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Elmar Samsinger: Innsbruck, Hall und Schwaz#

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Elmar Samsinger: Innsbruck, Hall und Schwaz. K. u. k. Sehnsuchtsorte im Herzen der Alpen. 296 S., ill., Kral Verlag Berndorf. € 28,90,-

Von "Ötzi" bis Karl Habsburg-Lothringen erstreckt sich der zeitliche Rahmen dieses perfekt gemachten Buches. Der "Mann aus dem Eis" kam vor 5300 Jahren in den Alpen ums Leben. Die Alpen von oben, von Gottried Jäger aus einem Ballon stimmungsvoll ins Bild gesetzt, bilden den eindrucksvollen Einstieg und Ausklang.

Karl Habsburg-Lothringen, unter anderem Gründer und Vorsitzender des Paneuropakreises Alpen-Adria, verfasste das Vorwort: Ganze 658 Jahre ist Tirol nun Teil der gemeinsamen Geschichte Österreichs. Angefangen als Grafschaft, von Kaiser Maximilian I. zur Gefürsteten Grafschaft erhoben und schließlich ab 1918 als Bundesland der Republik, ist Tirol heute eine moderne, innovative Alpenregion im Zentrum Europas, in der auch die Tradition ihren gebührenden Platz hat. Prägnant umreißt der ehemalige Politiker und Medienunternehmer, was die Habsburger mit Tirol verbindet. Margarete von Tirol-Görz (1318-1369) erkor anno 1361 Rudolf IV. von Habsburg zu ihrem Nachfolger. Auf Rudolf den Stifter folgte eine lange Reihe von 24 Landesfürsten. Darunter finden sich so klingende Namen wie Friedl mit der leeren Tasche, Sigmund der Münzreiche, Kaiser Maximilian - der letzte Ritter und erste Kanonier - Erzherzog Ferdinand II. , Claudia von Medici, Maria Theresia bis hin zu Kaiser Franz Joseph und Kaiser Karl I.

Der gebürtige Innsbrucker Elmar Samsinger, Ausstellungsmacher, Herausgeber und Buchautor, schreibt die Geschichte der Tiroler Sehnsuchtsorte Innsbruck, Hall und Schwaz mit Sachkenntnis, gewürzt mit Humor und Ironie. Die erste Hälfte des Bandes widmet er der Landeshauptstadt. Friedrich IV. (1382-1439) verlegte seine Residenz 1420 von Meran nach Innsbruck. Zu Unrecht nannte man ihn "Friedl mit der leeren Tasche", war er es doch, der den Silber- und Kupferbergbau in Schwarz begründete. Unter seiner Regentschaft erlebte das Land eine Zeit der Reformen und des relativen Wohlstands. Gegen Ende seiner Herrschaft war jedoch auch Tirol von der schwersten Hungersnot des 15. Jahrhunderts betroffen.

Innsbruck verdankt sein gotisches Stadtbild mit dem berühmten "Goldenen Dachl" Maximilian I. (1459-1519). Der Kaiser stand an der Schwelle vom Mittelalter zur Renaissance. Seine Gemahlin Maria von Burgund, "die beste Partie Europas", starb nach fünf glücklichen Ehejahren bei einem Reitunfall. Die Brautwerbung ist Inhalt autobiographischer Romane, die mit hunderten künstlerischen Holzschnitten illustriert sind. Für den 1517 fertig gestellten "Theuerdank", ein bedeutendes Werk der Buchdruckerkunst, ließ der "Medienkaiser" eine eigene Frakturschrift schneiden. Als "letzter Ritter" gründete er in Innsbruck eine Plattnerei, die Luxusharnische herstellte. Als "erster Kanonier" forcierte er den Bronzeguss von Kanonen. Als Renaissancemensch liebte er Feste, Jagd und Fischerei, Tanz und Musik. Maximilian förderte Wissenschaft und Kunst. Sein Grabdenkmal sollten 40 Erzstandbilder zieren. Es wurde erst 65 Jahre nach seinem Tod teilweise realisiert. 28 "schwarze Mander und Weiber" aus Bronze wachen in der eigens erbauten Innsbrucker Hofkirche am Kenotaph.

