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vom 14.05.2017, aktuelle Version,

Madruzzo

Familienwappen

Die Madruzzo (dt. Madrutz u.ä.) waren eine italienische Adelsfamilie mit Stammsitzen in Nanno und Denno im Trentino, das sich ab 1452 nach seiner damals erworbenen Besitzung Schloss Madrutz (italienisch Castello Madruzzo) in Lasino benannte.

Sie stellte in der frühen Neuzeit vier Fürstbischöfe von Trient, damit Herrscher über das Trentino, und erlangte so auch auf europäischem Niveau zwischen Reich und Papst einige Bedeutung.

Geschichte

Das Geschlecht der Madruzzo nannte sich ursprünglich nach seinen Besitzungen Nanno und Denno (das letztere Schloss ist heute verschwunden) im Trentino (Region Trentino-Südtirol in Norditalien). Der erste geschichtlich fassbare Vertreter dieser Familie war Roberto signore di Nanno, der am 23. Juli 1217 urkundlich auftritt.[1]

Schloss und Herrschaft Madruzzo (in Lasino im Valle dei Laghi), die ursprünglich einer 1380 erloschenen Adelsfamilie gehörten, die sich di Madruzzo nannte, wurden 1447 von Aliprando, einem Sohn von Guglielmo di Denno-Nanno käuflich von nachfolgenden Besitzern erworben. Seit 1452 nannte sich dessen Bruder, der Stammvater der Familie, Giovanni di Nanno († vor 1469), auch Herr von Madruzzo. Er war zugleich auch „Sindaco“ (etwa: Bürgermeister) von Madruzzo, Calavino und Lasino. Ab 1475 nannten sich seine Nachkommen vorwiegend nach Madruzzo[2] Dessen Sohn Federico von Nano, Herr von Madruzzo, kommandierte 1487 für den römisch-deutschen König Maximilian I. Truppen gegen Venedig. Im 16. Jahrhundert kam auch das Castel Toblino an die Madruzzo, ein altes bischöfliches Lehngut, das zum bevorzugten Sommeraufenthalt der Bischöfe aus dem Hause Madruzzo wurde. Durch Isabelle de Challant (1531–1596), Gemahlin des Giovanni Frederico di Madruzzo (1535–1586), kam das Castello di Issogne im Aosta-Tal an die Familie.

Mit Giovanni Gaudenzio Madruzzo, dem Sohn Federicos, begann die Blütezeit der Madruzzo. Dieser erwarb sich in Diensten Kaiser Karls V. militärischen Ruhm und freiherrlichen Rang.

Cristoforo Madruzzo (1512–1578), Fürstbischof von Trient
Giovanni Ludovico Madruzzo (1532–1600), Fürstbischof von Trient

Sein Sohn Cristoforo Madruzzo (1512–1578) wurde 1539 Fürstbischof von Trient und damit Herrscher über das Trentino. Diese Position, die die Familie weit über ein Jahrhundert besetzen konnte, bildete die Basis für ihre Machtstellung. Cristoforo war außerdem Gastgeber und bedeutender Theologe des Konzils von Trient. Die Zugehörigkeit sowohl zum Heiligen Römischen Reich und dem seine Kaiser stellenden Haus Habsburg, als auch zum italienischen Kulturbereich (unter anderem als Kardinäle der Kurie) wies den Trientiner Fürstbischöfen zudem eine Mittlerrolle zwischen beiden zu, aus der die Bedeutung der Familie erwuchs. 1556 ernannte der spanische König Philipp II. den Fürstbischof Cristoforo zum Gouverneur des Herzogtums Mailand. Im Jahre 1567 verließ er diesen Posten und trat auch von seinem bischöflichen Stuhl zugunsten seines Neffen Giovanni Ludovico Madruzzo (1532–1600) zurück, der seit 1550 Koadjutor mit dem Recht der Nachfolge war.

Geschickte Heiratspolitik verband die Madruzzo in dieser Zeit mit mächtigen europäischen Adelsfamilien, so den Medici, Fugger, Gonzaga, Orsini und den Herren von Ems (oder Altemps).

Folgende waren die Fürstbischöfe aus dem Hause Madruzzo:

Kardinal Ludovico Madruzzo (1532-1600) nahm 1582 als Päpstlicher Legat am Augsburger Reichstag teil, ferner an sieben Papstwahlen. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er in Rom und starb dort auch.

Dessen Neffe Carlo Madruzzo (1562-1629) wurde im Jahre 1600 sein Nachfolger in Trient und 1604 Kardinal. Auch dieser starb in Rom.

Mit dem vierten Trientiner Fürstbischof der Familie, Carlo Emanuele Madruzzo (1599-1658), starb 1658 die Familie im Mannesstamm aus. Sein Gesuch, sich in den Laienstand versetzen zu lassen, um das Aussterben zu verhindern, wurde vom Papst abgelehnt. Freilich hinterließ er einige illigetime Nachkommen, die auch weiterhin politisch und wissenschaftlich hervortraten.

Der Hauptsitz der Familie, das Castel Madruzzo, sowie das Castello di Issogne fielen im Erbgang und durch Heirat 1661 an die Familie Lenoncourt und 1691 an die Del Carretto, Marchesi di Balestrino, die Letzteres nach einem Erbstreit 1696 an eine Linie der ursprünglichen Besitzerfamilie von Challant herausgeben mussten. Das Castel Nanno fiel an die Trentiner Kirche.

Dem aus einer Seitenlinie stammenden Andreas Nikolaus Madruzzo (1685–1726) gelang es, offiziell als Nachfahre des Geschlechts bestätigt zu werden, jedoch starb auch diese Linie 1796 im Mannesstamm aus.

