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vom 03.11.2016, aktuelle Version,

Nikolaus Koliusis

Nikolaus Koliusis
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Nikolaus Koliusis (* 2. November 1953 in Salzburg) ist ein bildender Künstler. In seinem Werk beschäftigt er sich vor allem mit dem Sehen als zentralem Medium der Raumwahrnehmung und darüber der Frage des Verhältnisses des Betrachters zum physischen (ot architektonischen) Raum. Die in seinen Arbeiten oft eingesetzten transparenten und Spiegelnden Materialien setzen reflexive Wahrnehmungsvorgänge in Gang in denen der Betrachter zu einem Nachdenken über seine Identität und damit sein Verhältnis zur Welt geführt wird. Im Wahrnehmungsgeschehen werden diese Fragen physisch erlebbar. Aus Denken wird so Erfahrung.

Werk

Die biografische Annäherung geschah durch die Architekturfotografie und einen experimentellen Umgang mit dem Medium der Photographie im Allgemeinen, das dadurch immer wieder hinterfragt wird. Die Fotografie als Ausgangspunkt seiner Arbeitsweise kehrt als Möglichkeit, den Blick des Betrachters zu führen, immer wieder in auch die primär nicht photographischen Arbeiten zurück. Somit bestimmt Reflexivität nicht nur die, durch die an seinen Arbeiten ausgelösten Wahrnehmungserfahrungen, sondern auch die Struktur der Entwicklung des Oeuvres von Nikolaus Koliusis. In den 1970er Jahren hat er als Fotograf für ein Architekturbüro gearbeitet. Hieraus resultiert der für ihn bis heute wichtige Ortsbezug seiner Arbeiten. Seine Interventionen versuchen Einfluss auf den Ort zu nehmen, an dem er seine Objekte (meist aus Glas, Kunststoff oder spiegelnden Materialien) platziert, und damit die Raumwahrnehmung des Betrachters zu verändern. Die Grenzen von Innenraum und Außenraum, von Zentrum und Peripherie werden durch diese Kunstwerke als immer wieder neu zu definierende ausgestellt. Koliusis hinterfragt scheinbar feststehende Kategorien wie Oben und Unten, Innen und Außen und schafft so eine Erweiterung räumlicher Parameter.

Biografie

  • 1970 – 73 Ausbildung zum Fotografen, u. a. bei Emil und Hubert Hatt
  • 1973 – 76 Fotograf in internationalem Architekturbüro, Entwicklung eines Foto-Corporate-Identity-Programms
  • 1976 Forschungsprojekt zur Simulationsfotografie an der Universität Stuttgart
  • 1973 – 78 Gastdozent an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart zum Thema Fotografie im architektonischen Planungsprozess
  • 1978/79 Aufenthalt in New York, erste Zusammenarbeit mit John Cage
  • seit 1979 architekturbezogene Projekte
  • 1980 Stipendium des Kulturkreises im Bund der Deutschen Industrie
  • 1989 Aufenthalt in Japan, u. a. Gastdozentur an der Universität Yamaguchi
  • 1989 – 92 Dozent an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart
  • 1989 Documenta IX, Projekt mit Jan Hoet: „Netz, das die Kunst schützt …“
  • 1992 Aufenthalt in Australien
  • 1992 – 93 Professur an der Gesamthochschule Kassel
  • 1996 erstes Bühnenbild
  • 1999 Kunstpreis „Freundeszeichen Artheon“
  • 2004/2005 Zusammenarbeit mit Uwe Wiczorek, „ZwischenLicht“, Liechtenstein
  • 2005 Architekturpreis „Renault Traffic Award 2005“
  • 2012 Erster Preis im Realisierungswettbewerb zum Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde am Geschichtsort Tiergartenstr. 4 in Berlin, gemeinsam mit der Architektin Ursula Wilms und dem Landschaftsarchitekten Heinz W. Hallmann

Literatur

  • Johann-Karl Schmidt: Glas als symbolische Form. In: Koliusis, Zwischen-Raum, Cantz, Ostfildern 1996, ISBN 3-89322-834-9.