unbekannter Gast

Gars am Inn – Neuöttingen -Braunau - Reichersberg#

Samstag 18. August 2012#


Bild '7-Etappe'

Es ist nicht der ruhigste Rastplatz. Im Haus gegenüber arbeitet Jemand mit einer Bohrmaschine. Aber ich brauchte schon eine Rast. Ich hatte mir vorgenommen am halben Weg von Altöttingen nach Braunau eine Pause einzulegen. Das wäre bei 17,5 Kilometern gewesen. Nun habe ich schon 22. Ich liege unter einem Kastanienbaum. Daneben ist ein Marterl. Mein verschwitztes Hemd hängt am Baum in der Sonne zum Trocknen. Ich aß eine Banane und trank von meinem Energiesaft. Das Mineralwasser mit Apfelgeschmack, das ich mir im Supermarkt in Neuöttingen gekauft hatte geht nicht sehr gegen den Durst.

Seit Neuöttingen ist der Weg besser. Mein erster Tagesabschnitt war sehr schlecht. Gleich nach dem Wegfahren bin ich in eine Sackstraße gefahren. Meine Zimmervermieterin zeigte mir den Weg. Ich folgte dem Inn. Eine Straße führte steil zum Fluss hinunter und unten war es aus. Ein neues Kraftwerk war in Bau und hat das gesamte Tal gesperrt. Ich fragte einen Arbeiter, der nur antwortete "Nix deutsch verstehen." Ich musste also den Berg wieder hinauf. Auch am weiteren Weg war die Beschilderung oft sehr unklar. Die Schilder unterschieden nicht zwischen lokalen Radwegen und dem Fernweg entlang des Inns. Auch gab es viele Steigungen. In den ersten zwei Stunden machte ich so 700 Höhenmeter. Damit hatte ich nicht gerechnet. Dabei hatte der Tag so schön begonnen. Ich habe in dieser Nacht am besten geschlafen. Ich wurde zwar oft wach, kam aber auf mehr Schlafstunden als all die Nächte davor. Um 1 Uhr früh wurde ich wach und dachte es sei schon Morgen. Ich muss ganz tief geschlafen haben. Dann passierte das noch mehrmals, als aber um 7 Uhr mein Wecker läutet, dachte ich es sei Mitternacht.

Bild '7-Etappe1'

Ich duschte und machte mich fertig. Man roch schon den Kaffee. Die Vermieterin war schon aktiv. Sie hatte für mich den Tisch schön hergerichtet. Eine Kerze brannte und in schönem Geschirr war alles angerichtet: Kaffee auf einer Warmhalterung, Schinken, Käse, Semmeln, Knäckebrot, Marmelade und Orangensaft. Alles liebevoll hergerichtet.

Nach dem Essen machte ich noch einen Blick in den wunderbaren Garten. Als ich zahlen wollte, sagte die Frau "Ich komme gleich. Ich habe nur die Fährte zu zwei Schnecken aufgenommen und die muss ich noch er-legen." Dann zahlte ich unwahrscheinliche 29 Euro. Winkend stand sie an der Haustür und sah mir noch nach, wie ich in den Radweg einbog.

Es war noch ein frischer Tag. Der Tau lag auf den Wiesen. Wenn mich beim Fahren ein Ast streifte, war ich nass.

Obwohl die Strecke nicht schön war fuhr ich bis Neuötting, von wo der jetzige Papst kommt. Durch das viele Falschfahren, wegen schlechter Beschilderung nahm ich die letzten Kilometer die Landesstrasse und kam so nach Neuötting. Allerdings zu früh und ich musste noch eine weitere Straße, die weiter oben lag in den Ort hinein fahren. In einem Supermarkt besorgte ich dieses Apfelsaftgeschmacks- Mineralwasser. Vor der Brücke kehrte ich in einem Gasthaus ein. Männer, so wie es sich in Bayern gehört, hatten ihren Frühshoppen. Die Kellnerin schwatzte mit ihnen. Sie lud mir auch das Telefon auf. Dann machte ich mich auf zur Weiterfahrt.

Im Dorf Marktl traf ich wieder auf Spuren des Papstes. Hier war er geboren und der Ort vermarktet das heute. Ein eigenes Museum und Hinweise auf das Geburtshaus. Viele Touristen und Gasthöfe, die davon profitieren.

