[{Image src='epoche002.jpg' align='right' width='500' height='375' caption='Selman Trtovac (links) und Radenko Milak am 13. September 2013 im Gleisdorfer „Museum im Rathaus“.'}]
!!!Zur Epoche Null
!!(Einige Überlegungen)
von __[Martin Krusche|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/kru]__\\
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Als die Berliner Mauer fiel, schien es mir, es habe eine Ära geendet und Europa sei grundlegend stabiler geworden. Als Jugoslawien zerfiel, mußte ich begreifen, daß es nicht so einfach laufen wird.
Inzwischen ist die Weltordnung fundamental erschüttert worden. Alte Sicherheitsversprechen sind weitgehend bedeutungslos. Europa gerät zunehmend unter Druck. Da möchte ich mich nun lieber nicht völlig ratlos fühlen. Also verständige ich mich mit inspirierten Menschen.
In der Arbeit am Projekt „Mini Fabula“ kam mir ein Text von Selman Trtovac in die Hände, denn die erste Redaktion für dieses Vorhaben war meine Aufgabe. Da sah ich von diesem serbischen Künstler präzisiert, was mir schon eine Weile etwas diffus durch den Kopf gegangen war.
Es ist ja verführerisch, sich beim Status quo Europas auf bisherige Schlußfolgerungen zu verlassen, bei all dem als gesichert zu sehen, was man bisher zu wissen meinte. Dann las ich bei Trtovac unter anderem: „Besonders das ‚alte Europa‘ muss sich von kolonialen Denkstrukturen lösen, die heute nicht mehr tragfähig sind. Die Vorstellung kultureller Überlegenheit behindert den notwendigen Dialog in zunehmend komplexen Welt.“
Das war mir schon bei meiner kurzen Befassung mit dem karibischen Philosophen Edouard Glissant aufgefallen. Wie sehr ich nämlich immer noch in eurozentristischen Denkweisen befangen bin. Nun diese klare Denkanstoß von Trtovac. Da schien es mir naheliegend, daß dieser Text mit der Begriffsbildung „Epoche Null“ für unsere Arbeit als Markierung taugt. Um den Auftakt zu einem nächsten Abschnitt hervorzuheben.
Als ich um die Erlaubnis bat, diesen Text genau in solchem Sinn einsetzen zu dürfen, erfuhr ich von Trtovac unter anderem: ''„Was ich damals geschrieben habe, steht jetzt, in den letzten Tagen, unter dem Eindruck eines persönlichen Verlustes: Mein ehemaliger Professor und Freund Klaus Rinke ist kürzlich verstorben. Vieles von dem, was ich formuliert habe, trägt die Spur dieses Menschen: seiner geistigen Großzügigkeit, seines Humors und seiner unerschöpflichen Neugier. Ihm verdanke ich entscheidende Impulse für mein Denken und meine Weltanschauung. In diesem Sinne ist der Text auch ein stilles Andenken an ihn.“''
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>[Übersicht: Epoche Null|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/epoche] (Eine Markierung)
>>[Der Basis-Text von Selman Trtovac: Epoche Null|Kunst_und_Kultur/Volkskultur_und_Mythen/epoche001] (Ein Statement)
[{Metadata Suchbegriff='Selman Trtovac, Epoche Null, Konferenz in Permanenz, Mini Fabula, Kulturpolitik, Netzkultur, Tesserakt, Archipel Gleisdorf, Feuilleton' Kontrolle='Nein'}]
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!Postskriptum
Ich habe oben dieses Foto mit Selman Trtovac und Radenko Milak herausgestellt, weil es zu einem besonderen Ereignis gehört. Im Jahr 2013 befanden wir uns unausweichlich in Überlegungen zum Vorabend eines europaweiten Erinnerns an den Großen Krieg (1914-1928).
Daher hat mich interessiert, wie Menschen aus Österreich, Bosnien und Serbien an diese Situation herangehen, wo sie dabei ihren Fokus haben. Dazu wollte ich Gespräche erleben. In Zusammenarbeit mit Kunsthistorikerin Mirjana Peitler entstand so das Symposion „the track: axiom | südost“, an dem unter anderem diese beiden Künstler teilnahmen. [Link|https://www.van.at/track/set12axiom/so/core.htm]
[{Metadata Suchbegriff=' ' Kontrolle='Nein'}]