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Rot-Schwarz#

vor 1966 Schwarz-Rot, das System der „Großen Koalition“, ist die in Österreich mit Abstand populärste Regierungsform. Dies trotz ihrer Abnützungserscheinungen, trotz Proporz und gegenseitigen Blockaden. Ist es nur die Macht der Gewohnheit, die dieses vom Ausland oft belächelte System begünstigt? Oder ist es des Staatsvolks höhere Weisheit, die im institutionalisierten Kompromiss die dem Kleinstaat angemessene Regierungsform sieht? (Schließlich ist die „Zauberformel“ nach der die Schweiz regiert wird, noch weitaus starrer). Wie bei allen gesellschaftlichen Phänomenen gibt es auch hier keine monokausale Erklärung: Fortwirken der Zwischenkriegstraumata und Einverständnis mit der für Wohlstand und ruhige Entwicklung zuständig gehaltenen Sozialpartnerschaft spielen dabei ebenso mit wie das absoluten Mehrheiten abholde Proportionalwahlrecht.

So bleibt der Ruf nach „Wechsel“ den Anhängern der Opposition und jenen Vertretern der veröffentlichten Meinung vorbehalten, die wollen, „dass sich etwas tut“. Doch Infotainment ist schlechter Journalismus.