Es war heiß geworden. Jetzt sah ich auch wieder öfter Radfahrer.

Als ich meine Sache unter dem Baum zusammenpackte merkte ich, dass ich in der Jacke, auf die ich mich gelegt hatte meine "Popschicremen" hatte. Sie waren schon geöffnet, und um sie wieder verwenden zu können habe ich die zwei Briefchen in ein Plastiksackerl gesteckt. Ob ich jetzt am Abend eine Melange von "Pre-" und "After-Popschicremen" haben werde?

Bild '7-Etappe2'

Die Strecke bis Braunau war kürzer als eine meiner normalen Streckenabschnitte. Das war auch wichtig, weil es inzwischen hochsommerlich heiß geworden war.

Es ging den Damm entlang. Die Beschilderung des Weges war nicht besser geworden. Der Fahrbelag durchgängig schlecht. Im ganzen deutschen Bereich fast ausschließlich eine Schotterpiste. Für meine schmalen Reifen nicht gerade ideal. Ich hatte immer Angst vor einem Plattfuß. Auch konnte man bei diesem schlechten Belag nicht sehr schnell fahren und musste immer schauen, wo spitze und große Steine lagen.

Bild '7-Etappe3'

Endlich war Österreich da. Eine Brücke über den Inn. Auf der einen Seite die deutsche und die bayrische Fahne. Drüben die österreichische und oberösterreichische. Die Stadt Braunau liegt direkt am Fluss. Die Geburtsstadt Adolf Hitlers. Auch wenn das die meisten Österreicher nicht wahrhaben wollen und Hitler den Deutschen zuschieben. Umgekehrt glauben viele Österreicher Beethoven sei Österreicher. Vielleicht ein Wunschdenken des Austausches der beiden Herren.

Am Hauptplatz machte ich einige Fotos und fuhr dann wieder zurück zum Ufer, wo ich im Stadtgasthaus einkehrte. Das Rad blieb auf der Straße, in der Hoffnung, dass mir Niemand etwas stiehlt. Ich saß auf der Terrasse und blickte hinunter zum Fluss und hinüber nach Deutschland. Dem Land mit den schlechten Radwegen und der Unprofessionalität der Beschilderung.

Ich aß sehr gut. Vorher telefonierte ich mit Hannelore, die gerade mit Güzy unterwegs war und die empfahl Knödel. Das bestellte ich auch. Es kamen sechs verschiedene Knödel mit Sauerkraut. Das Sauerkraut kam noch stundenlang später hoch. Zum Abschluss leistete ich mir einen Kaffee und eine Schwarzwälderschnitte. Vorher mein übliches Obi gespritzt, das jetzt schnell getrunken war.

Bild '7-Etappe4'

Die Kellnerin - ein junges Mädchen - war sehr freundlich und mit einem extrem kurzen Minirock sehr couragiert.

Nach dem Essen fuhr ich nochmals in die Stadt auf den Hauptplatz. Bei der Sparkasse hob ich Geld ab und bei BILLA kaufte ich Mineralwasser und eine Fruchtmilch, die ich bald zu trinken begann. Mit dem Sauerkraut und dem Apfelsaft gärte es in meinem Magen. Ich wollte noch Bananen kaufen, aber die gab es nicht mehr. Das Schicksal des Samstagnachmittag Einkaufs.

Vor einem mittelalterlichen Gebäude ließ ich mich noch fotografieren. Ich fragte einen Mann. Der verwies mich aber auf seine Tochter. Als ich mich dann unten am Inn vor der Brücke von einem Ungarn nochmals fotografieren ließ, überholte mich die Dame mit ihrem Sohn. Ich fuhr dann einige Zeit hinter ihr. Sie hatte ein gutes Parfüm und das dünne Kleid motivierte mich hinterher zu fahren. So kam ich rascher vorwärts. Der Weg verlief zuerst direkt neben dem Fluss und dann oben am Damm. Bei einem Schloss verlor ich wieder kurz den offiziellen Weg. Er ging rauf und runter. Durch einen Wald und eine Au, aber meist am Damm neben dem Inn. Eine Schotterfahrbahn. Oft lange gerade Strecken. Er querte einen Naturschutzpark. Ich sah auch viele Wasservögel. Es war jetzt sehr heiß und ich musste mehrere Pausen machen, um nicht zu er-schöpft zu sein, obwohl es neben dem Wasser noch relativ kühl war. Es waren 35 Kilometer bis Stift Reichersberg. Ich hatte aus Braunau angerufen und ein Einzelzimmer reserviert. Ich hatte also keine Hektik. Ich hörte auch nicht mehr auf die Fahrzeiten, die mein App nach jedem Kilometer sagte. Wie beim Marathon: wichtig ist es durchzukommen.

