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Die Symbole Vorarlbergs#

Landesgeschichte#

von Peter Diem

Buchtext S. 361ff.
--> Überblick und Links

Bild 'Vorarlberg'
Die Geschichte Vorarlbergs hängt eng mit seiner Topographie zusammen: Vorarlberg liegt am Rhein, d. h. westlich der europäischen Hauptwasserscheide, an den Passstraßen nach Italien und am Arlberg. Das Land ist nach Westen hin offen, nach Osten hingegen durch hohe Gebirge vom Nachbarland Tirol getrennt. An diese natürliche Grenze wird man immer wieder durch das gängige Scherzwort erinnert, wenn vom Arlbergtunnel die Rede ist: „Was Gott durch einen Berg getrennt hat, soll der Mensch nicht durch ein Loch verbinden."

Das Land ist seit der Altsteinzeit besiedelt; um 400 v. Chr. wanderten Kelten in das Gebiet ein. 15 v. Chr. von den Römern erobert, bildete das spätere Vorarlberg einen Teil der Provinz Rätien, die von einem Statthalter in Augsburg (Augusta Vindelicum) regiert wurde. Die Römer beherrschten das Land über 400 Jahre lang, was deutliche Spuren der Romanisierung hinterließ („Rätoromanen", rätoromanische Landessprache, vgl. auch Brigantium = Bregenz, Handelsstadt ab 50 n. Chr.).

Um 259 stießen Alemannen ins Bodenseegebiet und gegen die Römer vor, die in der Folge Brigantium zum Kriegshafen ausbauten. Ab Ende des 5. Jahrhunderts besiedelte der westgermanische Volksstamm der Alemannen Südwestdeutschland, die Schweiz und das Vorarlberger Unterland; die Bergtäler hingegen behielten noch jahrhundertelang ihre romanisierte rätische Urbevölkerung. Im 17. Jahrhundert folgte der aus der Schweiz kommende, ebenfalls alemannische Stamm der Walser, der rund ein Viertel Vorarlbergs besiedelte und urbar machte. Mit ihren typischen Blockhäusern und der alten Tracht haben die Walser die Volkskultur des „Ländles" entscheidend mitgeprägt.

Gegen Ende des ersten Jahrtausends wurden die Udalrichinger zum führenden Geschlecht. Nach einer Teilung in eine Bregenzer und eine Buchhorner Linie ging der Besitz 1160 auf Hugo von Tübingen über, der seine Residenz nach Feldkirch verlegte. Sein Sohn, Hugo der Jüngere, nannte sich seit ca. 1206 Graf von Montfort (nach dem Stammschloss Montfort bei Götzis). 1523 wurde die letzte montfortische Besitzung an Österreich verkauft.

Mitte des 17. Jahrhunderts geriet das Land in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Der schwedische General Wrangel nahm 1647 Bregenz gegen den Widerstand der Vorarlberger unter Hauptmann Rhomberg ein und ließ es plündern. Die französischen Heere, die die Ideen der Französischen Revolution weit über Europa verbreiten sollten, erreichten 1796 Vorarlberg. 1806-1814 geriet das Land unter bayrische Herrschaft.

Schon früh erkämpften sich die Vorarlberger Bauern und Bürger gegen Adel und Geistlichkeit eine für Österreich einmalige landständische Demokratie. Seit 1511 organisiert, erhielten die Vorarlberger Stände 1861 ihren eigenen Landtag. Doch erst 1918 konnte sich Vorarlberg verwaltungsmäßig völlig von Tirol lösen und eine eigene Landesregierung bilden. Die Jahre 1918/21 brachten starke separatistische Tendenzen in Richtung Schweiz (Volksabstimmungsergebnis: 80 Prozent für Anschlussverhandlungen). Noch einmal, während der NS-Zeit, wurde Vorarlberg mit Tirol zusammengelegt. Damals kam es auch zu einem starken Zuzug von Südtirolern.

1945-1955 gehörte Vorarlberg wie Tirol zur französischen Besatzungszone. 1968 ging der jahrhundertealte Wunsch nach einem eigenen Landesbistum in Erfüllung.

Die große Rolle Vorarlbergs in der Elektrizitätsindustrie und auf dem Textilsektor wie auch die Dornbirner Messe zeugen von der Wirtschaftskraft, die Bregenzer Festspiele von der kulturellen Aufgeschlossenheit des kleinen Musterlandes im äußersten Westen Österreichs.

Vorarlberg wird übrigens als einziges österreichisches Bundesland in seiner Verfassung als „selbständiger Staat" bezeichnet. Der Landeshauptmann-Stellvertreter führt den Titel „Statthalter".

Weiteres Kartenmaterial

Luftaufnahmen Vorarlberg (Videos): http://www.vorarlbergvonoben.at/

Demographische Daten:
Fläche: 2.601 km2
Einwohner (2008): 366.377
Ausländeranteil: 46.625 = 12,7 Prozent
Einwohner Bregenz: 29.237 = 8,0 Prozent

LTW 2009