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vom 31.05.2017, aktuelle Version,

Ironman 70.3 Austria

Laura Philipp, Siegerin 2016 und 2017
Der zweifache Sieger Andreas Böcherer (2015, 2016)

Der Ironman 70.3 Austria ist eine seit 2007 im österreichischen St. Pölten ca. 65 km westlich von Wien stattfindende Triathlon-Sportveranstaltung über die Mitteldistanz 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21,1 km Laufen.

Ironman 70.3 ist ein geschütztes Markenzeichen des chinesischen Dalian Wanda Konzerns bzw. dessen Tochterunternehmens WTC, die ursprünglich dessen Nutzung gegen Zahlung von Lizenzgebühren an unabhängige Veranstalter vergab und seit 2009 zunehmend auch selbst als Veranstalter auftritt.

Organisation

Das Rennen über die halbe Ironman-Distanz wurde 2007 erstmals in Österreich durch die Triangle Sports & Promotion GmbH veranstaltet, die bereits seit 1998 den Ironman Austria und zeitweise auch den Ironman France, den Ironman South Africa, den Ironman 70.3 South Africa und den Ironman 70.3 Monaco organisierte. Der Triathlon entstand als fünfter europäischer sowie zwanzigster Event weltweit mit dem Markenzeichen „Ironman 70.3“ im Veranstaltungsnamen. Gemäß Presseinformationen von Triangle stand die Wahl der niederösterreichischen Hauptstadt St. Pölten als Austragungsort erst nach langen Verhandlungen fest, wobei die zentrale Lage und die leichte Erreichbarkeit ausschlaggebend gewesen wären. Triangle kündigte vor der Premiere, deren Budget sie mit einer Million Euro bezifferte, dessen weltweite Übertragung durch eine Fernsehproduktion des ORF an und warb bereits zur ersten Austragung mit einem erwarteten Nutzen für die Region von rund 12.000 Nächtigungen sowie einer prognostizierten Wertschöpfung von rund 5,2 Millionen Euro.[1][2] De facto erwies sich diese Erwartung zumindest für die Erstaustragung als unrealistisch: Bei der Premiere standen letztlich nur 568 Athleten (bei einem Teilnehmerlimit von 1.500 Triathleten) am Start, die Presse schrieb von rund 5.000 Zuschauern vor Ort.[3]

Die Teilnahmegebühr in St. Pölten betrug bei der Premiere 160 €.[1] 2010 verkauften die Inhaber von Triangle ihre Firma inklusive der Rechte an ihren Veranstaltungen an die inzwischen in den Besitz einer Investmentgesellschaft gegangenen WTC.[4][5] Die Anmeldegebühr stieg für 2016 auf 302 € für Einzelstarter sowie 402 € für Staffeln (jeweils inklusive obligatorischer Servicegebühr), bei Anmeldung mehrere Monate vor dem Wettkampf sind niedrigere Teilnahmegebühren möglich. 2015 gingen insgesamt 2.123 Anmeldungen beim Veranstalter ein, im Vorfeld hatte der Veranstalter als Teilnehmerlimit 2.400 Starter genannt. Seit 2012 wird vom gleichen Veranstalter rund 340 km westlich von St. Pölten auch der Ironman 70.3 Zell am See-Kaprun veranstaltet.

Bei der Erstaustragung des Ironman 70.3 Austria am 2. Juni 2007 war eine Qualifikation für fünfundsiebzig Startplätze bei einem Triathlon in Clearwater als Abschluss der Ironman-70.3-Serie möglich. Die schnellsten Amateure in deren Altersklassen sowie Profi-Triathleten können diese Startplätze nachmittags nach dem Wettkampf in St. Pölten erwerben. Dieses Serienfinale wird unter dem Namen „Ironman 70.3 World Championship“ beworben, stellt aber keine durch einen internationalen Verband vergebene formale Weltmeisterschaft dar. 2010 wurde die Zahl der in St. Pölten angebotenen Startplätze für das Serienfinale, die für je 270 € erworben werden konnten, auf fünfzig reduziert.[6] Seit 2013 werden in St. Pölten noch dreißig Startplätze für das Saisonfinale verkauft.[7] 2016 beträgt die von den qualifizierten Athleten direkt vor Ort in bar zu entrichtende Teilnahmegebühr für die „Ironman 70.3 World Championship“ 378 € (inkl. obligatorischer Servicegebühr).

