!!!Geschichte von Salzburg
[{Image src='Salzburg_Land4.jpg' height='300' class='image_left' caption='Salzburg: Hinterglemm\\© Österreich Werbung, Gritsche, für AEIOU' alt='Salzburg Hinterglemm' width='452'}]
Wie in keinem anderen österreichischen Bundesland sind in Salzburg Geschichte, Kunst und Kultur dominiert von der Hauptstadt Salzburg.
Funde in der Schlenken-Durchgangshöhle (bei Hallein) und am Oberrainerkogel (bei Unken im Pinzgau) lassen auf Besiedelung schon in der Altsteinzeit (Paläolithikum) schließen. In der Bronze- und Urnenfelderzeit wurde vor allem im Gebiet von Mühlbach am Hochkönig, um Bischofshofen sowie im Pinzgauer Glemmtal Kupferbergbau betrieben.
Salz wurde schon im 6. Jahrhundert v. Chr. und besonders zur Zeit der Kelten von zirka 450 v. Chr. bis Christi Geburt am Dürrnberg bei Hallein gewonnen, das an Salzproduktion und zahlreichen Funden das ältere Hallstatt übertrifft. Salzburg lag im Gebiet des keltischen Königreichs Noricum und wurde 15 v. Chr. von römischen Truppen kampflos besetzt, nur die Ambisonten im Pinzgau leisteten Widerstand. Unter römischer Herrschaft gehörte zur Municipalstadt Iuvavum ein ausgedehnter Stadtbezirk, der wesentlich größer als das heutige Land Salzburg war und bis zum Innbogen reichte. Von den römischen Gutshöfen ("villae rusticae") im Flachland zählte jener von Loig am Stadtrand von Salzburg zu den größten im Gebiet des heutigen Österreich (Theseus-Mosaik aus Loig im Kunsthistorischen Museum in Wien), die Straße über den Radstädter Tauernpass war eine der bedeutendsten römischen Bergstraßen Europas. Angesichts der zunehmenden alemannischen Bedrohung verließen viele Bewohner ab dem Ende des 4. Jahrhunderts ihre römischen Gutshöfe.
Nachdem der heilige Severin nach Cucullis (Kuchl) gekommen war und den Zusammenbruch der römischen Verwaltung verhindert hatte, ordnete König Odoaker 488 n. Chr. den Abzug der Romanen an. Ein Großteil der keltoromanischen Bevölkerung blieb im Land zurück und bildete vor allem südlich der Stadt Salzburg bis zum Pass Lueg ein relativ geschlossenes romanisches Siedlungsgebiet.
Im 6. Jahrhundert wurde Salzburg von den Baiern besiedelt, in einigen Seitentälern der Salzach (slawische Ortsnamen wie Lungötz im Lammertal, Mandling) sowie im ganzen Lungau (gehörte bis ins 13. Jahrhundert zu Kärnten) ließen sich Slawen nieder. Bischof Rupert, der 696/700 zunächst an den Wallersee, dann nach Iuvavum kam, sollte im Auftrag des Baiernherzogs Theodo das südliche Baiern (Noricum) erschließen und christianisieren und erhielt dafür reiche Besitzungen, unter anderem den Großteil der Solequellen von Reichenhall, die an seine Nachfolger übergingen. Nach dem dort abgebauten Salz erhielten die Stadt und das Bistum, später auch das von den Bischöfen beherrschte Land den deutschen Namen Salzburg.
Rupert errichtete die Maximilianszelle im Pongau (Bischofshofen) als ersten Stützpunkt für die Slawenmission. Sein Nachfolger Virgil organisierte das Missionswerk unter den Slawen in Karantanien (Kärnten), das mit Unterstützung des Baiernherzogs Tassilo III. 772 abgeschlossen wurde. Im 9. Jahrhundert eröffnete sich im Gebiet um den Plattensee in Pannonien (Ungarn) ein weiteres Wirkungsfeld, das nach der Niederlage gegen die Ungarn bei Pressburg 907 wieder verlorenging. Die Stützpunkte in Niederösterreich (Arnsdorf und Loiben in der Wachau, Traismauer), in der Steiermark (Leibnitz, Deutschlandsberg, Pettau/Ptuj) und in Kärnten (Friesach, Althofen, Maria Saal), die durch die große Schenkung König Ludwigs des Deutschen 860 und seiner Nachfolger an das Erzbistum Salzburg gekommen waren, blieben zum Großteil bis 1803/1810 als "auswärtiger Besitz" unter erzbischöflicher Herrschaft.
