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vom 24.10.2015, aktuelle Version,

Paris Lodronscher Primogeniturpalast

Paris Lodronscher Primogeniturpalast

Der Paris Lodronsche Primogeniturpalast, auch Altes Borromäum, in Salzburg geht auf die 1643 von Paris Lodron gestiftete Primogenitur zurück.

Paris Lodronscher Primogeniturpalast: Seitenansicht vom Mirabellplatz aus

1643 übergab Fürsterzbischof Paris Lodron an seinen Bruder Christoph von Lodron einen Teil des durch die Trockenlegung des Mooses von Itzling und Schallmoss gewonnenen Geländes innerhalb der Stadtmauern Salzburgs als Teil des Primogeniturfideikommiss. Zu dem Palatium Lodronicum gehörte auch das später so genannte alte Borromäum bzw. das heutige Gebäude der Universität Mozarteum in der Dreifaltigkeitsgasse. Der Primogeniturpalast selbst wurde von Dombaumeister Santino Solari errichtet.

Beim Stadtbrand des Jahres 1818 brannte auch dieses Haus aus, es wurde aber weitgehend wieder instand gesetzt. 1846 erwarb Kardinal Schwarzenberg das Gebäude und anstelle des früher vorhandenen niedrigen Hoftraktteiles entstand hier 1846 bis 1848 die Borromäuskirche. 1849 wurde im Haupthaus das nach der neu erbauten Kirche benannte Collegium Borromäum gegründet, eine katholische Privatschule, die zuerst vor allem der Ausbildung von Priesterkandidaten diente und später ein allgemeines Gymnasium wurde. Dieses übersiedelte 1912 nach Parsch, wo es sich auch heute noch befindet.

Danach diente das Haus vorübergehend als Wohnhaus. Im alten Turnsaal des Alten Borromäums war zudem ab 1913 das neu gegründete Salzburger Marionettentheater untergebracht. Daran erinnert heute noch die Aicherpassage im Erdgeschoss des Gebäudes. 1894 ist der bei diesem Haus befindliche Stadttorbogen über die Dreifaltigkeitsgasse (Mitterbachbogen) als Verkehrshindernis abgerissen worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich hier die Büros des ausgebombten Museum Carolino Augusteum.

Der Primogeniturpalast wurde 1972 mit Zustimmung der Gremien der Universität Salzburg, und gegen den erbitterten Widerstand des Salzburger Stadtvereins, großteils abgetragen, um Raum für die Kunsthochschule Mozarteum zu schaffen. Unter der Federführung des Wiener Architekten Eugen Wörle blieben nur die Außenwände des Gebäudes stehen; der zwischen diesen Hauswänden und dem Mirabellgarten bestehende Raum wurde mit einem beinahe fensterlosen, bunkerartigen Bau (ohne natürlichem Licht und ohne Außenbelüftung) angefüllt.

Abgerissen wurde überdies die von Georg Pezolt 1848–1853 im byzantinischen Stil errichtete Borromäuskirche, die die Professoren der Mozarteums gerne als Konzertraum genutzt sehen wollten.

Der 1978 eröffnete Neubau galt von Anfang an als verunglückt, er musste bereits 1998 wegen des Verdachts auf krebsauslösende Schadstoffe im Gebäude (Sick-Building-Syndrom) geschlossen, und durch einen Neubau[1] ersetzt werden.

Zwei Portale tragen weiterhin ein Wappen Paris Lodrons. In der Universität Mozarteum befindet sich seit den 70er-Jahren ein auf Untersicht gemaltes Decken-Fresko von Anton Faistauer mit der Darstellung der Heimkehr Dianas von der Jagd, das auf dem zu wenig hohen Plafond des Mozartsaales angebracht ist.[2]

Literatur

  • Herbert Dorn: Spurensuche in Salzburg. Verschwundene Bauwerke und vergessene Kunstschätze aus acht Jahrhunderten. 1996, Salzburg: Museum Carolino Augusteum, ISBN 3-901014-49-7.

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. Neubau des Mozarteums 2004-2006 durch Architekt Robert Rechenauer, München
  2. Bis 1971 war das Fresko im viel höheren Stiegenhaus des Ledererschlössels in Wien, das von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbaut worden war und 1971 abgetragen wurde, zu bewundern.