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Reinhold Gayl: Blumen und ihre Paten#

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Reinhold Gayl: Blumen und ihre mythischen Paten - Band 1 Königinnen - Helden - Götter. Verlag Berger Horn - Wien 2019. 152 S., ill., € 23,90
Reinhold Gayl: Blumen und ihre historischen Paten - Band 2 Forscher - Gelehrte - Reisende. Verlag Berger Horn - Wien 2019. 170 S., ill., € 23,90
Blumen und ihre Paten - Set: Band 1 und 2, € 40,00


Reinhold Gayl ist studierter Biologe und Geograph. Er unterrichtete seine Fächer nicht nur in Österreich, sondern auch in Brasilien. In Wien leitete er die Abteilung Ökologie am Naturhistorischen Museum, bildete Ranger für Nationalparks aus und wirkte als Lektor für Biologie-Fachdidaktik an der Universität. Journalistisch tätig, verfasste er zahlreiche Bücher. Die jüngsten widmen sich einem interessanten Thema, über das sich die meisten Pflanzenfreunde wenig Gedanken machen. Wie kommen Blumen, Sträucher und Bäume zu ihrem Namen?

Sie verdanken ihn dem "Erstbeschreiber", dessen Kürzel am Ende der wissenschaftlichen Bezeichnung steht. Das bekannteste, "L.", steht für Carl von Linné, der unzählige Pflanzen als erster beschrieben und ab 1735 in sein berühmtes System aufgenommen hat. Nach sich selbst durfte man keine Pflanze benennen, also wählte ein "Täufer" einen "Paten" - eine dazu passende Persönlichkeit. Als bekanntes Beispiel für ein Ehrentaxon führt der Autor den Kärntner Botaniker Friedrich Martin Welwitsch an, der 1859 die "Welwitschia mirabilis, 'die sonderbarste Pflanze der Welt' in Südafrika entdeckt hat." Auch Linné erfuhr Ehrung in Form seines Namens. Seine Lieblingspflanze, das Moosglöckchen, heißt Linnaea borealis. Seine Taxonomie umfasst "nach unten stetig weiter differenzierte Untergruppen (Taxa)". Die beiden untersten Taxa bezeichnete er - auf Latein oder Griechisch - mit dem Gattungsnamen und danach dem Artnamen. Außerdem bestehen Büchernamen (Trivialnamen) wie Gänseblümchen oder Glockenblume und regionale, mundartliche "Volksnamen".

Manche Benennungen sind seit der Antike gebräuchlich. Der erste Band von "Blumen und ihre Paten" beschäftigt sich mit Namen, die sich aus der griechischen Mythologie, biblischen Gestalten und Heiligen oder neuzeitlichen Helden und HerrscherInnen herleiten. Achilles, der Held des trojanischen Krieges, soll mit dem Saft der Schafgarbe Verwundungen geheilt haben. Achillea millefolium, eine der häufigsten Wiesen- und Wegrandpflanzen, wird dank ihrer ätherischen Öle medizinisch verwendet. Ebenso Artemisia absinthum, aus der man nicht nur Heilmittel herstellt, sondern auch Absinth, die Modedroge des 19. Jahrhunderts. Beim echten Wermut stand die olympische Göttin Artemis Pate. Centaurea cyanus. die Kornblume, verdankt ihren Namen den Kentauren, griechischen Fabelwesen, halb Mensch, halb Pferd.

Populäre Heilige haben es zwar nicht zu lateinischen Bezeichnungen, dafür zu umso mehr Büchernamen gebracht. An Johannes den Täufer erinnern Johanneskraut und Johannesbeere, die um seinen Festtag blühen bzw. Frucht tragen, und der Johannesbrotbaum. Von seinen stärkehaltigen Früchten könnte sich der Asket in der Wüste ernährt haben. Die Gottesmutter Maria wird "unsere liebe Frau" genannt. Dem entsprechend finden sich hier neben der Mariendistel auch Frauenmantel, Frauenschuh und Liebfrauen-Bettstroh. Das Labkraut soll dem Jesuskind in der Krippe als duftende Matratze gedient haben.

