Ist Trump wirklich Hitler ähnlich?#

Von Christa Chorherr, 9. Oktober 2017

Ja, ich bin ein Fan des Autors Robert Harris! Seit ich „Vaterland“ von ihm gelesen habe, halte ich Ausschau noch Neuerscheinungen von ihm. Auch seine Cicero-Trilogie (Imperium, Titan, Dictator) kann ich allen politisch-historisch Interessierten nur empfehlen. So bin ich auch auf sein neuestes Buch „München“ gestoßen. Ich habe es fasziniert gelesen.

Was ich an Harris Büchern so schätze, ist die Kombination historischer Genauigkeit mit einer spannenden Fiktion. Ein Ziel des Buches scheint es auch zu sein, den Ruf Chamberlains zu rehabilitieren und die Umstände dieser Zeit darzustellen, als viele, viele Menschen glücklich waren, als es „peace for our time“ hieß. Arthur Neville Chamberlain (*1869; † 1940) war ein britischer Politiker der Conservative Party, langjähriger britischer Gesundheitsminister und von 1937 bis 1940 Premierminister des Vereinigten Königreichs. Chamberlain war durch seine Appeasement-Politik (Beschwichtigungspolitik) gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland 1938 maßgeblich am Münchner Abkommen beteiligt. Im nationalsozialistischen Deutschland machte man sich über ihn lustig. Aber mehr über dieses Buch sei gar nicht verraten, man muss es lesen.

Aber was mir beim Lesen besonders auffiel, sind die Parallelen von Hitlers Verhalten zu jenen Präsident Trumps derzeit. Möglicherweise ist das vom Autor beabsichtigt, das Buch ist 2017 erschienen.

Damals, 1938 und in den folgenden Jahren des „Dritten Reichs“ sprach man nicht von „fake-news“, sondern von Lügen (wenn man sich eine solche Äußerung überhaupt traute). Und gelogen wurde wirklich viel von Seiten der Politik in dieser Zeit. Hitler wird dargestellt, als jemand, der sich bei Gesprächen sehr bald langweilt, seine Aufmerksamkeitsspanne scheint sehr kurz gewesen zu sein – auch ein Wesenszug, der bei Trump derzeit von vielen beobachtet wird. „Der Führer“ änderte seine Meinung, man war nie sicher, ob man sich auf sein Wort verlassen konnte. Tweeten konnte er noch nicht, daher wurden seine Meinungsäußerungen nicht so bald einem breiten Publikum bekannt. Auch Hitler war „spontan“, äußerte seine Meinung ohne die Fakten wirklich zu hinterfragen. Er ließ sich von niemanden etwas dreinreden, Widerspruch duldete er nicht, und er blamierte seine Minister und Mitarbeiter gnadenlos auch vor anderen. Der Führer war rachsüchtig und vergaß nie, wenn ihm jemand unangenehm aufgefallen ist. Hitler und seine Entourage werden bestenfalls als ungehobelt und unmanierlich dargestellt.

Auch wir heutzutage wünschen den Frieden, wir fürchten, dass einer diesseits und ein anderer jenseits des Pazifiks Atombomben einsetzt. Dennoch, die USA sind noch immer eine funktionierende Demokratie, während Hitlerdeutschland sehr bald zu einer Diktatur wurde.

Jedenfalls ziehe ich es vor, einen Schmutzkübelwahlkampf über mich ergehen zu lassen, aber in einer Demokratie zu leben, als in einer „sauberen“ Diktatur.