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vom 12.08.2017, aktuelle Version,

Liste der Stolpersteine in St. Johann im Pongau

Die Liste der Stolpersteine in St. Johann enthält Stolpersteine, die im Rahmen des gleichnamigen Kunst-Projekts von Gunter Demnig in St. Johann im Pongau verlegt wurden. Mit ihnen wird an Opfer des Nationalsozialismus erinnert, die in St. Johann lebten und wirkten.

Liste der Stolpersteine

Bild Inschrift Standort Leben
HIER WOHNTE
ALOIS BUDER
JG. 1908
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 11.7.1944
MAUTHAUSEN
ERMORDET 28.10.1944

Liechtensteinklammstraße 3
Buder, Alois Alois Buder wurde am 22. April 1908 in Lassing geboren. Die Eltern waren Karl und Theresia Buder, von Beruf Bauern. Sie hatten zehn Kinder. 1930 übersiedelte er nach St. Johann im Pongau, wo er als Produktenhändler und Frächter arbeitete und 1935 Theresia Steinlechner heiratete. Das Paar hatte einen Sohn, Walter. Nachdem der Widerstandskämpfer Karl Rupitsch aus dem Gefängnis St. Johann befreit worden war, gewährte ihm Buder einige Tage Unterschlupf in seinem Haus und brachte ihn im November 1943 mit einem Lastwagen nach Taxenbach. Er wurde gemeinsam mit seiner Frau verhaftet, von der Gestapo in Salzburg verhört, am 12. August 1944 ins KZ Mauthausen deportiert und am 28. Oktober 1944 gemeinsam mit seinen Kameraden Alois Wind, August Egger und Karl Rupitsch hingerichtet. Seine Häftlingsnummer war 82.819. Seine Frau, die in das Konzentrationslager Ravensbrück eingeliefert wurde, verlor dort am 28. Februar 1945 ihr Leben. Einzig Sohn Walter überlebte, aufgezogen von seiner Großmutter in St. Johann im Pongau.
HIER WOHNTE
THERESIA BUDER
JG. 1910
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 11.7.1944
RAVENSBRÜCK
ERMORDET FEB. 1945

Liechtensteinklammstraße 3
{{{2}}}, Theresia Buder Theresia Buder geb. Steinlechner wurde am 25. November 1910 in St. Johann im Pongau als Tochter von Mathias und Theresia Steinlechner geboren. Ihr Vater stammte aus dem Pinzgau, war Schneidermeister und verstarb bereits vor ihrer Geburt im Juni 1910. Ihre Mutter, eine geb. Grameister, stammt aus dem Flachgau. Nach der Heirat mit dem Frächter Alois Buder am 23. September 1935 wohnte das Paar in St. Johann, Markt 191. Die Eheleute hatten einen Sohn, Walter, und wurden beide nach dem Sturm von Goldegg von den Nationalsozialisten verhaftet. Theresia Buder blieb bis 13. August 1944 im Polizeigefängnis Salzburg inhaftiert und wurde anschließend über Leipzig ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Ihr Ehemann wurde am 28. Oktober 1944 vom NS-Regime in Mauthausen ermordet, sie selbst am 28. Februar 1945 in Ravensbrück. Der gemeinsame Sohn, nunmehr Vollwaise, wuchs bei seiner Großmutter in St. Johann im Pongau auf.[1]
HIER WOHNTE
AUGUSTE HOLZER
GEB. ADLER
JG. 1872
DEPORTIERT 24.6.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 24.9.1943

Südtirolersiedlung 22
{{{2}}}, Auguste Holzer Auguste Holzer geb. Adler (geboren am 3. Juli 1872) war die Tochter eines jüdischen Kaufmannes aus Kirnberg an der Mank. Sie heiratete den Buchdrucker Rudolf Holzer aus Sankt Johann im Pongau, der ebenfalls Jude war. Am 26. August 1902 wurde die gemeinsame Tochter Auguste Johanna geboren, am 11. Dezember 1903 die zweite Tochter Ernestine. Die ältere Tochter heiratete den Gemeindesekretär Vinzenz Auer, der Auguste Holzer im höheren Alter in den ehelichen Haushalt aufnahm. Vinzenz Auer wurde wegen seiner Ehe mit einer Jüdin vom NS-Regime zwangspensioniert, musste wieder eingestellt werden und wurde schließlich in ein Nebenlager des KZ Buchenwald deportiert. Über sein weiteres Schicksal und über das seiner Frau ist nichts bekannt. Auguste Holzer, bereits alt und gelähmt, würde über Salzburg nach Wien verbracht und von dort am 24. Juni 1943 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo am 24. September 1943 ums Leben gebracht wurde. Ihre jüngste Tochter Ernestine hatte einen Mann namens Muik geheiratet, der sich aus Karrieregründen von ihr hatte scheiden ließ. Sie wurde am 7. Jänner 1943 ins Ghetto Theresienstadt deportiert und am 23. Jänner 1943 ins KZ Auschwitz, wo sie ermordet wurde.[2]
HIER WOHNTE
CHARLOTTE
SCHNEIDER
JG. 1876
DEPORTIERT 23.10.1941
ŁODZ
1942 CHELMNO
ERMORDET 9.9.1942

