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Yerevan
Yerevan, July 2018, © Gerhard Huber, under CC BY-NC 4.0 +Edu

Die armenisch-apostolische Kirche ist die älteste christliche Staatskirche der Welt und gehört zu den orientalisch-orthodoxen Glaubensrichtungen, wie auch die Kirchen in Georgien, Ägypten und Syrien. Diese haben sich bereits Mitte des 5. Jahrhunderts von der römischen Reichskirche abgespalten, weil man mit dem Zentralismus nicht einverstanden war. Zudem gab es auch dogmatische Gründe. Die altorientalischen Kirchen betonen viel stärker die Einheit der göttlichen und der menschlichen Natur von Jesus. Jede orthodoxe Kirche hat ihr eigenes Oberhaupt, einen Patriarchen oder Katholikos. In Armenien trägt sie den Beinamen 'apostolisch', d.h. sie wurde angeblich direkt von einem Apostel gegründet. Der Überlieferung nach haben die Apostel Thaddäus und Bartholomäus schon in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts in Armenien gepredigt und christliche Gemeinden gegründet, bevor König Tiridates im Jahr 301 offiziell das Christentum annahm, bekehrt vom heiligen Grigor. Diese Bekehrung hatte eine kuriose Vorgeschichte. Der fromme Mönch Grigor wurde nämlich vom grausamen König Tiridates für 13 Jahre in einen Kerker gesperrt, während der Herrscher massenweise christliche Jungfrauen tötete. Die grausamen Taten blieben nicht ohne Folgen. Tiridates zog sich eine seltsame, schmerzhafte Krankheit zu, die ihn wie ein Wildschwein aussehen ließ. Seine einzige Rettung war Grigor. Er befreite den Gefangenen aus seinem Kerker. Dieser heilte den König mit der Kraft Gottes. Mehr noch – Tiridates ließ sich bekehren, aber erst, nachdem Grigor 66 Tage lang ununterbrochen den christlichen Glauben gepredigt hatte. Wie viele Ostkirchen feiert auch die armenische eine aufwändige, vor allem gesungene Liturgie. Gebetet wird gleich neun mal am Tag. Die Zeremonien leiten geweihte Geistliche, die auch verheiratet sein dürfen. Das Zölibat ist nur für höhere Kirchenränge verpflichtend. An der Spitze der armenischen Kirche sitzt der Katholikos, der nicht als unfehlbar gilt und sogar abgesetzt werden kann. Übrigens: In Armenien gibt es keine Kirchensteuer. Die Kirche lebt von Spenden, den Gebühren für Zeremonien und dem Verkauf von Devotionalien. Noch eine Besonderheit hat sich im armenischen Glauben zumindest vereinzelt erhalten: das Tieropfer. An wichtigen Feiertagen und vor großen Zeremonien werden – zum Dank an den allmächtigen Gott - vor der Kirche Schafe und Kleintiere wie Hühner oder Tauben geopfert, gegrillt und im Kreise der Gläubigen oder der Familie verspeist.