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vom 21.10.2017, aktuelle Version,

Greiner Holding

Greiner Holding AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1868
Sitz Kremsmünster, Österreich

Leitung

Mitarbeiter 9.799 (2016) [2]
Umsatz 1.475 Mio. Euro (2016) [2]
Branche Mischkonzern
Website http://www.greiner.at

Die Greiner Holding AG ist ein deutsch-österreichisches Familienunternehmen mit Sitz in Kremsmünster (Österreich)[3], das weltweit zu den größten Herstellern und Verarbeitern von Kunst- und Schaumstoff gehört und sich in fünfter Generation in Familienbesitz befindet. Mit ihren vier Spartengesellschaften erwirtschaftete die Greiner Holding AG im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von rund 1,475 Mrd. Euro. Das Unternehmen beschäftigte 2016 9.799 Mitarbeiter an mehr als 130 Standorten in 30 Ländern.[2]

Geschichte

Die ursprüngliche Gründung des Unternehmens erfolgte durch Carl Albert Greiner am 7. September 1868 als Kolonialwaren- und Eisenwarengeschäft in Nürtingen (Baden-Württemberg). Unter anderem wurde ein selbst hergestellter Sprudel vermarktet, der mit Korken verschlossen wurde. Bereits nach kurzer Zeit befasste sich der Firmengründer nur noch mit der Fabrikation und Vermarktung von Korkstopfen, die mit einer damals vollkommen neuartigen Korkschneidemaschine geschnitten wurden und auch fremd verkauft wurden. Der Erfolg war überwältigend, sodass man sich nur noch auf die Korkfabrikation, einschließlich der Vermarktung der anfallenden Abfälle (u. a. Feueranzünder), konzentrierte. Die vier Söhne des Firmengründers traten nach und nach ebenfalls in das Unternehmen ein, was 1899 zunächst zur Gründung der österreichischen Filiale in Kremsmünster (Oberösterreich), führte. Eine weitere Filiale wurde 1903 in Sant Feliu de Guíxols (Spanien) gegründet, um den Import von Kork abzusichern. Beide Unternehmen, in Österreich wie in Deutschland, entwickelten sich trotz Weltkrieg gut, auch dank der eigenen Importbasis in San Feliu nahe Barcelona. Alle Standorte firmierten unter dem Namen C. A. Greiner und Söhne GmbH und Co KG.[4]

Technologisch bedeutsam war nach dem Zweiten Weltkrieg die Hinwendung zu einem gänzlich neuen Werkstoff. 1952 erhielt das Unternehmen die Lizenz zur Herstellung von Schaumstoff, was zunächst in Nürtingen, später auch in Kremsmünster zur nächsten großen Wachstumsphase führte[4]. Die Schaumstofferzeugnisse (Moltopren) wurden vorwiegend in der Möbel- und Bekleidungsindustrie abgesetzt. Greiner beschäftigte damals bereits rund 500 Mitarbeiter.

1960 wurde Greiner Packaging in Kremsmünster als weiterer Betriebszweig für Spritzguss- und Tiefziehwerk mit Druckerei und Formenbau gegründet[5]. Greiner Packaging stellte zunächst Kunststoffverpackungen wie Dosen für die Pharmazie, Joghurtbecher und Einweggeschirr her.[6]

Kurze Zeit nach dem Start des Spritzgusses wurde 1963 in Nürtingen mit den ersten Petrischalen aus Polystyrol begonnen[4]. Das war die Geburtsstunde der Sparte Greiner Bio-One. Zuvor wurden in der Pharmazie und Medizin noch Petrischalen aus Glas genutzt.

1977 entstand ein weiterer Unternehmensbereich, Greiner Extrusion Group, der im Bereich Kunststoffprofilerzeugung Weltmarktführer in der Herstellung der entsprechenden Werkzeugmaschinen ist.[7]

1983 entwickelt sich aus einem von der Firma Semperit übernommenen Schaumstoffbetrieb in Linz, Oberösterreich, die Sparte Greiner Perfoam. Das Unternehmen produziert Sichtteile und Akustikbauteile für die Automobilindustrie.

Ausgehend vom Geschäftsbereich Schaumstoff wurde 1986 mit der Herstellung von Fluggastsitzkissen begonnen. Dieser Geschäftsbereich firmiert heute unter dem Namen Greiner aerospace[8] und gehört ebenso wie Greiner PURtec[9], die Wärmedämmungen für Boiler herstellt, zur Sparte Greiner Foam International.

Im Jahr 1992 erhielt die C. A. Greiner und Söhne Gesellschaft m.b.H. die Staatliche Auszeichnung und durfte das Bundeswappen im Geschäftsverkehr verwenden. Auf Grund von Umstrukturierungen 1999 bzw. 2001 erlosch dieses Recht jedoch.