Wagrainerstraße 6
{{{2}}}, Charlotte Schneider Charlotte Schneider geb. Willheim wurde 30. August 1876 in Groß-Meseritsch geboren. Sie heiratete den Schneider Karl Schneider, zog mit ihm nach St. Johann im Pongau und gebar zwei Kinder, Friedrich (geb. am 5. Februar 1905) und Else (geboren am 25. April 1908). Obwohl ihr Mann aufgrund seiner sozialen Ader hohes Ansehen in der Stadt genoss, wurde sein Kaufhaus bereits 1932 Ziel antisemitischer Beschuldigungen seitens der örtlichen NSDAP. 1938 wurde Charlotte Schneider gemeinsam mit ihrem Mann nach Wien vertrieben. Die letzte Wohnadresse des Ehepaares war Wien 9, Grünentorgasse 10, am 23. Oktober 1941 wurden beide ins Ghetto Łódź deportiert, wo Karl Schneider am 28. Juni 1942 ermordet wurde. Charlotte Schneider wurde wenig später, am 8. September 1942, in Vernichtungslager Chelmno ermordet. Sowohl ihre Tochter Else, als auch deren Ehemann Felix Preis und deren gemeinsamen Kinder Peter und Eva wurden 1944 vom NS-Regime im Ghetto Theresienstadt bzw. im KZ Auschwitz ermordet. Einzig der Sohn Friedrich, ein Mediziner, konnte rechtzeitig 1939 nach England emigrieren und überleben. Er musste 1949 die Todeserklärung für Mutter und Vater, Schwester und Schwager, Nichte und Neffe beantragen.[3]
HIER WOHNTE
KARL SCHNEIDER
JG. 1876
DEPORTIERT 23.10.1941
ŁODZ
ERMORDET 28.6.1942

Wagrainerstraße 6
{{{2}}}, Karl Schneider Karl Schneider wurde am 10. November 1876 in Gratzen geboren. Er war von Beruf Schneider, heiratete Charlotte Willheim, zog mit ihr nach St. Johann, kaufte das sogenannte Judenreithaus gleich neben dem ehem. Elisabethinum und begründete das Kaufhaus Schneider. Das Paar hatte zwei Kinder, Friedrich (geb. am 5. Februar 1905) und Else (geboren am 25. April 1908). Der „Schneider Jud“, wie er in St. Johann genannt wurde, galt als Arme-Leut-Schneider, weil er Bedürftigen Preisnachlässe gewährte. Dennoch protestierte bereits im Jahr 1932 ein NSDAP-Gemeinderat gegen Bestellungen von Wäscheartikeln im Kaufhaus Schneider durch die Gemeinde. Kurz nach der Annexion Österreichs stellte die örtliche NSDAP vor Schneiders Geschäft Wachen auf um jene Menschen ausfindig machen zu können, die trotz der antisemitischen Hetze weiterhin dort einkauften. Noch im Jahr 1938 wurde die Familie von St. Johann nach Wien vertrieben und all ihr Eigentum „arisiert“. Die letzte Wohnadresse des Ehepaares war Wien 9, Grünentorgasse 10, am 23. Oktober 1941 wurden beide ins Ghetto Łódź deportiert, wo Karl Schneider am 28. Juni 1942 ermordet wurde. Seine Frau wurde wenig später in Vernichtungslager Chelmno ermordet. Seine Tochter Else, die 1933 in Salzburg Felix Preis geheiratet und mit ihm zwei Kinder hatte, Peter und Eva, wurde am 20. August 1942 mitsamt ihrer Familie ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort wurde ihr Ehemann am 29. Februar 1944 ums Leben gebracht. Sie selbst wurde mit ihren beiden kleinen Kindern am 16. Mai 1944 im KZ Auschwitz ermordet.

