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vom 12.03.2017, aktuelle Version,

Klaus Tragbar

Klaus Tragbar (* 1959) ist ein deutscher Bauforscher und Architekturhistoriker.

Leben

Tragbar studierte Architektur an der Technischen Hochschule Darmstadt und spezialisierte sich früh auf Bauforschung und Bauaufnahme; 1989 schloss er das Studium mit dem Diplom ab. Von 1990 bis 1996 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Baugeschichte der TH Darmstadt, wo er sich im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts „Die Kirchen von Siena“ des Kunsthistorischen Instituts in Florenz, Max-Planck-Institut, mit der Baugeschichte des Doms Santa Maria Assunta in Siena befasste. 1997 wurde er mit einer Arbeit zum mittelalterlichen Wohnbau in der Toskana bei Walter Haas promoviert. Tragbar erhielt Lehraufträge der TU Darmstadt (1996–1998, 2002) und der Universität Mainz (1997) und vertrat 1997/98 die Professur für Kultur- und Baugeschichte an der FH Frankfurt am Main. Von 1998 bis 2001 war er Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung. Für seine Forschungen zur Idee des ambientismo von Gustavo Giovannoni erhielt er 2001/02 ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Von 2002 bis 2014 lehrte er als Professor für Entwerfen, Baugeschichte und Architekturtheorie an der Hochschule Augsburg. Im Februar 2013 folgte er dem Ruf als Professor für Baukunst, Baugeschichte und Denkmalpflege an die Universität Innsbruck und leitet dort auch das Forschungsinstitut Archiv für Baukunst.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Baugeschichte des Mittelalters und der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts in Italien, insbesondere zur Rolle der historischen Stadt in der Moderne und zur Architektur im Faschismus in Italien. Seit 2005 führt Tragbar Bauuntersuchungen an der Kirche der Erzabtei St. Peter in Salzburg durch, 2010 begann er außerdem mit Bauforschungen am Baptisterium in Aquileia.

Klaus Tragbar war von 2000 bis 2016 Mitglied im Vorstand der Koldewey-Gesellschaft für baugeschichtliche Forschung. Er ist Gründungsmitglied und Mitglied im Vorstand der Gesellschaft für Bautechnikgeschichte sowie Mitglied im Editorial Advisory Panel des Journal of Construction History. Mit Barry Bergdoll und Andreas Schwarting ist er Herausgeber der Zeitschrift architectura.

Schriften (Auswahl)

  • Vom Geschlechterturm zum Stadthaus. Studien zu Herkunft, Typologie und städtebaulichen Aspekten des mittelalterlichen Wohnbaues in der Toskana (um 1100–1350) (Beiträge zur Kunstgeschichte des Mittelalters und der Renaissance 10). Münster 2003 (= Dissertation)
  • „Der Geist der Tradition“. Anmerkungen zu Historizität und Erinnerung in der italienischen Moderne, in: Kai Kappel und Michael Müller (Hg.): Geschichtsbilder und Erinnerungskultur in der Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts. Regensburg 2014, S. 59–74
  • „Fatta l’Italia, bisogna fare …“ eine nationale italienische Architektur, in: Damian Dombrowski (Hg.): Kunst auf der Suche nach der Nation. Das Problem der Identität in der italienischen Malerei, Skulptur und Architektur vom Risorgimento bis zum Faschismus, Berlin 2013, S. 102–119
  • Wie man eine Kathedrale baut. Anmerkungen zum Baumanagement des Doms in Siena, in: Katja Schröck, Bruno Klein und Stefan Bürger (Hg.): Kirche als Baustelle – Große Sakralbauten des Mittelalters. Köln 2013, S. 41–59
  • Der Quartiere Salicotto in Siena. Eine Stadtsanierung der 1930er Jahre in Italien, in: Kai Krauskopf, Hans-Georg Lippert und Kerstin Zaschke (Hg.): Neue Tradition 3. Europäische Architektur im Zeichen von Traditionalismus und Regionalismus. Dresden 2012, S. 143–166
  • Neue Forschungen zu St. Peter in Salzburg, in: Bericht über die 45. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung vom 30. April bis 4. Mai 2008 in Regensburg. Dresden 2010, S. 255–262
  • Dante und der Duce. Zu den politischen Motiven der Umgestaltung historischer Städte in der Toskana, in: Aram Mattioli und Gerald Steinacher (Hg.): Für den Faschismus bauen. Architektur und Städtebau im Italien Mussolinis (Kultur, Philosophie, Geschichte 7). Zürich 2009, S. 189–210
  • Constructing Siena Cathedral. Sources and Observations on the Use of Brick in the Middle Ages, in: Karl-Eugen Kurrer, Werner Lorenz und Volker Wetzk (Hg.): Proceedings of the Third International Congress on Construction History. Berlin 2009, S. 1411–1417
  • Das dritte Rom. Vom 'caput mundi' zur ‚capitale d’Italia‘, in: Christina Strunck (Hg.): Rom – Meisterwerke der Baukunst von der Antike bis heute (Festgabe für Elisabeth Kieven). Petersberg 2007, S. 468–484
  • Romanità, italianità, ambientismo. Kontinuität und Rückbesinnung in der italienischen Moderne, in: Bericht über die 42. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung vom 8. bis 12. Mai 2002 in München. Bonn 2004, S. 72–83
  • Il campanile del duomo di Siena e le torri gentilizie della città, in: Bullettino Senese di Storia Patria 102.1995, S. 159–186