaßen aufgrund des Fehlens einer staatsrechtlichen Bindung aneinander kein einheitliches Symbol. Wohl aber führte jeder Habsburger den Erzherzogshut als persönliches Würdezeichen.

Der Wunsch nach der Königskrone#

Bildnis Rudolfs IV., Aus: Wikicommons unter CC
Bildnis Rudolfs IV.
Aus: Wikicommons unter CC
Das Symbol des Erzherzogshutes als eines speziellen Insignes geht auf Rudolf IV., den Stifter (1339-1365), zurück. Wie sein vor 1365 entstandenes Porträt im Wiener Diözesanmuseum (wohl das älteste erhaltene Porträt des Abenlandes) zeigt, ließ er seinen Herzogshut, dessen metallenes Spitzengerüst mit Brokat überzogen war, mit einem von der Stirn zum Nacken verlaufenden und an Königskronen erinnernden Bügel versehen, um sich dadurch über die „gewöhnlichen" Herzöge emporzuheben und einen Rang unmittelbar nach oder sogar über den Kurfürsten zu beanspruchen, unter welche die österreichischen Herzöge nach der „Goldenen Bulle" Karls IV. (1356) nicht aufgenommen worden waren.

Die Fassungen der Edelsteine auf diesem Bügel sind nach dem Vorbild der Wenzelskrone |Symbole/Wenzelskrone]Goldschmied Janko gefertigt.Rudolf IV. stand ja nicht nur bei der Gründung der Wiener Universität und beim gotischen Ausbau des Stephansdoms, sondern auch in der bildenden Kunst im Wettbewerb mit Prag, der Residenzstadt seines Schwiegervaters Karl IV.

Das „Privilegium Maius" (1359) spricht dem österreichischen Herzog das Recht zu, das Lehen nicht knieend mit entblößtem Haupt, sondern hoch zu Roß zu empfangen, in der Hand ein Zepter, auf dem Haupt einen Herzogshut mit Zinkenkrone - also insgesamt der Gestus eines Königs, dessen Würde ja schon der Babenberger Friedrich II. für Österreich angestrebt hatte.Der Erzherzogshut Rudolfs, des Stifters, ist nicht erhalten.




Der Steirische Herzogshut#

Der steirische Herzogshut, Foto: Gugganij Aus: Wikicommons unter CC
Der steirische Herzogshut
Foto: Gugganij Aus: Wikicommons unter CC
Der steirische Herzogshut, der bis heute das Landeswappen der Steiermark krönt, ist der einzige noch aus dem Mittelalter stammende Herzogshut Österreichs. Aufgrund der Art der Goldschmiedarbeit kann er auf die Wende zum 15. Jahrhundert datiert werden. Der flachgewölbte rote Samthut hat eine breite Hermelinstulpe und wird von einem vergoldeten Zickzackreif umgeben, dessen neun Spitzen große Perlen tragen. Der von der Stirn ausgehende schmale Bügel, der staatsrechtlich anspruchsvollste Teil der „Quasikrone", wird von einem Tatzenkreuz überhöht. Der unter dem Zickzackreif durchlaufende Hermelinstreifen ist mit Hermelinschwänzchen verziert.

Im 18. Jahrhundert wurde der österreichische Erzherzogshut (s. u.) bei Erbhuldigungen vorangetragen. Dem steirischen Herzogshut wurde diese Ehre nicht zuteil - er war zum entscheidenden Zeitpunkt (1728) nicht auffindbar; wahrscheinlich hatte man ihn zu gut aufgehoben. Bei der Auflösung der steirischen Rüstkammer durch Maria Theresia 1765 wurde der Hut „in ganz defectem Zustande" aufgefunden und 1766 „in der alten facon" wiederhergestellt. Acht große Perlen und 22 Hermelinschwänzchen wurden neu eingesetzt. 1785 musste er in die Wiener Schatzkammer ins Exil, kehrte aber unter Leopold II. wieder nach Graz zurück.



