[{Image src='bachmann002.jpg' align='right' width='350' caption='Ingeborg Bachmann am 22. Mai 1960 (Foto: Fritz Peyer, CC BY-SA 4.0)' height='491'}]
!!!Bachmann: Hundert Jahre
!!(Ein Bedenken)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\

Ich nehme diesen hundertsten Geburtstag von Ingeborg Bachmann zum Anlaß für eine kleine Geste. Es erschiene mir unpassend, mich mit einer Verehrer-Pose zu schmücken, denn das wäre geheuchelt. Außerdem empfinde ich ihr Potential als eine Kategorie, die posthume Anbiederung ausschließt.

Das Jubiläum hat mich nun zu einem Rückblick bewegt, da ich seit heuer 70 Jahre alt bin. (Sie wurde bloß 47.) Ich bin in den Welten der Literatur zuhause, seit ich lesen kann. Bücher waren für mich stets Portale, durch die ich gedanklich gehen kann. Beim erwähnten Rückblick fiel mir auf, daß in mir keine österreichische Autorin vor Bachmann so starke Eindrücke hinterlassen hat und daß mir ihre Texte immer leicht zugänglich waren.

Dazu ein biografisches Detail. In meinen Berliner Tagen war es eine überaus belesene Frau mit scharfem Verstand, nämlich Dame Lubowski, genauer: Renee Maria Lubowski, geborene Skrzypczynski, die mir, dem damals 25jährigen, Bachmanns „Das dreißigste Jahr“ besonders ans Herz gelegt hatte. Das in einem Zusammenhang von Debatten mit Dame Lubowski, der mein Faible für geistreiche Frauen vertieft hat.

In einer Art von Privatmythologie ist die Bachmann für mich eine wichtige Markierung. Nicht Gegenstand der Verehrung, sondern einfach ein Glücksfall besonderer Qualität in einem geistigen Leben dieses Landes.

Außerdem denke ich amüsiert daran, welcher Schock eine Frau mit diesem intellektuellen und poetischen Potential für allerhand Besatzungen unserer vorherrschenden Männerkultur gewesen sein muß. Wir sehen heute ja noch jederzeit, welche Widerstände weibliche Intelligenz ansatzlos auslösen kann.
----
>[Causa Bachmann|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/bachmann] (Eine Erörterung)
[{Metadata Suchbegriff='Ingeborg Bachmann, Renee Lubowski, Skrzypczynski, Tangente, Epoche Null, Kulturpolitik, Netzkultur, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
----