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Die Sichel#

von Peter Diem

Wie beim Hammer soll hier die ursymbolische Bedeutung eines der vier Attribute des Wappenadlers der Republik Österreich behandelt werden. Die Sichel ist wie die Sense ein Symbol für die Ernte, den Ablauf der Zeit (jährlich wiederkehrende Erntezeit) und den Tod, der ja oft als Schnitter dargestellt wird.

Als Symbol der Zeit war die Sichel das Attribut des Titanen Chronos. Seine Mutter Gaia hatte sie geschmiedet und ihm übergeben, um seinen Vater Uranos, der seine Kinder in den Tartarus gestoßen hatte, zu entmannen. Er wurde daraufhin selbst von seinem Sohn Zeus mit einem Blitz niedergeworfen. So wurde die Sichel zusammen mit der Sanduhr (Chrono/s/meter!) zum Symbol von Zeit, Vergänglichkeit und Tod. Der Gott Saturn (griechisch Kronos - nicht zu verwechseln mit dem eben erwähnten Titanen Chronos!) war ursprünglich ein Erntegott und wurde deshalb gerne mit einer Sichel dargestellt.

Natürlich wird die Sichel auch mit der Mondsichel in Zusammenhang gebracht. Damit werden Assoziationen mit dem Halbmondsymbol wach, das ja in der österreichischen Symbolgeschichte infolge der langen Türkenkriege eine bedeutende Rolle gespielt hat (siehe den Beitrag zum Thema "Mond" ).

Notburga an der Pfarrkirche von Scheffau, Foto Wolfgang Sauber, Aus: Wikicommons unter CC
Notburga an der Pfarrkirche von Scheffau
Foto Wolfgang Sauber
Aus: Wikicommons unter CC
In der österreichischen Symbolik kommt die Sichel nicht nur im immer noch verwendeten Emblem der KPÖ vor, sondern ist auch zentrales Symbol der Tiroler Heiligen Notburga.

Nach der Legende verlangte der Bauer, bei dem Notburga diente, dass trotz einem heran nahenden Gewitter weiter gearbeitet werde, bis alles Getreide eingeholt sei. Beim ersten Glockengeläut legte Notburga jedoch wie immer die Arbeit nieder. Der Bauer wollte sie zurückhalten. Der Legende nach warf Notburga darauf ihre Sichel in den Himmel, wo diese an einem Sonnenstrahl hängen blieb. Der Bauer erschrak und ließ Notburga ziehen.

Die Heilige gilt als Patronin der Dienstboten (Näheres vgl. den Beitrag über Tirol).

Sichel und Hammer kommen bereits 1918 in einem Sowjetsiegel vor, wie das Siegel am Friedensvertrag von Brest-Litowsk zeigt. Dieser wurde im Ersten Weltkrieg zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten geschlossen. Er wurde nach längeren Verhandlungen am 3. März 1918 in Brest-Litowsk unterzeichnet. Damit schied Sowjetrussland als Kriegsteilnehmer aus.

--> Siehe hierzu auch die Geschichte des Bundeswappens.

Foto: P. Diem
Foto: P. Diem
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Siegel am Vertrag Brest-Litowsk