Erzbischof Konrad I. (1105-47) versuchte durch den Ausbau starker Burgen (Hohensalzburg, Hohenwerfen, Friesach, Leibnitz, Pettau und andere) die weit gestreuten Besitzungen des Erzstiftes Salzburg zu schützen. Ansätze für eine geschlossene Herrschaft waren jedoch nur im großen Waldgebiet des Pongaus gegeben, das die Erzbischöfe roden und besiedeln ließen.
Nach Rückschlägen während des Investiturstreits und des Alexandrinischen Schismas, in dessen Verlauf Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Erzstift zeitweise unter seine Verwaltung genommen hatte, gelang es Erzbischof Eberhard II. (1200-46) zusammen mit Kaiser Friedrich II., ein geschlossenes Herrschaftsgebiet aufzubauen. In der Folge konnten die Reichsrechte im Lungau (1213), die Grafschaften im Pinzgau (1228) und die Grafschaft Lebenau (um Tittmoning) sowie von den Nachfolgern die Gerichte und Güter der Grafen von Plain (1249/1260) und des Gasteiner Tals (1297) erworben werden, das Gebiet im Norden und Nordosten der Stadt Salzburg, der heutige Flachgau, kam erst am Ende des 14. Jahrhunderts hinzu.
Obwohl die Erzbischöfe seit dem 12. Jahrhundert Reichsfürsten waren, galten die von ihnen beherrschten Gebiete noch im frühen 14. Jahrhundert als Teile des Herzogtums Bayern. Erst die Niederlage bei Mühldorf 1322 (der Salzburger Erzbischof Friedrich III. stand auf seiten des Habsburgers Friedrich des Schönen), führte zu einer Lösung von Bayern. Der Erzbischof erließ auf Drängen des Adels 1328 eine "Landesordnung", 1342 sprach Erzbischof Heinrich erstmals von "seinem Land". Die Landstände erwiesen sich bald als Träger eines bereits ausgeprägten Landesbewusstseins, konnten sich im 15. Jahrhundert jedoch gegen die Erzbischöfe nicht durchsetzen: es kam zu Fehden und zu einem inneren Niedergang, der im "Ungarischen Krieg" 1479-90 gipfelte.
Im frühen 16. Jahrhundert kam es unter Erzbischof Leonhard von Keutschach (1495-1519) zu einer wirtschaftlichen und politischen Konsolidierung. Unter seinem Nachfolger Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1519-40) scheiterte 1525 vor den Mauern von Hohensalzburg ein von den Bergbauunternehmern (Gewerken) aus Gastein und Rauris geführter, von Knappen und Bauern getragener Aufstand. 1526 wurde die erzbischöfliche Herrschaft unter der Leitung des Tiroler Bauernführers M. Gaismair neuerlich bedroht. Im frühen 13. Jahrhundert sicherte Erzbischof Eberhard II. der Saline Hallein die Vorherrschaft im Ostalpenraum, um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam es zu einer Blüte des Gold- und Silberbergbaus in Gastein und Rauris. 1566 stand Gastein mit einer Fördermenge von 803 kg Gold an der Spitze in ganz Europa.
Das prunkvolle Auftreten der Erzbischöfe des Barock, Wolf Dietrich von Raitenau, Marcus Sitticus und Paris Lodron, fiel bereits in eine Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs und wurde durch hohe Steuern erkauft. Paris Lodron konnte die Neutralität Salzburgs im Dreißigjährigen Krieg behaupten. Im späten 17. und im 18. Jahrhundert wurde der Druck der Gegenreformation immer stärker: Nachdem bereits 1684 die evangelischen Bewohner des Defereggentales (im heutigen Osttirol) ihre Heimat hatten verlassen müssen, kam es 1731/32 zur großen Protestantenemigration.
