!!! Dominik Hagmann: Augustianis

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'' Dominik Hagmann: Augustianis. Das römische Traismauer. Archäologie aktuell 12. Verlag Berger Horn. 128 S. mit einer großen Karte der Fundstellen,  ill. € 22,- '' \\ \\


Traismauer, "das Tor zum Herzen Niederösterreichs" im südwestlichen Tullner Becken, darf sich seit 2021 über zwei Auszeichnungen der UNESCO freuen: Das Traismaurer Krippenspiel steht auf der Liste des Immateriellen Kulturerbes. Vor allem aber zählt die Stadt zu den Kultur- und Naturerbestätten mit außergewöhnlichem universellem Wert. Das Kastell, der Fächerturm und das Römertor sind Teil der Welterbestätte "Grenzen des Römischen Reiches - Donaulimes (westlicher Abschnitt)". Diesem "römischen Traismauer" hat Dr. Dominik Hagmann nun die erste zusammenfassende Darstellung der zahlreichen archäologischen Aktivitäten auf dem Gebiet des römischen Augustianis in Buchform gewidmet.

Der Autor ist am Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften der Universität für Weiterbildung Krems als Archäologe und Sammlungskurator für den Bereich Römische Archäologie der Landessammlungen Niederösterreich tätig. Sein besonderes Interesse gilt der Digitalen Archäologie in Theorie und Praxis und der interdisziplinären Arbeit. Wichtig ist Dominik Hagmann  ''die Einbeziehung interdisziplinärer Methoden, einschließlich bioarchäologischer Analysen, 14C-Datierungen und aDNA-Studien. Durch die Kombination sozialarchäologischer Interpretationen mit diesen wissenschaftlichen Verfahren kann heute ein vertieftes Verständnis der Vergangenheit erreicht werden.''

Der "Donaulimes" bildete die stark befestigte und zivil genutzte Nordgrenze des römischen Reiches entlang der Donau. Das ''Kastell Augustianis'' war ein Teil davon. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. errichtet, diente es als Standort einer bis zu 500 Mann starken berittenen Einheit. Das Kastell umfasste mit 3,8 ha fast das ganze Altstadtgebiet. Außergewöhnlich große bauliche Reste haben sich erhalten: Das "Römertor" (Wienertor) einst Osttor des Kastells, ein spätantiker Hufeisenturm und der Lagerburgus, ein antiker Festungsbau, der den Kern des heutigen Schlosses bildet. Kastell und Lagerdorf (''Vicus'') hatten ihre Blütezeit im 2. und 3. Jahrhundert. Im Vicus lebten Handwerker, Händler und die Familien der Soldaten. ''Die Häuser bestanden meist aus einem Geschäfts- oder Werkstattbereich an der Straße, einem rückwärtigen Wohnbereich und dahinter oft einem Garten. '' Einige hatten Ziegeldächer, Fußbodenheizungen, Wandmalereien und aufwändige Bodenbeläge. Auch ein Bad und vermutlich ein Heiligtum befanden sich in der Zivilsiedung. An diese schlossen mehrere Gräberfelder an. 

Die archäologische Erforschung Traismauers begann früh, schon im 16. Jahrhundert ist die Rede von einem Weihestein. Die Inschrift bezieht sich auf den - am längsten regierenden - "besten Kaiser",  Antonius Pius (86-161). ''Damit ist dieser Text die älteste bekannte römische Inschrift Niederösterreichs!'' Im 19. Jahrhundert brachte der Eisenbahnbau weitere Funde - für die sich Laienforscher wie der Göttweiger Abt Adalbert Dungl interessierten. Die wissenschaftliche Beschäftigung setzte erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein, ab den 1960er  Jahren intensivierten sich die Grabungen. In den 1970er und 1980er Jahren wurden archäologische Schätze entdeckt, wie bei der Renovierung des Römertors (1976) oder der Stadtpfarrkirche. Dort fand man 1975 in der Krypta, der ehemaligen Lagerkommandatur, die Bestattung eines ca. 30-jährigen Mannes von hohem sozialem Rang. Das Skelett war bis 2025 ausgestellt, bis es "aus ethischen und konservatorischen Gründen" geborgen wurde. ''Eine maßstäbliche Visualisierung auf Basis der digitalen Dokumentation der Bestattung ersetzt nun als Installation den sicher verwahrten Originalbefund.'' Jetzt können modernste Methoden wie aDNA-Analysen und 14C-Datierungen interdisziplinär die Identität des Bestatteten klären.
 
