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Die Farbe Schwarz#

von Peter Diem

In der Heraldik wird Schwarz entweder als Schwarz oder als übereinandergelagerte horizontale und vertikale Schraffur, also als enges rechtwinkeliges Gitter dargestellt.

Schwarz ist wie Weiß ein Extrem; es kann sowohl den totalen Mangel an Leben wie auch seine gesamte Fülle ausdrücken. Tiefenpsychologisch bedeutet Schwarz das Versinken in völliger Unbewusstheit, im Dunkel, in der Leere oder Ferne, in der Trauer. Ursprünglich leitet sich Schwarz zweifellos von der nächtlichen Finsternis ab, wodurch Schwarz automatisch mit den Kräften der Unterwelt in Zusammenhang gebracht wird. Schon bei den alten Ägyptern und bei den Germanen war Schwarz die Farbe des Todes und des Unheils.

Drudenfuß
Drudenfuß
Begriffe wie „Schwarze Magie" und „schwarz sehen" deuten noch heute darauf hin. Schwarze Tiere gelten als Unglücksbringer. Auch der Teufel als Fürst der Finsternis und Verneinung wird im Christentum schwarz dargestellt. Schwarz signalisiert auch Unordnung und Chaos - vielleicht stammt daher die schwarze Fahne der Anarchisten. Diese kann auch einfach Verneinung des Bestehenden ausdrücken, oder Trauer um versäumte Umgestaltung. Der Verfasser des 1968 geschriebenen "Anarchist Cookbook", William Powell, distanziert sich heute übrigens kategorisch von seinen damaligen umstürzlerischen Thesen.

Im Satanskult werden „Schwarze Messen" gefeiert; in Umkehrung der primären Anmutung wird aber der Rauchfangkehrer zum Glücksbringer. Herodes und Judas erhielten in der mittelalterlichen Kunst einen schwarzen Nimbus (Heiligenschein).

Schwarz war früher die Farbe der Totenmesse und der Karfreitagsliturgie.

Schwarzes Kreuz
Logo des Schwarzen Kreuzes
Schwarz hellt sich jedoch durch Buße zum Grau auf und führt so zum Weiß der Auferstehung. Deshalb erscheint Christus in Deesis-Darstellungen (mit Maria und Johannes beim Jüngsten Gericht) mit einem grauen Mantel bekleidet.

Schwarz erlangte große Bedeutung im spanischen Hofzeremoniell, wodurch sich sein Einfluss bis auf die gegenwärtige, insbesondere „vornehmere" österreichische Mode erklären mag (vgl. das „kleine Schwarze").

Willy Lorenz vermutete, dass die von den Habsburgern aus Burgund nach Spanien und von dort durch Ferdinand I. 1522 nach Österreich gebrachte schwarze Kleidung („Trauer kleidete Spanien") eine unterbewusste Vorahnung der schlimmen Ereignisse des 16. und 17. Jahrhunderts gewesen sein könnte. Die spanischen Zeremonien und strengen Kleidungsvorschriften, die seit Mitte des 16. Jahrhunderts an den meisten Fürstenhöfen in Gebrauch waren, hielten sich auch am Wiener Hof bis in die Zeit Maria Theresias. Erst Joseph II. schaffte die Mamille (Schleiertuch) und die vielen spanischen Theaterstücke ab, von denen die Wiener ohnedies nur zu sagen wussten, „das kommt mir spanisch vor". Alle „antispanischen Säuberungen" überlebt hat die Spanische (Hof-) Reitschule.

--> Willy Lorenz, AEIOU. Linz 1979, 135 f. und
--> Egon Caesar Conte Corti, Die Kaiserin. Anekdoten um Maria Theresia. Graz 1953).

Eleganz im Automobilbau, Foto: Matthias93, Aus: Wikicommons unter CC
Eleganz im Automobilbau
Foto: Matthias93
Aus: Wikicommons unter CC

Heute bedeutet die Farbe Schwarz meist Eleganz. Sie ist eine typische "Designerfarbe" Es gibt aber noch eine andere - tiefenpsychologische - These über die Beliebtheit von Schwarz in der Damenkleidung bis hin zu erotischen Dessous: die Sexualität vernichtet den Tod, da sie Leben erzeugt. Insofern wird im Mann die Begierde geweckt, sich der teilweise in Schwarz gekleideten Frau zu nähern, da so das Leben weitergegeben werden kann. Vielleicht liegt hier sogar eine Erklärung für den sonst rätselhaften, in Europa und Lateinamerika verbreiteten Kult der schwarzen Madonnen (Tschenstochau, Einsiedeln, Montserrat, Guadeloupe etc.), die der üblichen Mariendarstellung so diametral entgegengesetzt sind.

Russische Faschisten im Schwarzhemd (1934), Aus: Wikicommons unter CC
Russische Faschisten im Schwarzhemd (1934)
Aus: Wikicommons unter CC
Schwarz erlangte große Bedeutung als Farbe im Faschismus und Nationalsozialismus. Die Führer der Faschistenbewegung in Italien (Mussolini), England (Mosley und Holland (Mussert) - alle drei beginnen sie mit "M" - traten regelmäßig im sogenannten "Schwarzhemd" auf.

In letzter Zeit ist das Schwarzhemd als Uniform der im September 2007 gegründeten "Ungarischen Garde" aufgetreten. Ihre Mitglieder tragen schwarze Westen über weißen Hemden, am Rücken mit einem brüllenden Löwen versehen.




Als Symbol des Verzichts auf weltliche Werte und weltliche Eitelkeit ist die Farbe der katholischen Priesterkleidung das Schwarz.„Schwarz" wurde im Österreich der Zwischenkriegszeit zum Symbol für "christlichsozial" - auch heute noch werden Anhänger der ÖVP als "Schwarze" bezeichnet, obwohl sich die von Widerstandskämpfern und KZ-Insassen 1945 neu gegründete Volkspartei von ihrer Vorgängerpartei und deren Politik ausdrücklich distanzierte.

Schwarzes, auf der Spitze stehendes Dreieck#

Shwarzes Dreieck
Schwarzes Dreieck
Ab September 2013 sollen Patienten an einem auf der Spitze stehenden schwarzen Dreieck im Beipackzettel Arzneimittel erkennen, deren Nebenwirkungen möglicherweise noch nicht vollständig bekannt sind und deren Sicherheit deshalb von der EU besonders überwacht wird.

Explizit geht es in dem Erlass um die Nebenwirkungen von Impfstoffen, Plasmapräparaten sowie Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen, die nach dem 1. Januar 2011 zugelassen wurden. Gekennzeichnet werden müssen auch Medikamente, für die der Hersteller noch Daten nachliefern muss. Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass alle Arzneimittel auf dem Markt vorher ausgiebig getestet werden. Es sei aber wichtig, ihre Nebenwirkungen auch nach der Marktreife zu überwachen.

Im Begleittext unter dem schwarzen Dreiecksymbol werden Patienten explizit aufgefordert, die nationalen Behörden über unerwartete Begleiterscheinungen zu informieren. "Das Symbol wird uns helfen, mehr und bessere Informationen über mögliche Nebenwirkungen eines Arzneimittels zu bekommen, die dann gründlich analysiert werden können", sagt Tonio Borg, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik.

Bis das Symbol in allen angegebenen Beipackzetteln zu finden ist, wird es noch eine Weile dauern. Medikamentenpackungen, die schon im Umlauf sind, müssen nicht mit neuen Beipackzetteln versehen werden. Fünf Jahre nach der Zulassung soll das Dreiecksymbol wieder aus den Beipackzetteln verschwinden.

Redaktion: P. Diem