!!! Alfred Luft: Eisenbahn und Straßenbahn
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'' Eisenbahn und Straßenbahn in Wien - 1952 bis 1964. Edition Winkler-Hermaden Wolkersdorf. 140 S., ill., € 28,90'' \\ \\
Alfred Luft ist Apotheker. Er zählt aber auch zur raren Spezies der Eisenbahnlichtbildner. Schon seine ersten Kinderzeichnungen waren Lokomotiven, und sobald er schreiben konnte, notierte er die Nummern von Straßenbahnwagen. In der 6. Klasse des Gymnasiums zeigte ihm ein Mitschüler Fotos, die er von Lokomotiven angefertigt hatte. Gemeinsam mit einem anderen Schulkollegen war ''unsere glimmende Liebe zur Eisenbahn zur lodernden Flamme angefacht … Wir begannen alsbald ebenfalls in ganz Österreich Eisen- und Straßenbahnen aufzunehmen . Schon bald wurde uns bewusst, dass wir in eine Epoche prinzipiellen Umbruchs geraten waren. Bald würden die Dampfloks verschwunden sein, und was wir nicht jetzt zusammenraffen konnten, würde für immer undokumentiert bleiben.''
Der Autor, Jahrgang 1935, lockert die exakten technischen Angaben mit persönlichen Erinnerungen und Kommentaren auf. Zum Einstieg bringt er sein erstes Eisenbahnfoto (T 55 5728) , aufgenommen 1952 in Süßenbrunn. Ein Jahr jünger ist das Bild eines Schulausflugs mit Kollegen und Lehrkräften bei der Endstation Sievering der Straßenbahnlinie 39. Der Bildteil folgt der Ordnung nach Strecken, von 10 (Franz-Josefs-Bahn) bis 25 (Westbahn). Vorortelinie, Verbindungsbahn etc. sind bei den nächstgelegenen Hauptstrecken angefügt. Der zweite Teil des Bild-Textbandes widmet sich der Straßen- und Stadtbahn. Viele Fotos wurden noch nie publiziert.
''Als einziger Wiener Kopfbahnhof hatte der Franz-Josefs-Bahnhof das Bombeninferno des Zweiten Weltkriegs unbeschädigt überstanden. Leider wurde später die Halle abgetragen. Die Geleise sind heute im Parterre eines Gebäudekomplexes versteckt. Von hier gehen nun die Züge über Tulln nach St. Pölten, Krems (damals noch weiter bis St. Valentin) und Gmünd.'' Von 1945 bis 1955 startete vom FJB - der im amerikanischen Sektor Wiens lag - der Militär-Schnellzug "Mozart". nach Tulln, St. Pölten, Linz, Salzburg und München. Ab 1952 verkehrte der „Mozart“ statt über Tulln mit Fahrtrichtungswechsel in Heiligenstadt über die Vorortelinie. ''Auf der herabgekommenen Strecke lag nur ein Gleis'', erinnert sich der Autor und: ''Die Loks trugen, als Blechtafeln gefertigt, die Flagge der USA.'' Die Paradestelle der Vorortelinie führte mitten durch den Türkenschanzpark. Hier fuhr man noch 1957 mit Dampfloks.
''Der Nordwestbahnhof war schon einmal in der Ersten Republik aufgelassen und von der Reichsbahn 1943 wieder in Betrieb gesetzt worden. … Die erste schöne Fotostelle war bei der Hellwagstraße der markante Wasserturm … Gleich danach der Brigittenauer Gasbehälter … Im Hintergrund der Leopoldsberg.''
''Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs war die Nordbahn über die Donau nach Floridsdorf bis 1959 unterbrochen. Statt des Nordbahnhofs wurde in den 1950 er Jahren ein … Bahnhof angelegt, womit zugleich der Name Nordbahnhof verschwand. … Während die Halle des Nordbahnhofs ein Totalschaden war, blieb das Gebäude weitgehend unbeschädigt.'' Eine Rarität ist das Bild der Abtragung der beschädigten Nordbahnbrücke, 1954: ''Nach Pölzung durch hölzerne Pfeiler und Abschneiden der Enden der Pfeiler … wurde angezündet und das Ganze stürzte zusammen.'' Eine fünf Jahre jüngere Aufnahme entstand einige Tage nach der Wiedereröffnung. Während die Tragwerke über der Donau wieder als Bogenbrücke erstellt wurden, verwendete man beim Überschwemmungsgebiet neue Stahlträger.