Der einzige Über­lebende der Familie war Sohn Friedrich, der Medizin studiert hatte, als Arzt im Pongau tätig war und 1939 nach England emigrieren konnte. Im Jahr 1949 beantragte er die Todes­er­klä­run­gen für seine Eltern, seine Schwester und seinen Schwager, seine Nichte und seinen Neffen. Er verstarb 1983 in Bromsgrove, Worcestershire.[4]

HIER WOHNTE
HANSI THALER
JG. 1937
HEILANSTALT
AM SPIEGELGRUND
ERMORDET 9.9.1942

Hauptstraße 4
{{{2}}}, Johann Thaler Johann Thaler wurde am 12. Juni 1937 geboren und am 9. September 1942 in der Wiener Anstalt Am Spiegelgrund ermordet. Die Eltern waren Johann und Katharina Thaler, die Familie lebte in der Hauptstraße Nr. 4 in St. Johann im Pongau. Eine Erkrankung an Gehirnhaut- und Rippenfellentzündung, die er sich mit anderthalb Jahren zuzog, überlebte er. Jedoch litt er anschließend an Gleichgewichtsstörungen und hatte den Verlust seines Gehörsinns zu beklagen. Daher war auch seine Entwicklung beeinträchtigt und er wurde vermehrt pflegebedürftig. Nach einem Antrag auf Anstaltspflege durch das Gaufürsorgeamt (durch die Aktion T4 waren Reichsstatthalter und Gaufürsorgeämter zur Meldung aufgefordert) wurde er am 25. August 1942 nach Wien in die Heilpädagogische Anstalt am Spiegelgrund gebracht. Die Erstuntersuchung erfolgte durch Heinrich Gross „Körperlich für sein Alter annähernd normal entwickelter Knabe in verhältnismäßig gutem Ernährungszustand […] Kind hört nichts […] während der Untersuchung ist das Kind sehr raunzig, es lässt sich kein Kontakt mit ihm herstellen […] nimmt keinerlei Anteil an den Vorgängen in seiner Umgebung“. Am 7. September verschlechtert sich der Gesundheitszustand rasant, es wurde ihm weder Nahrung noch Flüssigkeit verabreicht, er erhielt das Mittel Luminal gespritzt, wodurch die Lungenfunktion herabgesetzt wurde. Am 9. September 1942 starb er. Als Todesursache wurde „Taubstummheit, Schwachsinn und Lungenentzündung“ angegeben. Die Eltern erhielten die Leiche Ihres Kindes in einem Sarg zugeschickt, Hansi Thaler wurde auf dem Friedhof in St. Johann am Pongau beigesetzt. Zur medizinischen Forschung (auch nach 1945) wurde Hansi Thaler das Gehirn entfernt, im April 2002 wurde es zusammen mit 788 weiteren Gehirnen in einem Wiener Ehrengrab beigesetzt.[5][6][7]
HIER WOHNTE
JOHANN TRAUSNER
JG. 1908
ZEUGE VERHAFTET
VERHAFTET 9.9.1939
SACHSENHAUSEN
ERMORDET 24.10.1941
NEUENGAMME

Liechtensteinklammstraße 3
{{{2}}}, Johann Trausner Johann Trausner wurde am 26. Dezember 1908 in Vorchdorf geboren. Er war Zementwarenerzeuger und heiratete am 4. März 1939 in Rauris Rosalia Ahornegger. Die Trauung erfolgte durch Pfarrer Josef Lackner. Erst in seiner Hochzeitsnacht gestand er seiner Frau, dass er Zeuge Jehovas war. Das Paar lebte am Vormerkt 110. Bereits am 9. September 1939, fünf Monate nach der Hochzeit, wurde Trausner von der Gendarmerie St. Johann verhaftet, weil er sich weigerte, den Hitlergruß zu leisten und in die SA einzutreten. Es erfolgte die Überstellung ins Polizeigefängnis Salzburg, danach wurde Trausner ohne Gerichtsverfahren ins KZ Sachsenhausen eingewiesen. Weitere Verfahren gegen ihn ergaben, dass er den Zeugen Jehovas angehörte. Er wurde ins KZ Neuengamme (nahe Hamburg) deportiert und weigerte sich strikt gegen Befolgung aller Befehle, die er aus Glaubensgründen nicht ausüben konnte. Unter anderem weigerte er sich, vorschriftsmäßig SS-Angehörige durch Abnehmen der Mütze zu grüßen. Nach Berichten von Mithäftlingen soll er sich auch schriftlich gegen Schikanen, denen die Zeugen Jehovas ausgesetzt waren, bei der Lagerleitung beschwert haben. Daraufhin kam er in den Arrestbunker. Trausner wurde am 24. Oktober 1941 in Neuengamme ermordet. In der Sterbeurkunde heißt es: „8-facher Brustdurchschuss (Auf Befehl des Führers und Reichskanzlers erschossen)“.[8]
HIER WOHNTE
KASPAR WIND
JG. 1902
IM WIDERSTAND
VERHAFTET 11.7.1944
MAUTHAUSEN
ERMORDET 28.10.1944