Der Tiroler Erzherzogshut#

Erhzerzogshut Mariastein/Tirol, Foto: Wolfgang Sauber Aus: Wikicommons unter CC
Erhzerzogshut Mariastein/Tirol
Foto: Wolfgang Sauber Aus: Wikicommons unter CC
Seitdem 1477 Herzog Sigmund von Tirol (1427-1496) von Kaiser Friedrich III. das Recht zur Führung des Titels „Erzherzog von Österreich" zuerkannt worden war, fand sich auf den Siegeln und Münzen Sigmunds der österreichische Erzherzogshut. Als Kunstgegenstand erhalten geblieben ist jener Tiroler Erzherzogshut, den Erzherzog Ferdinand II. vor 1595 anfertigen ließ und der Burg- und Wallfahrtskirche Mariastein bei Wörgl zur Aufbewahrung übergab.

Der Kronreif mit zwölf Zacken ist aus vergoldetem Kupfer. An die Stelle des ursprünglichen Hermelinbesatzes ist heute ein Stülp aus weißer Seide getreten. Die beiden Bügel tragen einen kleinen Reichsapfel mit Kreuz. Die darunter befindliche Haube besteht aus roter Seide, die mit einem Netz aus Goldfäden überzogen ist. Erzherzog Maximilian III. (1558-1618), von 1602 bis 1618 Statthalter in Tirol, nahm diesen Erzherzogshut zum Vorbild, als er 1616 den prächtigen österreichischen Erzherzogshut stiftete, der sich seither in Klosterneuburg befindet s.u.).

Das Kleinod von Klosterneuburg#

Erzherzogshut
Erzherzogshut - Foto: Janos-Stekovics
Das heute noch erhaltene und im eigentlichen Sinne als „österreichischer" Erzherzogshut bezeichnete Insigne wurde erst am 15.11.1616 von Erzherzog Maximilian III., dem Hochmeister des Deutschen Ordens und Landesfürsten von Tirol, zwei Jahre vor seinem Tod als Weihegabe bzw. als Bekrönung der Schädelreliquie Leopolds III. gestiftet. Er wurde in einer süddeutschen oder Innsbrucker Werkstatt gefertigt und ist nach dem Vorbild des Tiroler Erzherzogshutes (s. o.) etwas kostbarer gestaltet als frühere (erz-)herzogliche Kopfbedeckungen, die sich die österreichischen Herrscher seit Rudolf IV. anfertigen ließen. Vor der Übergabe des Erzherzogshutes küsste Maximilian die Schädelreliquie des Heiligen und krönte sie mit dem Erzherzogshut. Damit wurden der sakrale Charakter des Hutes unterstrichen und die Heilkräfte der Reliquie auf die Herrscherkrone übertragen. Auf dem Umweg über den Erzherzogshut wurden dann die Kräfte des Landesheiligen - nach der Vorstellung früherer Jahrhunderte - auch auf jeden neuen Landesfürsten übertragen, sobald er dieses Insigne beim Akt der Erbhuldigung aufsetzte.

Nach dem Willen des Stifters sollte mit diesem Erzherzogshut also eine „heilige Landeskrone" nach dem Vorbild der ungarischen Stephans- und der böhmischen Wenzelskrone geschaffen werden. (s.d.) Die Idee der „heiligen Krone" beruht auf der Vorstellung vom „rex perpetuus", vom heiligen Herrscher, der noch aus dem Jenseits seine schirmende Hand über sein Volk hält. Besonders ausgeprägt ist diese Idee u.a. beim hl. Stephan, dem Schutzpatron Ungarns, und beim hl. Olaf, dem Schutzheiligen Norwegens. Der norwegische König Olaf wurde nach der Schlacht von Stiklestad 1030 mit einer Axt erschlagen; noch heute hält der norwegische Wappenlöwe die Olafs-Axt in den Pranken. Die Reliquien des „rex perpetuus Norwegiae" mussten deshalb bei jeder Königswahl zugegen sein. So steht auch hinter der Weihegabe Maximilians III. in wechselvoller Zeit die Absicht, dem österreichischen „marchio perpetuus", dem hl. Leopold, zu huldigen und die Verbindung zwischen ihm und seinem Volk herzustellen. Auch in der frühen Neuzeit brachte ja ein Nationalheiliger seinem Volk Ansehen und Identität.