Die Aktivitäten im Bereich Schaumstoffherstellung wurden im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem belgischen Unternehmen Recticel 1992 gebündelt und firmieren europaweit unter dem Namen Eurofoam.[10] Zunächst wurden, nach dem Fall des eisernen Vorhangs, die Schaumstoffmärkte in Ungarn und Polen erschlossen. Später wurde das Joint Venture auch auf Deutschland ausgeweitet.

Seit 1. Juli 2010 wird Eurofoam gemeinsam mit Greiner MULTIfoam[11] unter der neu gegründeten Greiner Foam International[12] geführt, die ihren Sitz ebenfalls in Kremsmünster hat. 2012 gründete Greiner Foam International ein Joint Venture (Unifoam) in Südafrika und damit den ersten Produktionsstandort der Greiner Gruppe auf dem afrikanischen Kontinent.[13]

Das Bundeskartellamt verhängte im Juni 2015 Bußgelder in Höhe von 75 Mio. Euro gegen die fünf Automobilzulieferer Autoneum, die Carcoustics aus Leverkusen, die Tochtergesellschaft Greiner Perfoam, die Ideal Automotive aus Burgebrach und die deutsche Tochter der International Automotive Components (IAC) in Düsseldorf wegen illegale Preisabsprachen im Zeitraum von 2005 bis 2013.[14]

Struktur des Unternehmens

Seit Mitte 2014 werden sämtliche Unternehmensbereiche von der 1986 gegründeten Greiner Holding AG, Kremsmünster, geführt.[15] Die Greiner Holding AG ist zu 100 % in Familienbesitz.

Die fünf Sparten der Greiner Gruppe stellen sich damit heute (Stand: Oktober 2015) wie folgt dar.[16]

  • Greiner Packaging International: Greiner Packaging (GPI) produziert in verschiedenen Technologien und Dekorationsverfahren Verpackungen aus Kunststoff und Kunststoff-Kombinationen für die Lebensmittel- und Konsumgüterindustrie. Die Greiner Packaging Division K bietet Kunststoffbecher und -deckel. Sie ist die größte der drei Divisionen und bedient vor allem Anbieter im Bereich Molkereiverpackungen. Die Division Kavo umfasst Kunststoffflaschen und -behälter für unterschiedlichste Märkte, z. B. Lebensmittel, Healthcare, Kosmetik, Pharma und Speziallösungen. Die Vielfalt der verarbeiteten Materialien steigt stetig an. Am häufigsten werden PET, PE, PP und PC verwendet, aber auch Kunststoffverpackungen aus ABS, PA und PES kommen zum Einsatz. Die Division Assistec bietet als Sourcing Partner der kunststoffanwendenden Industrie Entwicklung, Produktion, Assembling, Logistik und Service aus einer Hand an. Sie bedient die Märkte Büro & Freizeit, Haushalt & Garten, Gesundheit & Körperpflege, Automobil & Nutzfahrzeuge sowie Umverpackungen & Logistik.
  • Greiner Bio-One International GmbH (GBO) ist ein international agierendes Medizintechnikunternehmen, das in vier Geschäftsbereiche gegliedert ist: Preanalytics entwickelt Entnahmesysteme für Human- und Veterinärproben, die den Ablauf der täglichen Routineaufgaben in der Klinik, im Labor oder in der Arztpraxis einfacher und sicherer machen. BioScience ist Technologiepartner für Universitäten, Forschungsinstitute sowie die diagnostische und pharmazeutische Industrie. Das Angebot umfasst Spezialprodukte zur Analyse von Zellkulturen sowie Microplatten. Diagnostics hat sich auf die Entwicklung neuer molekularbiologischer Analysemethoden spezialisiert. Das Anwendungsgebiet der DNA-Arrays reicht von der Humandiagnostik bis zur Lebensmitteltechnologie. Als Original Equipment Manufacturer (OEM) übernimmt Greiner Bio-One kundenspezifische Designentwicklungen und Fertigungsprozesse für die Bereiche Life Science und Medizin.
  • Greiner Foam International: Greiner Foam International (GFI) bietet Schaumstoffe für sehr viele Anwendungsbereiche, u.a. Polstermöbel-, Freizeitmöbel- und Matratzenindustrie, für Konfektionsbetriebe, für Sicherheits- und Spezialverpackungen, für Automotive- und Flugzeugindustrie, Lärmschutz und Akustik. Greiner Foam International bündelt die Aktivitäten der Erzeugungsbetriebe Eurofoam und Unifoam (Polyurethan-Weichschaumstoffe), Greiner MULTIfoam (Verbundschaumstoffe), GuKoTech (Gummi-Kork-Anwendungen) sowie seit September 2013 Greiner aerospace (Flugzeugsitze) und Greiner PURtec (Behälterdämmungen). Im Juli 2016 wurde als weiteres Unternehmen die Greiner Perfoam in die GFI integriert. Sie entwickelt und produziert für Fahrzeughersteller. Das Sortiment umfasst funktionelle Sichtteile für den Interieurbereich und für den Kofferraum (Hutablagen, Laderaumabdeckungen, Ladeböden), sowie speziell abgestimmte Akustikbauteile für den Innen- und Motorraum. In unterschiedlichen Materialaufbauten werden thermoverprägte PP-Vliese, PU, Glasfasern, Naturfasern und Neu- sowie Recycling-Schaumstoffe eingesetzt.
  • Greiner Extrusion Group (GEG): Seit 30 Jahren beschäftigt sich Greiner Extrusion mit der Herstellung von Werkzeugen und Maschinen sowie dem Gesamtanlagenbau für die Profilextrusion von Kunststoff-Fensterprofilen.

