!!! Ludwig Paul: Pfeffer, Pfirsich, Paradies
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'' Ludwig Paul: Pfeffer, Pfirsich, Paradies. Kleines Lexikon deutscher Wörter persischer Herkunft. C. H. Beck Verlag München. 215 S., € 17,-'' \\ \\
Glaubt man KI, dann hat die persische Sprache (''Farsi'') ca. 343.000 Wörter, von denen 20.000 gebräuchlich sind. Der Hamburger Iranist Ludwig Paul hat rund 150 Lehnwörter gefunden, die auf verschlungenen Wegen ins Deutsche gelangt sind. Er stellt sie im neuen Beck'schen Taschenbuch vor - von A wie Afghanistan bis Z wie Zucker. Der Autor, Universitätsprofessor und Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften, geht korrekt und vorsichtig vor, weicht offenen Fragen nicht aus und beginnt sein Buch mit einer allgemeinen Einführung: ''Persisch wird in den drei benachbarten Ländern Iran, Afghanistan und Tadschikistan in der jeweils nationalen Variante (Farsi, Dari, Togiki) als offizielle Sprache verwendet und von insgesamt ca. 130 Millionen Menschen gesprochen.''Seit der Erfindung der Keilschrift ist das Persische über 2500 Jahre bezeugt und wird in die historischen Phasen Alt-, Mittel- und Neupersisch unterteit.
''Dieses Buch will die Geschichte der persischen Lehnwörter im Deutschen erläutern und Wörter zum Sprechen bringen'', schreibt Ludwig Paul und: ''Die Mehrzahl sind sogenannte Kultur- oder Wanderwörter. Diese bezeichnen Dinge, Waren oder Techniken, die über weite Sprach- und Kulturgrenzen hiweg wandern und dabei ihren Namen oft beibehalten, angepasst an die sprachliche Umgebung. '' In seinem Lexikon stellt der Autor 40 Eigennamen, 26 Bezeichnungen für Nahrungsmittel, 16 für Materialien, 7 für Kleider, sowie Lehnwörter für Tiere, Blumen, Farben und aus sechs weiteren Sachgruppen vor - etymologisch, historisch und im Kontext. So kann Wortgeschichte zur kurzweiligen Kulturgeschichte werden.
Der ''ALGORITHMUS'', ein Wort für komplexe Rechenverfahren, geht wohl auf den islamischen Gelehrten al-Chwarizimi zurück. Auf Basis persischer, indischer und griechischer Quellen verfasste er Grundlagenwerke über Algebra, das Dezimalsystem und die Zahl Null.
''BAKSCHISCH bedeutet "Trinkgeld" oder "Almosen", in negativem Sinne auch "Schmiergeld", und gehört zu denjenigen persischen Lehnwörtern im Deutschen, denen das Flair der orientalischen Herkunft noch deutlich anhaftet. '' Das entsprechende Wort für "Schenkung" findet sich ähnlich im Mittelpersischen (224-651 n.Chr.)
''CZARDAS'', der Name eines ungarischen Volkstanzes, ist aus dem Türkischen entlehnt (''cardak'' - Laube, Pergola), und leitet sich von der persischen Bezeichnung für einen Kuppelbau mit vier Rundbögen ab.
''DSCHUNGEL'' für Urwald, geht auf das Persische ''gangal'' (Wald) zurück, wurde als ''jangala'' in indische Sprachen und von dort von britischen Kolonisten übernommen. Diese schrieben nach ihrer Aussprache u statt a. Kulturhistorisch verweist der Autor auf Rudyard Kiplings populäres "Dschungelbuch" (1894) und den Hyrkanischen Wald im Norden Irans, der seit 2009 als UNESCO-Kulturerbe gilt (aber trotzdem durch Abholung gefährdet ist).
''ESTHER'', der aus dem Alten Testament bekannte weibliche Vorname, geht vermutlich auf altiranisch ''star'' (Stern) zurück. ''Deutsch "Stern" und weitere indogermanische Entsprechungen wie lateinisch "stella" und altgriechisch "astér", die beide "Stern" bedeuten, sind mit dem iranischen Wort verwandt.''
Die Bezeichnung der ''GIRAFFE'' (''zarafe'') wurde im 13. Jahrhundert aus dem Arabischen in südeuropäische Sprachen entlehnt. Im Mittelpersischen bezeichnete man das höchste Landtier mit einem komplizierten Wort als "Kamel-Kuh-Leopard".