Bild 'Herzogskrone_500h'
Der Erzherzogshut besteht aus einer roten Samthaube, um die ein von einem Hermelinkranz weitgehend verdecktes Diadem von acht goldenen, mit Rubinen, Smaragden, Diamanten und Perlen besetzten und gleich großen Zacken gelegt ist. Zwei einander im rechten Winkel kreuzende und damit noch mehr dem Typus „Königskrone" angenäherte Bügel (die früheren Erzherzogshüte hatten nur einen Bügel!) sind reich mit Perlen besetzt. Der von einem goldenen Kreuzchen gekrönte, ansehnliche blaue Saphir am Zusammenstoß der beiden goldenen Bügel erinnert an prominenteste Edelsteine in den Kronen der deutschen, österreichischen, ungarischen und böhmischen Machtbereiche - allesamt Saphire:

  • In der um die Jahrtausendwende entstandenen Reichskrone befindet sich seit dem 14. Jahrhundert ein großer, auf der Spitze stehender herzförmiger Saphir, der den ursprünglichen „Waisen" (vermutlich ein Edelopal) als „Leitstern" ersetzte.
  • Die aus dem späten 12. Jahrhundert stammende hl. Stephanskrone der Ungarn trägt in der Mitte ihres byzantinischen Reifs einen großen lichtblauen, dreieckigen Saphir, der mit der Spitze nach oben weist.
  • Gegen Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die endgültige Form der St. Wenzelskrone geschaffen. Sie zeigt einen großen fünfeckigen Saphir an zentraler Stelle, insgesamt trägt sie achtzehn Saphire. Der oberste Stein der Krone ist ein kleiner Saphir an der Spitze des Kreuzes.
  • Die österreichische Kaiserkrone (Prag, 1602) trägt einen über dem Kreuz angeordneten großen Saphir. Das zur Krone gehörige, aber etwas später angefertigte Zepter aus Narwalhorn und der Reichsapfel (beide um 1615) werden ebenfalls von Saphiren gekrönt.

Wie man sieht, hatte der Schöpfer des Erzherzogshutes ein klares Programmvor Augen: Österreich durch ein den wichtigsten Kronen der damaligen Zeit nachempfundenes Herrschaftssymbol so weit wie möglich aufzuwerten. Als Symbol der österreichischen Kernlande gegenüber den Kronen des Reiches, Böhmens und Ungarns vereinigt der Erzherzogshut in sich die Zeichen des römischen Kaiser- und Königtums, Bügel und Kreuz, und die Zeichen des Fürstentums, Hut und Zackenkranz. Der unbekannte Meister muss die genannten Kronen genau gekannt haben. Die Anlehnung an die Krone Rudolfs II. ist überdeutlich: acht perlengekrönte Zacken mit rechteckig gefassten Diamanten, der Rubin über der Stirne sowie zwei mit Perlen und Diamanten besetzte Bügel. Feinfühlig, aber mit Raffinesse, wird der die Verwandtschaft mit den Prager Kaiserinsignien betonende goldgefasste Saphir nicht an die oberste Spitze gesetzt, sondern wird noch von einem Kreuzchen überragt, dessen Rubin-Perlen-Kombination jedoch wieder ein kleiner Saphir krönt. Insgesamt ergibt sich so ein harmonisch wirkender, nicht aufdringlicher, aber dennoch königlicher Wurf.