Die zweite Hälfte des Buches ist Hall und Schwaz - Salz und Silber gewidmet. Hall besitzt die größte mittelalterliche Altstadt im süddeutschen Raum. Siedlung und Sudanlage wurden 1232 erstmals erwähnt. 1303 erfolgte die Stadterhebung. Hall besaß das Niederlagsrecht und überflügelte Innsbruck als zentrale Handelsstadt im Inntal. … Die Haller Schiffslände war der erste Flusshafen Tirols. Im 15. und 16. Jahrhundert zählte Hall so zu den bedeutendsten Städten des Habsburgerreiches. Mehr als sieben Jahrhunderte hindurch war Salz aus Hall das "weiße Gold" Tirols. Bis zur Schließung der Saline, 1967, wurden 10 Millionen Tonnen produziert. In der Münzstätte Hall prägte man 1486 aus Schwazer Silber den Guldiner, der für die folgenden Jahrhunderte die Geldeinheit vorgab. In Hall revolutionierte 1550 das erste Münzwalzwerk die Geldherstellung. Auf einem Silbertaler Maximilians lesen wir erstmals das Wort Europa.

Schwaz galt als "Aller Bergwerke Mutter". In seiner Blütezeit zwischen 1470 und 1530 wurden bis zu 85 % des mitteleuropäischen Silbers und 40 % des Kupfers hier gewonnen. Der Bergbau machte die Region zu einer der reichsten Europas. Davon profitierten die Landesherren und Investoren wie die Fugger, nicht aber die Knappen und die Landbevölkerung, wie Elmar Samsinger anmerkt. Einblick in die Produktionsmethoden gibt das Schwazer Bergbuch, eine reich illustrierte Handschrift aus dem Jahr 1556. Damals hatte man den Höhepunkt schon überschritten. Die guten Adern waren ausgebeutet, Wasser drang in die Stollen ein. Zudem machte Gold und Silber aus der Neuen Welt den Edelmetallen aus Europa Konkurrenz. 1615 wurde der Tiefbau eingestellt.

Einige Kapitel des aussagekräftig illustrierten Buches haben Spezialthemen zum Inhalt. Barockoper, Capellpartie und Cantorei beschäftigt sich mit Theater und Musik. Erzherzog Leopold V. (1586-1632), der Bruder Kaiser Ferdinand II., war Bischof von Passau und Straßburg und 1623 -1630 Tiroler Landesfürst. In Innsbruck ließ er die Jesuitenkirche errichten. 1626 verzichtete der Fürsterzbischof auf seine Bistümer und vermählte sich mit Claudia von Medici. Das Landesfürstenpaar liebte die Oper und sorgte für passende Aufführungsstätten. Ihr Sohn übertraf sie noch darin, engagierte Starmusiker und gründete das spätere Tiroler Landestheater. Es fasste 1000 Zuschauer, verfügte über raffinierte Bühnentechnik und galt als schönstes Theater nördlich Italiens.

Andreas Hofer und die Tiroler Freiheit" beleuchtet die Geschichte des berühmten Freiheitskämpfers. Der Mythos von Andre Hofer ist ungebrochen, wiewohl man manche seiner Aussprüche und Handlungen heute durchaus kritisch sieht, schreibt Samsinger. Ein viel besuchter Gedächtnisort ist der Bergisel, wo die Tiroler 1809 siegten. Ein fast 1000 m² großes Riesenrundgemälde zeigt die Schlacht. Um 1900 waren Panoramen dieser Art modern, heute sind nur noch wenige erhalten. Der Historienschinken übersiedelte 2011 von der Talstation der alten Hungerburgbahn an seinen heutigen Ausstellungsort. Im Zusammenhang mit dem Tirol Panorama sind Exponate aus der Geschichte des Bundeslandes und das Tiroler Kaiserjägermuseum zu sehen.

Seit langem sind der Berg und die Landeshauptstadt Ziel "allerhöchster Besuche", ebenso wie zahlreicher "Durischten". Innsbruck, seit jeher ein Verkehrsknotenpunkt zwischen Ost und West, Süd und Nord erhielt 1858 seine erste Eisenbahnverbindung. Der damals eröffnete Bahnhof galt als einer der schönsten der Monarchie. Die ersten Touristen waren ein halbes Jahrhundert vorher aus England angereist. Brauchtum und Volkskultur waren neben der imposanten Landschaft Hauptattraktionen für das zumeist städtische Fremdenverkehrsklientel. 1877 zählten die amtlichen Innsbrucker Meldeverzeichnisse 6.000 Fremde, 1896 waren es bereits 16.000. Franz Joseph kam erstmals als 14-jähriger nach Innsbruck und zuletzt 1909, um an der Andreas-Hofer-Feier samt Festzug teilzunehmen.

Das Abschlusskapitel handelt von Kaiser Maximilian, dem Riesen Haymon, Frau Hitt und dem Kasermandl. Damit lässt der Tiroler Autor mit Witz und Lokalkolorit eine neue Sage entstehen.

hmw