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vom 31.10.2017, aktuelle Version,

Alfred Bonaventura von Rauch

General der Kavallerie Alfred von Rauch
Alfred von Rauch als Oberst und Kommandeur des Brandenburgischen Kürassier-Regiments Nr. 6, Ölgemälde von Theodor Schloepke, 1869

Alfred Bonaventura von Rauch (* 1. April 1824 in Potsdam; † 25. September 1900 in Berlin) war ein preußischer General der Kavallerie.

Leben

Herkunft

 Alfred von Rauch als Rittmeister à la suite des Regiments der Gardes du Corps und Flügeladjutant König Friedrich Wilhelms IV., Fotografie (Silbergelatineabzug), 1858
Alfred von Rauch als Rittmeister à la suite des Regiments der Gardes du Corps und Flügeladjutant König Friedrich Wilhelms IV., Fotografie (Silbergelatineabzug), 1858

Er war der Sohn des preußischen Generalleutnants Friedrich Wilhelm von Rauch (1790–1850) und dessen Ehefrau Laurette, geborene Gräfin von Moltke. Sein Großvater war Generalmajor Bonaventura von Rauch (1740–1814), der Kriegsminister Gustav von Rauch sein Onkel.

Militärkarriere

Rauch besuchte in seiner Jugend die Kadettenhäuser in Potsdam und Berlin. Er wurde am 9. August 1842 als Sekondeleutnant dem Regiment der Gardes du Corps der Preußischen Armee überwiesen. 1848 war er als Ordonnanzoffizier dem Prinzen Albrecht von Preußen, dem Bruder König Friedrich Wilhelms IV., zugeteilt, in gleicher Funktion 1848 dem General der Kavallerie von Wrangel. Von 1849 bis 1855 war er in Berlin als Adjutant beim Oberkommando in den Marken und beim Generalkommando des III. Armee-Korps tätig. Bis 1855 avancierte Rauch zum Rittmeister und wurde 1856 Eskadronchef im Regiment der Gardes du Corps. 1858 wurde er Flügeladjutant von König Friedrich Wilhelm IV. In dieser Stellung stieg Rauch 1859 zum Major und 1863 zum Oberstleutnant auf. Während des Krieges gegen Dänemark nahm er 1864 im Hauptquartier Wrangels an der Beschießung von Fredericia und an der Erstürmung der Düppeler Schanzen teil. Danach wurde Rauch Kommandeur des Brandenburgischen Kürassier-Regiments (Kaiser Nicolaus I. von Rußland) Nr. 6 in Brandenburg an der Havel und führte dieses 1866 im Krieg gegen Österreich in der Schlacht bei Königgrätz. Im Krieg gegen Frankreich kommandierte er 1870/71 als Generalmajor die in Schwerin stationierte 17. Kavallerie-Brigade. Sein Divisionskommandeur schrieb über Rauch 1870: „Ein eleganter Offizier, von einnehmender Persönlichkeit, von Takt, Gewandtheit und Dienstkenntnissen. Die diesjährigen Übungen in der Brigade mit 3 Regimentern und 1 Batterie hat er mit Umsicht und Ruhe geleitet, ebenso sich befriedigend in der Führung bei den Divisionsmanövern gezeigt. Eignet sich zur Beförderung.“ 1875 wurde er als Generalleutnant Remonteinspekteur und Chef der Abteilung für das Remontewesen im Kriegsministerium.

Am 23. August 1883 wurde Rauch mit dem Charakter als General der Kavallerie zur Disposition gestellt. Bereits am Neujahrstag 1884 ernannte ihn Kaiser Wilhelm I. zu seinem Generaladjutanten und zugleich Mitte April zum Präses der Generalordenskommission in Berlin. Am 9. Juni 1884 folgte unter Belassung in dieser Stellung seine Wiederanstellung im aktiven Heer. Unter Verleihung der Brillanten zum Großkreuz des Roten Adlerordens wurde Rauch am 7. Juli 1894 von seiner Stellung entbunden und letztmals mit Pension zur Disposition gestellt.