Bemerkenswert ist auch, dass die großen Edelsteine (der Saphir an der Spitze und die Rubine und Smaragde auf den Zacken) mittelalterliche Schliffe des 14. Jahrhunderts aufweisen, während die Diamanten und die kleineren Steine zeitgenössischen barocken Schliff zeigen. Damit sollte angedeutet werden, dass die Erzherzogswürde selbst viel älter sei als die erst 1616 hergestellte Krone. Am Sockel aus Ebenholz befindet sich ein emailliertes goldenes Wappen Maximilians III., das von der 1810 im Rahmen der Silberablieferung eingeschmolzenen Reliquienbüste des heiligen Leopold stammt.

Exkurs: Das Privilegium maius als Grundlage für die Gestalt des Erzherzogshutes#

Der Erzherzogshut von Fallenboeck (1889), Bild: Richard Fallenböck (1859-1891) Aus: Wikicommons unter CC
Der Erzherzogshut von Fallenboeck (1889)
Bild: Richard Fallenböck (1859-1891) Aus: Wikicommons unter CC
Der Titel „Erzherzog" gibt es nur in Österreich. Er geht auf Herzog Rudolf IV. den Stifter zurück. Kaiser Karl IV. hatte in der „Goldenen Bulle" 1356 die Kaiserwahl in die Hände von sieben Reichsfürsten gelegt, die fortan „Kurfürsten" hießen. Dabei hatte er alle Fürsten Süddeutschlands übergangen, obwohl der Herzog von Österreich zu den wichtigsten Reichsfürsten zählte. Rudolf schuf sich einen Ausgleich, indem er 1358 eine sehr geschickte Fälschung herstellen ließ. Das „Privilegium maius" besteht aus einem Komplex von fünf Urkunden, die beweisen sollten, dass das Land Österreich schon seit der Römerzeit eine Sonderstellung eingenommen habe. In dieser im Auftrag Rudolfs hergestellten Fälschung wurden dem österreichischen Herzog Sonderrechte zugestanden, wie Lehensempfang im eigenen Land, Herrschaftssymbole, Gerichtsbarkeit ohne Appellationsmöglichkeit an den Kaiser und Erbfolge durch das Erstgeburtsrecht. Das Ganze diente zur Minderung der reichsfürstlichen Pflichten. Das Herzogtum Österreich sollte mit den angeschlossenen Gebieten unteilbar sein. Seine Herrscher sollten den Titel „Erzherzog" führen und im Rang gleich nach den Kurfürsten und noch vor den übrigen Reichsfürsten kommen. Die Krone des Erzherzogs wird so beschrieben: "Über dem üblichen Fürstenhut soll eine Zackenkrone angebracht sein." Schrittweise baute Rudolf die Form der Krone weiter aus. Im gefälschten Privileg von 1218 räumt König Heinrich VII. dem österreichischen Herzog das Recht ein, auf dem Fürstenhut die Königskrone zu führen. Das nächste Privileg, das Kaiser Friedrich III. angeblich 1245 erließ, fügt das Recht hinzu, auf dem königlichen Diadem ein Kreuz zu tragen. Damit war die Konstruktion des Erzherzogshutes vollendet. Der Erzherzogshut musste an der Begräbnisstätte des heiligmäßigen Markgrafen aufbewahrt werden und durfte - gemäß päpstlicher Bestätigung - nur zur Erbhuldigung bzw. zur Lehensvergabe auf höchstens dreißig Tage aus dem Stift entliehen werden. Dies geschah zwischen 1620 und 1835 insgesamt zehnmal. Die Erbhuldigung fungierte in den habsburgischen Erblanden, von denen ja nur Böhmen ein Königtum war, in gewisser Weise als Ersatz für die Krönung. Staatsrechtlich war sie ein Vertrag zwischen Herrscher und Ständen, in welchem diese sich gegen Bestätigung ihrer alten Privilegien zur Gefolgschaft verpflichteten. Die Erbhuldigungen fanden nach einem strengen Zeremoniell statt, in welchem eine Reihe von Insignien, Herolds- und Oberst-Erblandämtern eine Rolle spielten. Der Klosterneuburger Propst als Bewahrer des Erzherzogshutes führte den Titel eines „Diadematis Austriaci custos".

