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Schwarz-Weiß-Rot#

von Peter Diem

Nach dem Sieg über Österreich entschied sich Bismarck, der mit Recht den Standpunkt vertrat, daß Schwarz-Rot-Gold niemals die Farben des Reiches gewesen waren, am 9. Dezember 1866 für einen Kompromiß: er verband die alten preußischen Farben Schwarz-Weiß mit den hanseatischen Farben Rot-Weiß. Daraus entstand die Handelsflagge des Norddeutschen Bundes, die praktisch bis zum Ende des Ersten Weltkrieges die deutsche Nationalflagge bildete. Zwar blieb im Rheinland und in Süddeutschland Schwarz-Rot-Gold noch in Erinnerung, doch ließ sich nach der Niederwerfung der Franzosen 1870/71 unter der Führung Preußens der Siegeszug von Schwarz-Weiß-Rot nicht mehr aufhalten. Die Flagge stand bald für alles das, was man heute noch unter deutschem Nationalismus und Imperialismus versteht: Machtentfaltung, Kolonialreich, Flottenaufbau, Antisemitismus, Kampf gegen das Proletariat.

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Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zum sogenannten „Flaggenstreit" der Weimarer Republik. Während die deutsche Sozialdemokratie und das Zentrum mehrheitlich für Schwarz-Rot-Gold eintraten, setzten sich die rechtsstehenden bürgerlichen Parteien, Frontkämpfer, Heer und Flotte für die Bismarck-Farben ein. Ein 1921 ausgehandelter Kompromiss (die Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold, die Handelsflagge jedoch Schwarz-Weiß-Rot mit Schwarz-Rot-Gold im mastseitigen Obereck) erwies sich als wenig tragfähig - unversöhnlich standen einander die beiden Farbkombinationen als Symbole von Republik- und Reichsideologie gegenüber.
Lachende Sieger in dem eineinhalb Jahrzehnte währenden Streit waren Dritte: die Nationalsozialisten, deren Hakenkreuzfahne immer stärker die Szene beherrschte, bis das Reichsflaggengesetz am 15. September 1935 die Hakenkreuzflagge zum offiziellen deutschen Staatssymbol erklärte.