Unter den mehr als zwei Dutzend Beispielen, der der Autor im ersten Band beschreibt - und mit eigenen Fotos illustriert - dürfen adelige Herrschaften nicht fehlen. Linné benannte eine Gattung mit rund 1000 Arten nach Prinz Eugen von Savoyen Eugenia. Dazu zählte u. a. die Gewürznelke. Einige spektakuläre Pflanzen erinnern an Regentinnen: Der Blauglockenbaum Paulownia tomentosa STEUD. an Anna Pawlowa, Königin der Niederlande, die Paradiesvogelblume Strelitzia reginae AIT an Sophie von Strelitz, Königin von England, oder die Riesenseerose Victoria amazonica (Poepp.) oder die "Jahrhundertkönigin" Queen Victoria.

Besonders im 16. und 17. Jahrhundert durchstöberten Pflanzenjäger alle Weltgegenden und brachten ihre Beute nach Europa. Ihre Biographien finden sich im zweiten Band. Einer der frühen Forschungsreisenden war Carolus Clusius. Er begleitete anno 1564 den Kaufmann Johann Jacob Fugger auf die Iberische Halbinsel, wo er zahlreiche bekannte Arten beschrieb und 200 neue entdeckte.1573 berief Kaiser Maximilian II. Clusius an den Wiener Hof. Er blieb 14 Jahre, legte einen Apothekergarten an und führte exotische Zwiebelgewächse in Europa ein. So blühten beim Schloss Neugebäude die ersten Tulpen, Hyazinthen und Kaiserkronen. Zu den Neuerungen zählten auch Rosskastanien, Kirschlorbeer und Kartoffel (als Zierpflanze). Anschließend in Diensten des Burgherrn von Güssing, Balthasar Batthyany, unternahm Clusius Forschungsreisen durch Österreich und Ungarn und verfasste darüber 1583 ein umfangreiches Werk. Er beschrieb 500 Pflanzen- und mehr als 100 Pilzarten, "keiner hat so viele neue Arten entdeckt und wissenschaftlich bekannt gemacht. … Clusius war gewiss einer der hervorragendsten Botaniker des 16. Jahrhunderts". Eine amerikanische Baumgattung (Clusia) und zahlreiche Alpenpflanzen, wie der stengellose Enzian (Gentiana clusiana) tragen seinen Namen.

Ein weiterer der ganz großen Botaniker Europas war der Niederländer Nikolaus Joseph von Jacquin. Der Leibarzt Maria Theresias, Gerhard van Swieten, rief ihn nach Wien. Erst 27-jährig leitete Jacquin eine fünfjährige Tropenexpedition des Kaiserhauses. Er kehrte mit reicher Ausbeute zurück, publizierte 30 illustrierte Bände, wurde Professor für Chemie und Botanik und Leiter des Botanischen Gartens der Universität. In Amerika hatte er den Mahagoni-Baum entdeckt und zu Ehren seines Förderers Swietenia mahagoni genannt. "Seine" Pflanze ist die tropische Primel Jacquinia pungens L., die man im Botanischen Garten in Wien bewundern kann.

Die beiden Bände über "Blumen und ihre Paten" sind allen Pflanzenfreunden zu empfehlen, um zu erfahren, welche Geschichte und Geschichten hinter der Flora stehen. So erzählt der Autor unter anderem über populäre Gartenzierden wie Begonia (nach dem französischen Hafen-Intendanten Michel Begon), Bougainvillea (nach dem französischen Kapitän Louis-Antoine Comte de Bougainville), Buddleja (nach dem englischen Geistlichen Adam Buddle), Forsythia (nach dem englischen Hofgärtner William Forsyth), Fuchsia (nach dem deutschen Arzt Leonhart Fuchs), Camellia (nach dem Brünner Apotheker Georg Joseph Kamel), Lobelia (nach dem französischen Botaniker Matthias de l'Obel), Magnolia (nach dem französischen Mediziner Pierre Magnol), Rudbeckia (nach den schwedischen Gelehrten Olof Rudbeck Vater und Sohn), Tradescantia (nach den englischen Pflanzenjägern John Tradescant Vater und Sohn) oder Veitschi (nach der schottischen Gärtnerdynastie Veitch).

hmw