Um der Windschattenproblematik entgegenzuwirken, starten die Athleten bereits seit der Premiere in einzelnen Startgruppen. Der Start der Profi-Athleten erfolgt dabei etwa zehn Minuten vor den Amateuren. Insgesamt gab es 2015 zehn Startgruppen.

Sportliche Historie

Bei der Premiere 2007 konnte sich Michael Göhner nach 75 km auf der Radstrecke an die Spitze setzen und gewann schließlich vor Gerrit Schellens. Schnellste Frau war die Ungarin Erika Csomor.[3]

2009 fand das Rennen in St. Pölten am 24. Mai statt, Athleten aus 39 Nationen waren gemeldet. Chris McCormack erreichte nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen drei Sekunden vor dem Zweitplatzierten Marino Vanhoenacker das Ziel. Bei den Frauen gelang Sandra Wallenhorst mit dem schnellsten Halbmarathon der Sieg vor Lucie Zelenkova, die nach der zweiten Disziplin noch vor Eva Dollinger und Caroline Steffen an der Spitze gelegen hatte.[8]

2010 verbesserte der Tscheche Filip Ospalý den Streckenrekord auf 3:46:01 Stunden und unterbot damit die Siegerzeit aus dem Vorjahr um mehr als acht Minuten. Bei den Frauen konnte die seit 2007 in Österreich lebende Niederländerin Yvonne van Vlerken einen Endspurt vor der Ungarin Erika Csomor knapp für sich entscheiden.[9]

Zur fünften Austragung 2011 waren Anmeldungen von mehr als 2.300 Athleten aus 50 Nationen eingegangen.[10]

Im Mai 2013 entfiel die Schwimmdistanz witterungsbedingt ersatzlos, 2.268 Athleten waren am Start.[11] 2014 konnte Lisa Hütthaler hier ihren Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen und stellte mit 4:17:20 Stunden einen neuen Streckenrekord bei den Frauen auf.[12]

Im Mai 2015 konnten mit Anja Beranek und Andreas Böcherer zwei deutsche Athleten das Rennen für sich entscheiden.[13] 2016 konnte Böcherer seinen Titel erfolgreich verteidigen und bei den Frauen holte sich Laura Philipp ihren zweiten Ironman 70.3-Sieg.

Streckenverlauf

  • Die Schwimmdistanz startet im Viehofner See und nach 900 Metern Schwimmen gibt es einen etwa 200 Meter langen Landgang zum Ratzersdorfer See.
  • Die Radstrecke verläuft über eine 90 km lange einmal zu durchfahrende Runde durch die Wachau mit etwa 1.024 Höhenmetern – über Herzogenburg, Traismauer, Krustetten, Krems, Lautern, Weißenkirchen, Aggsbach, Gansbach und Obritzberg wieder zurück zur Wechselzone in St. Pölten. Auf einem ca. 16 km langen Teilstück zu Beginn der Radstrecke verläuft diese über das für die Veranstaltung gesperrte Autobahnteilstück der Kremser Schnellstraße S33 zwischen Anschlussstelle St. Pölten Nord bis zur Anschlussstelle Traismauer Nord.
  • Der abschließende Halbmarathon wird über zwei Runden am östlichen und westlichen Ufer der Traisen ausgetragen.