Mehr als 20.000 Bauern, Knechte und Mägde, vor allem aus dem Pongau, Pinzgau und Lungau, verließen das Erzstift und fanden größtenteils in Ostpreußen eine neue Heimat, das härteste Los traf die Bergknappen vom Dürrnberg, die im Spätherbst 1732 nach Holland auswanderten. Unter dem letzten regierenden Fürsterzbischof, Hieronymus Graf Colloredo (1772-1803, † 1812), wurde Salzburg zum Zentrum der Aufklärung in Süddeutschland. Die sparsame Finanzpolitik des Fürsten führte zu einer Einschränkung der höfischen Kunst und Kultur. Colloredo flüchtete während der Napoleonischen Kriege im Dezember 1800 nach Wien, von wo aus er bis 1812 das Erzbistum leitete, das durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 als geistliches Fürstentum sein Ende gefunden hatte.
Nach einer kurzen Episode als Kurfürstentum (1803-05), mit dem Großherzog Ferdinand III. für den Verlust der Toskana entschädigt worden war, einer ersten Periode österreichischer Herrschaft (1805-09), einer Zeit unter französischer Verwaltung (1809/10) und 6 Jahren bayerischer Herrschaft (1810-16) kam Salzburg durch den Wiener Kongress endgültig an Österreich.
Nachdem bereits unter bayerischer Herrschaft die Universität aufgehoben worden war, brachten die ersten Jahrzehnte unter den Habsburgern mit der Angliederung Salzburgs an das Land Österreich ob der Enns, dem Verlust des Hofs und der Landesbehörden einen wirtschaftlichen und politischen Tiefpunkt. Die Revolution von 1848 führte 1850 zur Errichtung eines selbständigen Kronlands Salzburg, die mit dem Zusammentreten des Landtags 1861 abgeschlossen wurde.
Bis zum 1. Weltkrieg kam es durch den Bau der West- und der Tauernbahn, die Errichtung der Zellulosefabrik in Hallein, die intensive Bautätigkeit in der Landeshauptstadt und den zunehmenden Fremdenverkehr zu einem stetigen wirtschaftlichen Aufschwung, der nach dem Ende des 1. Weltkriegs mit den Salzburger Festspielen und dem Wirtschaftsprogramm des Landeshauptmanns [Franz Rehrl|AEIOU/Rehrl,_Franz] (Bau des Kleinen Festspielhauses, der Großglockner-Hochalpenstraße, der Gaisbergstraße, des Fuscher Bärenwerkes und Planung der Tauernkraftwerke) neuen Auftrieb erhielt.
Mit dem Konkordat 1934 gingen zwar die Rechte zur Ernennung der "Eigenbischöfe" in Gurk-Klagenfurt, Seckau-Graz und Lavant-Marburg/Maribor, die einst den Salzburger Erzbischof zu einem "halben Papst" gemacht hatten, verloren, bis heute aber trägt der Erzbischof von Salzburg als "geborener Legat" (legatus natus) den Legatenpurpur und führt den Ehrentitel eines "Primas Germaniae".
Der Nationalsozialismus fand in Salzburg breite Zustimmung. Im 2. Weltkrieg wurde neben der Landeshauptstadt auch die Industriestadt Hallein heftig bombardiert, 15.000 Menschen starben. 1945 fanden in Salzburg (als "goldener Westen" unter amerikanischer Besatzung) die Länderkonferenzen statt, in denen die westlichen Bundesländer ihren Beitritt zur Republik Österreich unter der Regierung Renner erklärten.
Der anhaltende Erfolg der Salzburger Festspiele und des Fremdenverkehrs, die Einführung der Osterfestspiele und das permanente wirtschaftliche Wachstum bescherten Salzburg in den Jahrzehnten nach Kriegsende überdurchschnittlichen Wohlstand. Die Erhebung des Mozarteums zur Hochschule bzw. Universität und die Wiederbegründung der Universität (1962) führten zu einer Intensivierung des geistigen und künstlerischen Lebens.
(''Salzburg zählt heute zu den innovativsten und wettbewerbsstärksten Regionen Europas mit niedriger Arbeitslosenrate, hohem Lebensstandard und sehr guter Umweltqualität.'')
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> [Historische Bilder zu Salzburg|Bilder_und_Videos/Historische_Bilder_IMAGNO/Salzburg_Land] (IMAGNO)
> [Überblick: Salzburg|AEIOU/Salzburg_Land] (AEIOU)
!Quellen
* Österreich-Lexikon, 3 Bände, HG. Ernst Bruckmüller, Verlagsgemeinschaft Österreich-Lexikon, 2004
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