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Böhmen (Herzogtum, Königreich)#

Der Name Böhmen geht auf den keltischen Stamm der Boier (Bojohaemum) zurück, die im Gebiet zwischen Böhmerwald, Erzgebirge, Sudeten und der Böhmisch-Mährischen Höhe siedelten. Nach Abwanderung der dort seit dem 1. Jahrhundert ansässigen Germanen drangen im 6. Jahrhundert slawische Stämme ein. Sie gerieten später unter fränkischen Einfluss und wurden im 9. Jahrhundert von Bayern aus christianisiert (973 Bistum Prag). Die ursprünglich an der Moldau um Prag siedelnden Tschechen wurden unter den Przemysliden im 10. Jahrhundert vereinigt. Der hl. Herzog Wenzel (+929) vollzog den Anschluss Böhmens an die westliche Kultur. 1114 ist der böhmische Herzog erstmals als Inhaber eines Reichserzamtes (Schenk) bezeugt und war als solcher einer der mächtigsten Reichsfürsten. 1198 erlangte Ottokar I. für sich und seine Nachkommen von Philipp von Schwaben die erbliche Königswürde. Ottokar II. (1253-1278) erwarb Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain und das Egerland (1266). 1306 starben die Przemysliden aus, nachdem sie für kurze Zeit auch eine böhmisch-polnische Personalunion gebildet hatten. Ihnen folgte Johann von Luxemburg, der die Przemyslidin Elisabeth geheiratet hatte. Er gewann auch die Oberlausitz und Schlesien für Böhmen. Sein Sohn Karl IV. (1346-1378) fasste Böhmen, Mähren, Schlesien und die beiden Lausitzen zu einem staatsrechtlichen Verband als Länder der böhmischen Krone zusammen, gründete die Universität (1348) und das Erzbistum Prag (1344). Die von ihm erlassene Goldene Bulle von 1356 räumte dem König von Böhmen die Kurwürde und den Vorrang unter den weltlichen Kurfürsten ein.

Nach dem Tod des letzten Luxemburgers Sigismund (1437), seines österreichischen Schwiegersohns Albrecht II. (1439) und der Herrschaft des Georg Podiebrad (+1471) fielen Böhmen, Mähren und Schlesien an die Jagiellonen. Diese polnische Dynastie vereinigte die Königreiche Böhmen, Ungarn und Polen bis 1526 in einer Herrschaft. 1526 trat für die Habsburger der Erbfall ein. 1635 wurden die Lausitzen an Kursachsen verpfändet, 1742 der größte Teil von Schlesien an Preußen abgetreten. Das übrige Königreich Böhmen mit seinen Nebenländern blieb durch fast 400 Jahre (bis 1918) österreichisch.

Das alte und das neue Wappen#

Das alte Wappen von Böhmen zeigte einen schwarzen, rotgeflammten Adler in Silber, der als Adler des heiligen Wenzel aufgefasst wurde. Die Attribute des Heiligen sind Szepter, Schwert, Lanze oder Fahne und ein Schild mit einem schwarzen Adler. Dieser Adler wurde von Johann von Böhmen 1339 dem Bistum Trient verliehen, da er meinte, dass „das Wappen des heiligen Märtyrers Wenzeslaus, des glorreichen Patrons unseres Königreiches, gegenwärtig vakant" sei.

Seit der Mitte des 13. Jh. hatte König Przemysl Ottokar II. eine wesentliche Wappenänderung herbeigeführt. Er übertrug den Adler auf die Fahne, die als Wenzelsfahne bezeichnet wurde und nahm den doppelgeschwänzten Löwen in seinen Schild auf: Einen silbernen, golden gekrönten Löwen mit Doppelschweif im roten Feld. Helmzier ist ein mit goldenen Lindenblättern bestreuter schwarzer Flug (möglicherweise der Rest des Adlerwappens des hl. Wenzel). Die Helmdecken sind schwarz (mit goldenen Lindenblättern bestreut) und golden. Landesfarben waren bis 1919 Rot und Weiß. In der österreichischen Heraldik kommt das Wappen von Böhmen zuerst bei König Albrecht II. (1411), dann bei Ladislaus Postumus (1459), Maximilian I. (1499) und dann von Ferdinand I. (1522) bis 1918 vor.

Michael Göbl