Bild '7-Etappe5'

Ich konnte mich wieder an einige Orte erinnern, wo ich mit Hannelore durchkam. Um genau zu sein: Hannelore fuhr ab Braunau mit dem Zug voraus.

Außer Tagesradfahrern hat mich auf dieser Reise Niemand überholt. Immer war ich es, der Andere überholte. Jetzt, vor Reichersberg eine ganze Gruppe und alle ohne Gepäck. Eine typische Reisegruppe, deren Gepäck transportiert wird.

Im Ort Obersberg musste ich nochmals hinauf. Auch hier war ich schon. Mit den Freunden aus der Hinterbrühl. Damals hatte es geregnet. Heute war es sehr heiß. Ich habe für eine halbe Stunde mein verschwitztes Leiberl ausgezogen und ließ es am Paketträger trocknen. Auch mein verschwitzter Rücken trocknete sich im Fahrtwind. Apropos Fahrtwind. Meine Rechnung vom Westen in den Osten zu fahren, weil meist Westwind geht und mich dieser unterstützen sollte ging nicht auf. Ich hatte bisher immer Gegenwind, der im Laufe des Tages immer stärker wurde. Also dann, wenn ich müde wurde und Hilfe benötigt hätte blies er stärker.

Der Weg führte weiter durch die Au und das Naturschutzgebiet. Unterhalb des Stifts sogar über einen Holzsteg, um so die Vögel im Schilf besser sehen zu können.

Den letzten Berganstieg zum Stift hinauf schob ich das Rad.

Bild '7-Etappe6'

Ich meldete mich - wie telefonisch vereinbart - im Restaurant. Man suchte meinen Zimmerschlüssel fand ihn aber nicht. Die freundlichen Kellnerinnen suchten den Chef. Als er dann kam gab er mir den passenden Schlüssel und erklärte er mir, wo mein Zimmer sei. Ich schleppte das Gepäck durch das Haus, fand die Nummer 18, die mein Zimmer sein sollte nicht. Ich ging nochmals fragen. Wieder nur eine falsche Auskunft. Im Stiftshof wurde eine Hochzeit gefeiert. Ein Pater stand mit einem Glas Sekt bei den Festgästen. Ich fragte ihn und bekam die richtige Auskunft. Mein Zimmer lag im Kellergeschoss mit einem kleinen Fenster, das aus der Erde herausschaute.

Nach einem kurzen Verschnaufen stellte ich mich in die Dusche und genoss das kühle Wasser, das über meinen verschwitzten Körper rann. Dann ging ich fotografieren. Wieder traf ich den Pater und fragte ihn nach dem Chorgebet. Er gehe gerade hin und nahm mich mit. Ich durfte mit den Patres in der Stiftskirche vorne im Chorgestühl sitzen. Der Gastpater gab mir die Texte und ich betete - leider im falschen Ton - mit.

Nach dem Gebet telefonierte ich mit Hannelore. Jetzt erreichte ich sie. Im Kellerzimmer war kein Empfang und auch hier im Klosterhof telefonierten wir teuer mit Hilfe der Deutschen Telekom, die sich hier in Österreich Kunden fischt.

Danach ging ich ins Restaurant. Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte etwas zu essen, bestellte ich Gulasch und ein großes Bier. Das Bier war rasch weg.

Danach ging ich zurück ins Zimmer. Das Restaurant hatte ein WLAN und ich schrieb meine Tageserlebnisse um sie wegschicken zu können.

Den Tag schloss ich mit einem zweiten Gasthausbesuch, bei dem ich ein Eis aß und ein Glas Wein trank. Dabei wurden meine Mails verschickt.


Bild '7-Etappe7'
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