Mitglieder des Hauptzweigs

Carlo Gaudenzio Madruzzo (1562–1629), Fürstbischof von Trient
Carlo Emanuele Madruzzo (1599–1658), Fürstbischof von Trient
  • Giovanni Gaudenzio di Madruzzo (1486–1550) ⚭ 1507 Euphemia von Sporemberg (* ca. 1490)[3]- Sparrenberg[4]
    • Nicola di Madruzzo (1508–1572) ⚭ 1530 Helene von Lamberg († 1559) ⚭ 1560 Gerardina von Arco (1499–1551)
      • Ferdinando Fortunato di Madruzzo (1534–1556) ⚭ Ursula Margarethe, Gräfin von Hohenems (1536–1608)
        • Niccolò IV. di Madruzzo
        • Gianangelo Gaudenzio di Madruzzo, Barone d’Avy (1562–1618) ⚭ 1562 Caterina Orsini ⚭ 1584 Alfonsina Gonzaga
        • Elena di Madruzzo (1564–1627) ⚭ Georg, Graf Fugger von Nordendorf
        • Orsola di Madruzzo ⚭ Christoph von Wolkenstein-Rodenegg
        • Cecilia di Madruzzo († 1633)
      • Giovanni Frederico di Madruzzo (1535–1586) ⚭ 1557 Isabelle de Challant (1531–1596), Erbin des Castello di Issogne im Aosta-Tal
        • Emmanuele Renato di Madruzzo († 1614) ⚭ 1596 Emmanuelle Philiberte de Seyssel
          • Carlo Emanuele Madruzzo (1599–1658), Graf von Challant, Fenis, Avio Aaberg, Fürstbischof von Trient
          • Vittorio Gaudenzio Madruzzo († 1631), Graf von Challant, Fenis, Avio und Aaberg oo Ersilia d’Adda
        • Carlo Gaudenzio Madruzzo (1562–1629) Fürstbischof von Trient, Kardinal (1604), Bischof von Smyrna (1595), Bischof von Sabina (1606)
        • Gian Gaudenzio de Madruzzo, auf Castel Toblino
        • Cristina de Madruzzo (1563–1624) ⚭ 1581 Claudius von Salm († 1583), oo 1583 Conte di Roussilon
        • Gabriele Ferdinando de Madruzzo, Baron di Bauffremont (1564–1507) ⚭ 1598 Bonne de Livron
        • Margherita de Madruzzo (1565–1602) ⚭ Delfino Tizzoni Maria Graf von Desana
        • Caterina de Madruzzo (1570–1623) ⚭ Hannibal Grimaldi, Graf von Boglio
        • Elena de Bona Madruzzo (1572–1639) ⚭ Prospero Frichignono, Conte di Castellengo e Tronzano
        • Eleonora de Madruzzo (1573–1636) ⚭ Carlo Adriano Costa, Conte di Polonghera, Arignano e Fortepasso
        • Isabella de Madruzzo oo Guido Conte di San Giorgio
      • Euphemia von Madrutz
      • Giovanni Ludovico Madruzzo (1532–1600), Fürstbischof von Trient und Kardinal
      • Elisabetta di Madruzzo (1538–1592) ⚭ Johann von Wolkenstein-Rodenegg
      • Odorico di Madruzzo
      • Gaudenzio Madruzzo
      • George Madruzzo
      • Giulia di Madruzzo ⚭ Leopold, Freiherr von Herberstein
      • Eriprando di Madruzzo
      • Cristoforo di Madruzzo
      • Alessandro di Madruzzo
      • Isabella di Madruzzo ⚭ Johann von Wolkenstein
      • Gaudenzio di Madruzzo
    • Cristoforo Madruzzo (1512–1578), Fürstbischof von Trient, Bischof von Tusculum und Kardinal
    • Eriprando Baron di Madruzzo (1523–1547) ⚭ Maxentia Floriani
    • George Madruzzo († 1560)
    • Balthasar von Madrutz
    • Marta di Madruzzo ⚭ Joseph von Egger
    • Katharina von Madrutz († 1551) ⚭ Ulrich zu Spaur und Flavon (1495–1549)
    • Birgitta von Madrutz († 1576) ⚭ 1531 Johann Freiherr zu Trautson Sprechenstein (1509–1589)

Wappen

Wappen der Familie Madruzzo in Siebmachers Wappenbuch von 1605

Der Wappenschild ist geviert. Er zeigt in Feld 1 und 4 sechs schräggestellte Balken in Silber und Blau, das Wappen der Familie Nano, in Feld 2 und 3 auf schwarzem Grund einen silbernen Fünfberg, der mit einem Roten Sparren belegt ist, das Wappen der Familie Sparrenberg (Sparemberg). Der Mittelschild zeigt das alte Madruzzowappen in Rot, in der unteren Hälfte zwei silberne Pfähle.

Rezeption

Benito Mussolini schrieb 1910 einen historischen Roman (L’amante del cardinale, dt. Die Mätresse des Kardinals), in dem er das mutmaßlich dekadente Ende der Familie um den vierten und letzten Fürstbischof thematisiert.

Literatur

  Commons: House of Madruzzo  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Detlev Schwennicke, Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band XVI Bayern und Franken, Tafel 8, Verlag J. A. Stargardt, Berlin, 1995
  2. Detlev Schwennicke, Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band XVI Bayern und Franken, Tafel 8, Verlag J. A. Stargardt, Berlin, 1995
  3. Geneall.net Sporemberg
  4. GeneaNet Sparrenberg