Pöllnstraße 2
{{{2}}}, Kaspar Wind Kaspar Wind (geboren am 11. September 1902 in Forstau) war gelernter Maschinenschlosser, arbeitete als Betonwarenerzeuger in St. Johann im Pongau und war engagierter Gegner des Nationalsozialismus. Dies war auch öffentlich bekannt, denn bereits 1932 stellte er ein Mitglied des Trachtenvereins zur Rede, weil er ein NS-Abzeichen trug. Nach der Annexion Österreichs an das sogenannte Dritte Reich trafen sich in seinem Haus (Markt Pongau Nr. 67) regelmäßig Oppositionelle, um sogenannte Feindsender zu hören. Im Februar 1942 wurde er gemeinsam mit Josef Höller, Alfred Schützer, Franz Pirz (alle aus St. Johann im Pongau) und mit der Bischofshofnerin Hedwig Schmidpeter verhaftet. Das NS-Regime warf ihnen vor, „die Widerstandskraft des Deutschen Volkes zu gefährden“ und die gehörten Nachrichten noch vorsätzlich verbreitet zu haben. Weiters wurde Kaspar Wind zur Last gelegt, dass er mit Karl Rupitsch bekannt gewesen und von diesem mit Fleisch versorgt worden sei, welches ohne Meldung an die Behörden geschlachtet worden war. Rupitsch war im November 1941 wegen Schwarzschlachtungen ins Gerichtsgefängnis Markt Pongau eingeliefert worden. Daraufhin organisierte Wind – gemeinsam mit dem Gendarmeriebeamten Wilhelm Anderle, dem Frächter Alois Buder und der Gefängnisverwalterin Anna Wimpissinger – seine Flucht nach Taxenbach. Kaspar Wind wurde am 12. August 1944 ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert, seine Häftlingsnummer war 82.838. Gemeinsam mit seinen Kameraden Karl Rupitsch, Alois Buder und August Egger wurde er am 28. Oktober 1944 auf Befehl des Reichsführers SS, Heinrich Himmler, hingerichtet.[9]

Verlegedaten

Die Stolpersteine in St. Johann im Pongau wurden von Gunter Demnig persönlich an folgenden Tagen verlegt:

  • 3. Juli 2014: Hauptstraße 4, Wagrainerstraße 6
  • 15. Juli 2015: Liechtensteinklammstraße 3, Pöllnstraße 2, Südtirolersiedlung 22

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Die Goldegger Wehrmachtsdeserteure: Theresia Buder, geb. Steinlechner, abgerufen am 27. August 2015
  2. Stadtbuch St. Johann im Pongau, eine Publikation der Stadt St. Johann, hg. von Gerhard Moser, St. Johann im Pongau 2005, 308 und Opferdatenbank des DÖW
  3. Geschichtswerkstatt St. Johann im Pongau: Biografien, abgerufen am 27. August 2015
  4. Geschichtswerkstatt St. Johann im Pongau: Biografien, abgerufen am 27. August 2015
  5. Biographie von Hansi Thaler auf der Website der Geschichtswerkstatt St. Johann im Pongau. Abgerufen am 27. August 2015.
  6. Waltraud Häupl: Die ermordeten Kinder vom Spiegelgrund. Böhlau-Verlag, 2006, ISBN 978-3205774730
  7. Waltraud Häupl: Der organisierte Massenmord an Kindern und Jugendlichen in der Ostmark 1940–1945. Böhlau-Verlag, 2008, ISBN 978-3205777298
  8. Lila Winkel: Trausner Johann, abgerufen am 27. August 2015
  9. Die Goldegger Wehrmachtsdeserteure: Kaspar Wind, abgerufen am 27. August 2015
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