Siegerliste

Männer Frauen
Datum/Jahr 1. Platz 2. Platz 3. Platz
27. Mai 2018
21. Mai 2017 Deutschland Nils Frommhold Deutschland Andreas Böcherer Deutschland Maurice Clavel
22. Mai 2016 Deutschland Andreas Böcherer -2- Schweiz Ruedi Wild Osterreich Paul Reitmayr
17. Mai 2015 Deutschland Andreas Böcherer -1- Deutschland Nils Frommhold Schweiz Jan van Berkel
25. Mai 2014 Spanien Eneko Llanos Belgien Marino Vanhoenacker Osterreich Michael Weiss
26. Mai 2013 Belgien Bart Aernouts Deutschland Andreas Böcherer Spanien Eneko Llanos
20. Mai 2012 Tschechien Filip Ospalý -3- Deutschland Andreas Raelert Frankreich Cyril Viennot
22. Mai 2011 Tschechien Filip Ospalý -2- Osterreich Michael Weiss Vereinigtes Konigreich Paul Amey
30. Mai 2010 Tschechien Filip Ospalý -1- Australien Chris McCormack Deutschland Andreas Raelert
24. Mai 2009 Australien Chris McCormack Belgien Marino Vanhoenacker Italien Massimo Cigana
24. Mai 2008 Italien Massimo Cigana Schweden Björn Andersson Deutschland Michael Göhner
02. Juni 2007 Deutschland Michael Göhner Belgien Gerrit Schellens Deutschland Hans Mühlbauer
Jahr 1. Platz 2. Platz 3. Platz
2018
2017 Deutschland Laura Philipp -2- Niederlande Yvonne van Vlerken Osterreich Lisa Hütthaler
2016 Deutschland Laura Philipp -1- Niederlande Yvonne van Vlerken Deutschland Anja Beranek
2015 Deutschland Anja Beranek Schweiz Nicola Spirig Hug Deutschland Laura Philipp
2014 Osterreich Lisa Hütthaler -2- Finnland Kaisa Lehtonen Deutschland Svenja Bazlen
2013 Osterreich Lisa Hütthaler -1- Schweden Eva Nyström Niederlande Yvonne van Vlerken
2012 Deutschland Julia Gajer Ungarn Erika Csomor Schweiz Natascha Badmann
2011 Schweiz Karin Thürig Ungarn Erika Csomor Niederlande Yvonne van Vlerken
2010 Niederlande Yvonne van Vlerken -2- Ungarn Erika Csomor Schweiz Karin Thürig
2009 Deutschland Sandra Wallenhorst Tschechien Lucie Zelenková Schweiz Caroline Steffen
2008 Niederlande Yvonne van Vlerken -1- Ungarn Erika Csomor Deutschland Sandra Wallenhorst
2007 Ungarn Erika Csomor Danemark Charlotte Kolters Italien Edith Niederfriniger
  Commons: Ironman 70.3 Austria  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Kai Baumgartner: Vertrag unterzeichnet: Austria IRONMAN 70.3 in St. Pölten fixiert. In: 3athlon.de. 22. November 2006, archiviert vom Original am 5. Mai 2007, abgerufen am 15. Februar 2016.
  2. Austria IRONMAN 70.3 in St. Pölten fixiert. In: tri2b.com. 15. November 2006, abgerufen am 15. Februar 2016.
  3. 1 2 Göhner und Csomor bei Premiere in St. Pölten siegreich. In: tri2b.com. 2. Juni 2007, abgerufen am 15. Februar 2016.
  4. Dan Empfield: WTC sold to private equity firm. In: slowtwitch.com. 8. September 2008.
  5. Elzabe Boshoff, Marietjie VanDerMerwe: The Heart of an Ironman South Africa. 2. Auflage. Meyer & Meyer, 2012, ISBN 978-1-84126-363-2, S. 1617.
  6. Clearwater Qualifikation. Archiviert vom Original am 2. Juni 2010, abgerufen am 15. Februar 2016.
  7. Qualifikation Las Vegas | Ironman 70.3 St Pölten. Archiviert vom Original am 17. März 2013, abgerufen am 15. Februar 2016.
  8. Dennis Wachter: Ironman 70.3 St. Pölten. In: tri2b.com. 24. Mai 2009, abgerufen am 15. Februar 2016.
  9. Harald Eggebrecht: Ironman 70.3 Austria: Ospaly und van Vlerken gewinnen mit neuen Streckenrekorden. In: tri2b.com. 30. Mai 2010, abgerufen am 15. Februar 2016.
  10. IRONMAN 70.3 St. Pölten: Die Jubiläumsausgabe steckt in den Startlöchern (5. April 2011)
  11. Harald Eggebrecht: St. Pölten: Böcherer Zweiter bei der Kälteschlacht. In: tri2b.com. 26. Mai 2013, abgerufen am 15. Februar 2016.
  12. René Penno: Ironman 70.3 St. Pölten: Heimsieg bei den Frauen. In: tri2b.com. 26. Mai 2014, abgerufen am 15. Februar 2016.
  13. Deutsche Triathleten gewinnen in Österreich (17. Mai 2015)