Zur Greiner Holding AG gehören neben den fünf operativen Sparten auch Greiner Real Estate, Greiner Technology & Innovation und die Greiner Krabbelstube.

Sonstiges

Im Zusammenhang mit der Jagd nach dem Heilbronner Phantom wurde im März 2009 bekannt, dass verschiedene Polizeidienststellen in Deutschland, Österreich und Frankreich Abstrichbestecke (Wattestäbchen) der Greiner Bio One International AG für die Aufnahme von DNA-Spuren an Tatorten verwendeten, obwohl diese nach Angabe des Unternehmens dafür überhaupt nicht geeignet sind, da sie zwar steril sind, allerdings DNA-Reste aus dem Produktionsprozess aufweisen. Solche DNA-Verunreinigungen führten zu der irrtümlichen Jagd auf eine „Phantom-Täterin“. Tatsächlich hatte es keine Täterin gegeben, sondern die Ermittler bzw. die Kriminaltechnischen Labors waren den DNA-Verunreinigungen der Abstrichbestecke aufgesessen. Nach Bekanntwerden der Ermittlungspanne weist die Firma auf ihrer Homepage darauf hin, dass die von den Polizeidienststellen bezogenen Abstrichbestecke gar nicht für diesen Einsatzzweck geeignet sind, was in der Produktbeschreibung und dem Beipackzettel von Anfang an vermerkt wurde.[17]

Ende Juli 2009 gab die Staatsanwaltschaft Stuttgart bekannt, dass es gegen die Lieferanten der Abstrichbestecke (die Greiner Bio-One) kein Ermittlungsverfahren geben werde. Der Beobachtungsvorgang gegen das Unternehmen sei beendet worden, sagte ein Sprecher der Behörde. Ein Anfangsverdacht gegen die Firma wegen Vorspiegelung falscher Tatsachen habe sich nicht feststellen lassen.[18]

Siehe auch

  Commons: Greiner Holding  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Die Organe der Greiner Holding AG. Greiner Holding AG, abgerufen am 5. November 2014.
  2. 1 2 3 Greiner in Zahlen. Greiner Holding AG, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  3. Greiner Holding AG. Greiner Holding AG, abgerufen am 18. September 2013.
  4. 1 2 3 Vom Kaufmannsladen zum internationalen Konzern. Greiner Holding AG, abgerufen am 18. September 2013.
  5. Meilensteine in der Geschichte. Greiner Packaging International GmbH, abgerufen am 18. September 2013.
  6. Produkte. Greiner Packaging International GmbH, abgerufen am 18. September 2013.
  7. http://www.greiner-gtt.com/index.php?id=647
  8. http://greiner-aerospace.com
  9. http://greiner-purtec.com
  10. http://www.eurofoam.at
  11. http://www.greiner-multifoam.com
  12. http://www.greiner-gfi.com
  13. Greiner expandiert nach Südafrika. Greiner Holding AG, abgerufen am 18. September 2013.
  14. Bundeskartellamt verhängt Bußgelder in Höhe von 75 Mio. Euro gegen Automobilzulieferer. Bundeskartellamt, 24. Juni 2015, abgerufen am 24. Juni 2015.
  15. Erfolgreichstes Geschäftsjahr in der Geschichte von Greiner. Greiner Holding AG, 28. April 2015, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  16. Die Struktur der Greiner Holding AG. Greiner Holding AG, abgerufen am 13. Oktober 2015.
  17. Pressemitteilung der Greiner Bio One
  18. Bericht auf spiegel-online.de. Abgerufen am 31. Juli 2009.