Methodische Neuerungen und privatwirtschaftliche Unternehmungen veränderten in den letzten Jahren die Arbeit der ArchäologInnen. Sie begleiten Bauprojekte und Leitungserneuerungen in Traismauer. Die Untersuchungen brachten zahlreiche Erkenntnisse zur römischen Stadt und ihrer Infrastruktur. '' In den Künetten traten regelmäßig Befunde aus der römischen Kaiserzeit und der Spätantike zutage. Auffällig war, dass die römischen Schichten meist unmittelbar unter dem heutigen Straßenunterbau lagen.''

Während der Autor die Projekte und ihre Betreuer wissenschaftlich korrekt dokumentiert, interessieren sich Laien meist besonders für die Fundstücke. Hier bietet Traismauer eine reiche Auswahl: Eine 1900 Jahre alte Grabstele, die von den Eltern namens Romana und Veregudus ihrer dreijährigen Tocher Maveta gesetzt wurde, Transportgefäße, die weitreichende Handelsbeziehungen verraten, feines rot glänzendes Tafelgeschirr (''Terra sigillata''), formschöne Gläser, Fibeln, Schmuck und Spezialitäten wie ein gläsernes Amulett, kupferne Militärdiplome, eine Hundestatuette aus Keramik oder ein Pferdchen mit integrierter Öllampe. Das Lapidarium im Hof des Schlosses präsentiert eine Auswahl bedeutender Steindenkmäler. Zu diesen zählen zwei römischen Meilensteine, die 1998 im nahe gelegenen Gemeinlebarn entdeckt wurden. Sie dienten der Distanzmessung und Orientierung für Reisende, Händler und Militär, sie transportierten außerdem politische Botschaften im öffentlichen Raum. Die Meilensteine von Gemeinlebarn belegen den Verlauf der Limesstraße und liefern konkrete Informationen zur römischen Straßenorganisation. Eine computergestützte Rekonstruktion des Wegenetzes und viele Angaben darüber finden sich im Buch, das auch als Begleitpublikation der neuen Dauerausstellung ''Traismaurer Schätze'' dient.

Die Beschäftigung mit der reichen Geschichte der Römerstadt führte schon in der Zwischenkriegszeit zur musealen Wissensvermittlung und der Eröffnung eines Heimatmuseums in Traismauer. Mehrfach umgestaltet, bestand es bis 2015. Die Landesmuseum-Außenstelle für Frühgeschichte war schon 2008 aufgelöst worden - ''ein schmerzhafter Einschnitt für die archäologische Präsentation des Ortes.'' Seit 2022 betreut Dominik Hagmann die - ständig durch neue Funde und Erkenntnisse bereicherte - archäologische Sammlung. Als Herzstück der Präsentation ''Traismaurer Schätze'' bezeichnet er ''bedeutende Originalfunde, Pläne und idealisierte Rekonstruktionszeichnungen sowie spektakuläre Leihgaben des Bundesdenkmalamtes und neueste Grabungsfunde ''

Mit dem Begleitbuch ist ihm ein großer Wurf gelungen. Die umfassende Darstellung ist exakt, kompakt und kompetent. Man erfährt viel Neues und erhält Einblick hinter die Kulissen der Altertumswissenschaft. Zahlreiche Visualisierungen und großformatige Fotos im perfekt gestalteten Buch lassen Geschichte lebendig werden. Man kann dazu nur gratulieren ! \\ \\



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