'' Der von der Anbindung an den innerstädtischen Verkehr … ungünstig gelegene Aspangbahnhof war schon lange kein Ausgangs- und Zielpunkt von Zügen mehr. '' Sie fahren Richtung Schwechat , Flughafen bis Wolfsthal durch einen Tunnel oder auf einer anderen Strecke. ''Am Ostbahnhof begannen gleich drei Routen: Geradeaus über Hegyeshalom nach Budapest, in Simmering ging es links über Donaukanal und Donau bis Stadlau, wo sich die Strecke nochmals links nach Laa an der Thaya und rechts nach Marchegg aufteilte.'' Das Foto aus dem Jahr 1955 lässt den Rohbau des gemeinsamen Süd- und Ostbahnhofs an der Stelle des neuen Hauptbahnhofs erkennen.
Der Bahnhof Meidling gehört zur Südbahn. Das Foto aus dem Jahr 1955 zeigt ihn ''vergleichsweise in gemächlicher Ruhe.'' Auf dem Bahnsteig stehen ein Buffetkiosk und ein Handwagen mit Koffern. Das Haus am Flohberg der Südbahnstrecke war vor 1862 Standort eines "optischen Telegraphen". ''Auf zueinander in Sichtverbindung stehenden, möglichst erhöhten Orten standen Masten, an denen bei Bedarf Weidenkörbe, nachts Laternen hochgezogen wurden. … Sie dienten dem Anfordern einer Hilfslok oder dem Ankündigen der Fahrt am falschen Gleis.''
''Von der Westbahn bringe ich eine Reihe großteils unveröffentlichter Bilder aus den Anfängen meiner Fototätigkeit von 1952/53.'' 1952 wurde für die Heimreise der Teilnehmer des Katholikentages ein Sonderzug bereitgestellt, der wegen seiner Überlänge eine zweite Dampflok als Vorspann benötigte. ''Die Kombination der kleinen 75 er mit der mächtigen 12 er hat es wohl nur ein einziges Mal gegeben.'' Am 19. Dezember 1952 war die von West nach Ost fortschreitende Elektrifizierung nach Wien vollendet. Auch für die drei fotografierenden Gymnasiasten war es ein "historisches Datum": Der Direktor hatte ihnen für ihre Tätigkeit einen Tag schulfrei gegeben.
Auch den zweite Teil des Buches beginnt Alfred Luft mit einer persönlichen Reminiszenz. Um einen Wagen der ehemaligen Pferdetramway, der 1954 im Stadtbahnverkehr im Einsatz war, aufs Bild zu bekommen, überschritt er bei der Station Friedensbrücke die Geleise. Von einem "Schwarzkappler" ertappt, wurde der Vater davon benachrichtigt. Glücklicherweise zeigte er Verständnis und Humor. Die Apotheke "Zur hl. Elisabeth" hat ihren Standort im Eckhaus Klosterneuburger Straße/Pappenheimgasse. Sie wurde 1909 vom Großvater des Autors gegründet, der sie 1970 übernahm und bis 2011 leitete. Die Wohnung der Familie befand sich oberhalb der Firma und war ein idealer Standort des Hobbyfotografen.
Hier und in anderen Teilen Wiens fand er heute ungewöhnlich scheinende Motive: einen als Werbeträger verwendeten Lasttriebwagen, einen Kassawagen, mit dem die Bareinnahmen des Vortags im Morgengrauen von den verschiedenen Bahnhöfen abgeholt wurden, umgebaute Waggons, Salzstreuwagen (von der ehemaligen Pferdetramway), auf Elektrobetrieb umgerüstete Dampftramway-Waggons, Sommer und Winterwagen mit offenen Plattformen, "halbstarke" Garnituren (alte Triebwagen mit modernen Beiwagen), "Hutscherln" (für den elektrischen Betrieb umgerüstete Pferdewagen), "Amerikaner" (Type Z), geschmückte Fahrzeuge und Aussichtswagen mit den typischen Rundbogenfenstern , Verschublok und eine Dampftramwaylok. Sie ist heute ein Prunkstück des Straßenbahnmuseums Erdberg. So schließt sich der Kreis von der Vergangenheit, die gar nicht so weit entfernt scheint, bis zur Gegenwart. Dem fotografierenden Pharmazeuten Alfred Luft gebührt für seine Dokumentation großer Dank.\\ \\
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