unbekannter Gast
vom 07.09.2017, aktuelle Version,

Kurt Gumpel (Bankier)

Kurt Gumpel (geboren 25. Dezember 1896 in Hannover; gestorben 16. April 1972 ebenda) war ein deutscher Bankier, Konsul von Österreich und als Mitglied in verschiedenen Aufsichtsräten sowie Aufsichtsratsvorsitzender unter anderem in der deutschen Zement-, Kali- und Maschinenindustrie.[1]

Leben

Kurt Gumpel wurde in der Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs in Hannover geboren als ein Sohn des Kommerzienrates, Bankiers Julius Gumpel und der Alice, geborene Steinberg (1874–1935).[1]

Nach seinem Abitur diente Gumpel 1914 bis 1918 als Kriegsfreiwilliger während des Ersten Weltkrieges, während dessen er zeitweilig als Kriegsgefangener in Griechenland inhaftiert war. Zur Zeit der Weimarer Republik studierte er zwei Semester Staatswissenschaft in Köln an der dortigen Universität, durchlief dann eine Ausbildung zum Bankkaufmann und trat dann als Teilhaber – ebenso wie vor ihm sein Vater – in das Bankhaus Z. H. Gumpel ein, für das er dann mit Einzelprokura handelte.[1]

Nachdem Kurt Gumpel zum Katholizismus konvertierte[2] und im Januar 1921 seine erste Ehefrau Olga Dahl (1889–1947) geheiratet hatte, mit der er zwei Kinder hatte, wurde er zudem Mitinhaber des unter Federführung seines Vaters[1] 1924 übernommenen hannoverschen Bankhauses Ephraim Meyer & Sohn.[3] Sein Sohn Peter Gumpel wurde 1933 zunächst nach Paris gebracht, kehrte 1935 in die Villa der Familie in Berlin zurück, um 1938, nach der Kristallnacht, mit Hilfe des Jesuitenordens auf ein Jesuiteninternat in Nijmwegen zu kommen. Dort überstand er unter falschem Namen den Krieg, bevor er dem Orden beitrat und 1946 nach Rom ging.

Kurt Gumpel wirkte unter anderem mit am Zusammenschluss der Vereinigten Elektrotechnischen Fabriken Lüdenscheid, dem seinerzeit größten Konzern für Installationsmaterialien in Deutschland, dessen Aufsichtsratsvorsitz er übernahm, neben zahlreichen Ämtern in anderen Aufsichtsräten.[1]

Der zum österreichischen Konsul ernannte Gumpel emigrierte nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Januar 1935 zunächst nach Paris, später nach Portugal.[1] In dieser Zeit wurde Gumpels Vater Julius 1942 zunächst in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und von dort aus nach Treblinka verschleppt, wo er Ende September desselben Jahres ermordet wurde.[3]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, dem Tod seiner ersten Ehefrau Olga 1947 und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland kehrte Gumpel im Oktober 1949 aus Lissabon nach Deutschland zurück. Seine zweite Ehefrau wurde Ilse Vogelsang. Kurt Gumpel starb 1972 in seiner Heimatstadt Hannover.[1]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Werner Röder, Herbert A. Strauss (Ges.-Ltg.), Sybille Claus, Beatrix Schmidt (Red.), Jan Foitzik, Louise Forsyth, Lea Honigwachs, Waltraud Ireland, Hartmut Mehringer, Egon Radvany, Hanns G. Reissner, Werner Röder, Dieter Marc Schneider, Herbert A. Strauss: Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 ( = International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945), Bd. 1.: Politik, Wirtschaft, öffentliches Leben, hrsg. vom Institut für Zeitgeschichte und von der Research Foundation for Jewish Immigration, Inc., New York, München, New York, London, Paris: K. G. Saur Verlag, 1980, ISBN 0-89664-101-5; S. 254; online über Google-Bücher
  2. Hannoversche Allgemeine Zeitung, Hannover, Niedersachsen, Germany: Kirche spricht ehemalige Päpste Johannes Paul II und Johannes XXIII heilig – HAZ – Hannoversche Allgemeine. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. Abgerufen am 21. November 2016.
  3. 1 2 Peter Schulze: Bankhaus Ephraim Meyer & Sohn, in: Stadtlexikon Hannover, S. 47