''IRAN'' ist die Eigenbezeichnung des Landes im Vergleich zur Fremdbezeichnung Persien. ''Der Name Iran geht auf mittelpersisch "Eran" zurück … Reza Schah, der erste Herrscher (reg. 1925-1941) der Pahlavi-Dynastie, proklamierte im Jahre 1935 die Eigenbezeichnung "Iran" auch im internationalen Gebrauch. ''
''KASPAR'' ist - in der europäischen Überlieferung - der Name eines der drei Weisen aus dem Morgenland, die nach Bethlehem reisten, um dem neugeborenen Messias zu huldigen. ''Kaspar stammt ab von altpersisch "ganza-bara" (Schatzmeister). … Das Wort kam über die Zwischenstufe "ganzbar" ins Aramäische und Hebräische.'' Im Griechischen und Lateinischen wurde es zum männlichen Vornamen und davon abgeleitet ''Jasper'' und ''Gaspard''.
''LACK'' bezeichnet zum Schutz oder zu dekorativen Zwecken aufgetragene Beschichtungsstoffe. Ursprünglich gab es zwei Arten, den seit dem 7. vorchristlichen Jahrtausend aus dem Saft des Lackbaumes hergestellten Chinalack und den in Indien und Südostasien verbreiteten Schellack. Dieser - und die Bezeichnung ''lak'' - gelangte von Indien über Iran in Richtung Mittelmeerraum und Europa. Die Wortwurzel deutet auf den roten Grundton des Stoffes.
''MUMIE'' erinnert an neupersisch ''mum'' bzw. mittelpersisch ''mom'' (Wachs) und wurde ins Arabische entlehnt. Im heutigen Persisch bezeichnet ''mum'' nach wie vor Wachs, während die Mumie ''mumiyayi'' heißt.
''NAPHTA'', die Bezeichnung für Erdöl-Destillate, von der "Naphtalin" abgeleitet ist, kam aus dem Griechischen über das Lateinische ins Deutsche, wobei das Persische als Quelle betrachtet wird (mittelpersisch ''naft '' - feucht). ''Im heutigen Persisch bedeutet "naft" Erdöl. Aus dem Persischen hat sich das Wort über das Türkische (neft) auch ins Russische (neft) und in andere slawische Sprachen verbreitet.''
''PARADIES'' geht auf ein altiranisches Wort für Umzäunung zurück. ''Ein schön angelegter Garten mit schattenspendenden Bäumen und Bewässerung muss im heißen Klima des alten Orients sprichwörtlich paradiesisch gewesen sein. '' Das Christentum hat aus dem Alten Testament Wort und Begriff übernommen und seine Bedeutung erweitert.
''SCHACH'' ist wohl das bedeutendste Brettspiel. Es dürfte im 6. Jahrhundert n. Chr. in Indien entstanden und nach der Eroberung Irans von den Arabern übernommen worden sein. Die Europäer nannten es nach seiner wichtigsten Figur. Schah (''sah'') ist seit dem 3. nachchristlichen Jahrhundert das persische Wort für König.
''TAFT'' bezeichnet einen satin-ähnlichen, glänzenden Seidenstoff. Das Wort geht zurück auf persisch ''tafta'' (gewebt). ''Im Spätmittelalter brachten arabische Kaufleute den Stoff in der Bezeichnung "tafetá" nach Südeuropa. Das Italienische übernahm das Wort im 14. Jahrhundert als "taffetá" , das Deutsche dann im 15. Jahrhundert als "taffat", "daffet" etc.''
''ZARATHUSTRA'' gilt als Gründer der altiranischen Religion (Zarathustrismus, Zoroastrismus). ''Zarathustra kann irgendwann zwischen 1200 und 600 v. Chr. gelebt haben. Seine Herkunft und seine Wirkungskreise lassen sich … mit gewisser Wahrscheinlichkeit auf die Gegend des südöstlichen Afghanistan (Sistan) bestimmen.'' Eine der Hauptpersonen in Mozarts Oper "Die Zauberflöte" (1791) ist der weise Fürst Sarastro. In Nietzsches "Also sprach Zarathustra" (1883) dient der Name als Chiffre für einen weisen Denker. Der Zoroastrismus zählt heute weltweit etwa 120.000 Gläubige, davon ca. 60.000 in Indien und ca. 30.000 im Iran. ''Im Mittelpunkt des zoroastrischen Kults steht die Verehrung des Feuers. Das wichtigste und "ewige" Feuer des Zoroastrismus befindet sich heute im zentralen zoroastrischen Tempel der südostiranischen Stadt Yazd.'' \\ \\
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