Foto: P. Diem
Foto: P. Diem
Karl VI. (1685-1740) wollte Klosterneuburg zu einer gigantischen Klosterresidenz („österreichischer Escorial") ausbauen, doch kam es nur zur Errichtung des Nordostteils. Seine beiden Kuppeln werden durch gewaltige, maßstabgetreue Nachbildungen von Reichskrone und Erzherzogshut gekrönt, um auch in der Architektur bzw. im plastischen Schmuck auf die Zusammenhänge Kaiser - Erzherzog - Klosterneuburg hinzuweisen. Im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert wurden fast jedes Jahr „Staatswallfahrten" abgehalten, in welchen das Kaiserpaar am 14. November aus Wien anreiste, um vor den ausgestellten Reliquien und Weihegaben seine Andacht zu verrichten. Die Predigten für den hl. Leopold waren dabei immer auch Predigten für Österreich, bis hin zur verbalen Apotheose des Hauses Österreich, vergleichbar der Symbolik des barocken Deckenfreskos „Die Glorie des Hauses Österreich" von Daniel Gran im Marmorsaal des Stiftes (1749). Sie bildeten gewissermaßen rhetorische „Übergangszonen des Irdischen zum Himmlischen" (Eva Kovacs), reich verbrämt mit Bildern aus der Heraldik des Bindenschildes, des Fünfadlerwappens und den zahlreichen Interpretationen des „AEIOU". Ein Hauch dieser staatskirchlichen Tradition hat sich in der noch heute stattfindenden Wiener Männerwallfahrt erhalten, in der alljährlich zum hl. Leopold um Schutz für Volk und Land gebetet wird.

Das "echte" Staatsymbol#

Unter Maria Theresia, deren Reformeifer sie, wenn schon, dann nach „ächten" Symbolen Ausschau hielten ließ, wurde auf den Erzherzogshut Rudolfs IV. zurückgegriffen, wodurch dem jüngeren Klosterneuburger Kleinod nur mehr die Rolle einer „Reliquienkrone" zugebilligt wurde. Beinahe hätte man einen neuen, einen „theresianischen" Erzherzogshut anfertigen lassen. Der Tod Maria Theresias machte solche Pläne jedoch zunichte. An ihrem Grabmal in der Kapuzinergruft findet sich demgemäß der "ächte" Erzherzogshut und nicht das "Häubl".

Kaiser Joseph II., der in seinem reformerischen Überschwang die Bedeutung der Länder zurückdrängen wollte - und bekanntermaßen Staatssymbole ohnedies für antiquiert und daher überflüssig hielt -, ließ den kostbaren Hut 1784 in die Schatzkammer nach Wien bringen, wo er das Exil mit Stephans- und Wenzelskrone teilte.

Übrigens war der Erzherzogshut - wie andere Kronen auch - vor herannahenden Feinden oft in Sicherheit gebracht worden und hatte u. a. Passau, Prag, Preßburg, Ungarn und sogar Galizien kennengelernt; er war also fast so reisefreudig wie die Hl. Stephanskrone gewesen (s.d.). Schon wenige Wochen nach dem Tod Josephs II. wurde das Kleinod 1790 mit allen Begleiterscheinungen eines Volksfestes nach Klosterneuburg zurückgebracht.

Als traditionelles Symbol österreichischer Eigenart und Eigenständigkeit hat der Erzherzogshut nachdem er vom niederösterreichischen Landeswappen 1918/20 demontiert wurde, seine heraldische Bedeutung dadurch behalten, dass er bis heute den Wappenschild Oberösterreichs schmückt, wie man an jedem oberösterreichischen Kfz-Kennzeichen sehen kann.