Rauch ritt erfolgreich Galopprennen und wurde 1848 – zusammen mit seinem Vetter Leutnant Fedor von Rauch – Champion der Amateur-Rennreiter. 1862 zählte er zu den Mitgründern des Großen Preußischen Armeejagdrennens, der Berliner Armee Steeplechase in Karlshorst. Als ausgewiesener Pferdekenner war er Vorsitzender des Verbandes deutscher Pferdezucht- und verschiedener Reitervereine.

Ein Reiterbildnis des Schweriner Hofmalers Theodor Schloepke aus dem Jahr 1869 stellt Rauch als Oberst und Kommandeur des Kürassier-Regimentes Nr. 6 dar. Es wird in der Dauerausstellung des Staatlichen Museums Schwerin im Schweriner Schloss gezeigt. Im Schloßgarten von Schwerin wird an Rauch als Kommandeur der 17. Kavallerie-Brigade in einem Seitenrelief des Reiterstandbilds von Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin (Bildhauer Ludwig Brunow) erinnert.

Grabmal für Alfred von Rauch (Detail) auf dem Invalidenfriedhof Berlin (Zustand 2013)

Er wurde im Familiengrab auf dem Invalidenfriedhof in Berlin-Mitte neben seinen Eltern beigesetzt. Auch sein Sohn Friedrich wurde 1935 dort bestattet. Die Rauchsche Grablege geht auf einen Entwurf von Friedrich August Stüler zurück, den König Friedrich Wilhelm IV. beauftragt hatte. Das Grab ist erhalten.

Familie

Rauch hatte sich am 20. September 1851 in Potsdam mit Auguste Karoline Luise Elisabeth Gräfin von Brühl (* 19. Oktober 1827 in Berlin; † 5. September 1901 in Berlin) verheiratet. Sie war die Tochter des Generalintendanten der königlichen Schauspiele und Museen in Berlin Karl Graf von Brühl (1772–1837), Besitzer von Schloss und Gut Seifersdorf bei Dresden, und der Jenny, geborene von Pourtalès (1795–1884).

Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:

I ∞ Anna Julie Mathilde Helene Carola Charlotta von Behr (* 4. September 1865 in Vargatz; † 22. November 1896 in Braunschweig), Tochter des Präsidenten des Deutschen Fischereiverbandes und Gutsbesitzers Friedrich von Behr und seiner Ehefrau Marie, geborene Homeyer, später Besitzerin des Gutes Schmoldow
II ∞ Amélie von Bülow aus dem Hause Gudow (1868–1950), Hofdame der Großherzogin Marie von Mecklenburg-Schwerin, Tochter des lauenburgischen Erblandmarschalls und Gutsbesitzers Friedrich Gottlieb von Bülow und seiner Ehefrau Amalie, geborene von Oertzen
  • Gabriele (Ella) (* 6. Juli 1857 in Potsdam; † 10. Januar 1914 in Schwerin)
  • Anna Elisabeth (* 23. August 1863 in Potsdam; † 1. März 1962 in Salzburg), Hofdame der Herzogin Charlotte von Sachsen-Meiningen

Literatur

  • Gothaisches Adliges Taschenbuch. B1928 (ältere Genealogie) und 1939.
  • Verband deutscher Amateur-Rennreiter e.V. (Hrsg.), 150 Jahre Amateur-Rennsport, 1977, S. 150.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser B Bände VII (1965), S. 339 und XXI (1995), S. 436f.
  • Die Gartenlaube. 2. Beilage zu Heft 12/1900.
  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 8, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, ohne Jahr, S. 16–17.
  • Zum Fünfzigjährigen Dienstjubiläum des Generals der Kavallerie und Generaladjutanten Weiland Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wilhelm I., Präses der Generalordenskommission von Rauch I. in: Militär-Wochenblatt. Nr. 45 vom 24. Mai 1893, S. 1229–1232.
  • Die Familie v. Rauch in der Preußischen Armee. in: Militär-Wochenblatt. Nr. 79 vom 6. September 1893, S. 1979–1985.
  • René Wiese (Hrsg.): Vormärz und Revolution. Die Tagebücher des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin. 2014, insb. S. 225–227.